Der Anfang ist gemacht: Ein junger Hip-Hop-Tänzer lernt die ersten Bewegungen. Foto: privat

In einem Slum in Manila (Philippinen) leben Tausende Jugendliche auf einem Friedhof. Kriminalität ist ihr Alltag, oft ihr Broterwerb. Der Ludwigsburger Filmstudent Stefan Müller möchte es mit einem Verein schaffen, dass die Kinder auf die schiefe Bahn geraten.

Ludwigsburg - In einem Slum in Manila leben Tausende Kinder und Jugendliche auf einem Friedhof – für sie ganz normal. Die Gewalt und Kriminalität, die dort herrscht, ist für die Heranwachsenden ebenfalls Alltag, oft irgendwann ihre Form des Broterwerbs. Dies möchte Stefan Müller verhindern.

Vereinsgründung geschah vor drei Jahren

Der Hip-Hop-Tänzer und Regiestudent an der Filmakademie Ludwigsburg hat vor drei Jahren einen Verein ins Leben gerufen, der den Kindern eine Beschäftigung gibt und sie von der Straße holen soll: Hip-Hop 4 Hope. „Als ich 2013 das erste Mal auf den Philippinen war, habe ich einige Kinder und Jugendliche tanzen gesehen, die wirklich Talent hatten“, sagt er, „aber die hatten weder einen Raum noch die richtigen Verhältnisse zum Üben.“ Zurück in Deutschland habe er daher beschlossen, einen Verein zu gründen, der diese Kinder unterstützt. „In meiner Heimatstadt Freiburg habe ich auch schon mit Jugendlichen zusammengearbeitet und getanzt. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht“, sagt Müller. Viele seiner Schützlinge habe er so „von der schiefen Bahn geholt“. Das will er auch in Manila erreichen.

Mit Spenden finanziert Müller den Kindern auf den Philippinen die Tanzausrüstung und bezahlt ihnen den Eintritt für Hip-Hop-Veranstaltungen, bei denen die Jugendlichen auftreten können. Außerdem fahren Müller und seine Tänzer Kollegen regelmäßig in den Slum in Manila und geben dort mehrwöchige Workshops für die Jugendlichen und deren Betreuer. Zwischen 2000 und 3000 Kinder nehmen an diesen Workshops teil, sagt Müller. In dem Inselstaat gebe es einen Trainer, der die Arbeit des Vereins in Müllers Abwesenheit weiterführt und die Kinder trainiert.

Auf der Suche nach einem Raum

Seit einiger Zeit engagiert sich der Verein aber auch für Flüchtlingskinder im Raum Stuttgart und Freiburg. Anfang 2015 sind Müller und seine Freunde in Flüchtlingsheime gegangen, um die Kinder und Jugendlichen zum Tanzen zu animieren und aus dem oft tristen Flüchtlingsheimalltag rauszuholen. „Leider klappt das nur mäßig gut“, sagt Müller. „Denn in Ludwigsburg und im Raum Stuttgart gibt es kaum Räume, die wir zuverlässig und regelmäßig buchen können“, sagt er. Daher müssten die Treffen oft spontan stattfinden, einen festen Termin gebe es nicht. „Mein Traum und der der Szene wäre ein Hip-Hop-Haus in Stuttgart, in dem sich die Gemeinschaft regelmäßig treffen kann“, sagt Müller. „Das würde mehr Kinder motivieren mitzumachen.“

Mehr Erfolg verzeichnet Müllers Verein allerdings in Freiburg. Unter der Leitung eines Freiwilligen, der früher selbst als Jugendlicher mit Müller zusammen getanzt hat, ist ein Tanztheater entstanden, das in diesem Jahr durch ganz Deutschland tourt. Die Stars sind zwölf Flüchtlingskinder, die im Tanz ihre Flüchtlingsgeschichte und ihr Leben in Deutschland erzählen wollen. Im November hatten die Jugendlichen auch einen Auftritt an der Akademie der Darstellenden Kunst in Ludwigsburg.

Der Abschlussfilm ist das nächste Projekt auf den Philippinen

Seine Erlebnisse und die Zustände auf den Philippinen möchte Müller, der als Regisseur unter dem Namen Steve Won auftritt, in seinem Abschlussfilm festhalten. „Viele meiner Filme haben mit Tanz zu tun“, sagt er. In seinem nächsten Dokumentarfilm soll es auch um die politischen Probleme des Landes gehen. Dafür zieht Müller für längere Zeit nach Manila. Zum Hip-Hop-Tanzen und Filme drehen.

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