Wer Streit unter Erben vermeiden will, muss rechtzeitig vorsorgen. Foto: dpa

Über das Thema Erben frühzeitig zu reden kann manchen Familienzwist vermeiden, meint Redakteurin Imelda Flaig.

Stuttgart - Streit ums Erbe wollen die meisten Deutschen vermeiden, wie eine Allensbach-Umfrage ergeben hat. Doch die Praxis sieht anders aus. Dabei ist der Nachlass ein gewichtiges Thema. Allein zwischen 2015 und 2024 dürften Schätzungen zufolge in Deutschland rund 3,1 Billionen Euro vererbt werden. Eine enorme Summe. Geredet wird darüber allerdings kaum, denn das Erben und Vererben ist in den meisten Familien ein Tabu. Natürlich sind die Hemmungen groß. Wer will schon heute über die Zeit nach dem eigenen Tod nachdenken? Dabei gibt es etliche Fragen, die man frühzeitig klären sollte, sonst ist Ärger programmiert. Jeder fünfte Deutsche, der geerbt hat, musste sich auch mit Erbstreitigkeiten herumplagen.

Man kann zwar auch Vater Staat das Problem überlassen. Denn liegt kein Testament vor, greift schließlich die staatliche Erbfolge. Der Ehepartner bekommt seinen Anteil, die Kinder ihren. Aber Häuser und Wohnungen lassen sich nicht so einfach aufteilen wie Geld. Hinzu kommt, dass die Zeiten, als eine Familie allein aus verheirateten Eltern mit Kindern bestand, vorbei sind. Es gibt auch viele Patchworkfamilien, viele unverheiratete Paare – mit und ohne Kinder –, Paare, die verheiratet sind und keine Kinder haben – da kann das Erbe zur komplizierten Angelegenheit werden.

Im Netz bleiben viele Daten zurück

Zwar wird das Erbe nach Verwandtschaftsgrad aufgeteilt, aber für manchen kann es ein böses Erwachen geben, wenn nach dem Tod des Ehepartners plötzlich die Schwiegereltern auch berechtigte Ansprüche auf Teile des Erbes besitzen. Ein Gespräch kann da für alle Seiten nur von Vorteil sein. Wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Also weg dem Tabu!

Und noch eins: In Zeiten der Digitalisierung bekommt noch ein ganz anderer Aspekt große Bedeutung. Als Stichworte seien nur E-Mails, soziale Netzwerke, Cloud-Dienste und beispielsweise Internet-Accounts genannt. Im Netz bleiben viele Daten zurück, wenn jemand stirbt. Wer nicht will, dass seine Erben Zugriffe auf die digitalen Inhalte haben, tut gut daran, auch hier von sich aus aktiv zu werden.

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