Wenn der Strom ausfällt, bleibt im Grunde nichts anders übrig, als bei Kerzenlicht auf bessere Zeiten zu warten. Foto: dpa-mag

Was wäre, wenn für drei Tage der Strom weg wäre? Die Verwaltung von Leinfelden-Echterdingen hat überprüft, wie handlungsfähig sie im Fall der Fälle wäre. Die Antwort fällt nicht gerade beruhigend aus.

Leinfelden-Echterdingen - Was passiert. wenn in Leinfelden-Echterdingen drei Tage lang der Strom ausfällt? 72 Stunden lang gebe es dann kein Licht, kein Handyempfang, Computer wären funktionslos. Die meisten Menschen könnten ihrer Arbeit nicht nachgehen. Sämtliche elektrische Geräte wären unbrauchbar. Es kann dann weder gekocht, noch gebügelt werden, abends heißt es, im Kerzenlicht auszuharren.

Beruhigend ist: Die Feuerwehr wäre einsatzbereit, auch wenn sie nur noch via Funk informiert werden kann. Die Mitarbeiter der Stadtwerke könnten den Bürgern behilflich sein. Denn in deren Gebäuden gibt es Notstromaggregate, bei anderen städtischen Gebäuden wie den Rathäusern in Echterdingen und Leinfelden sieht dies anders aus. Hier muss die Kommune nachbessern, um auf einen Blackout vorbereitet zu sein.

Das hat das Ingenieurbüro RBS wave GmbH im Auftrag der Stadt herausgefunden. Das Büro empfiehlt Investitionen in Höhe von 450 000 Euro. Oberbürgermeister Roland Klenk will das Ganze innerhalb von zwei Jahren umsetzen. Auch Stadträte unterschiedlicher Couleur nehmen das Thema ernst und wollen es nicht auf die lange Bank schieben.

Mit dem Geld könnte dann auch das Sportzentrum Leinfelden und der Sportpark Goldäcker mit Netzersatztechnik ausgestattet werden, sodass sie als Anlaufstellen für Bürger sowie als Notunterkünfte in Frage kommen. Im Sportpark Goldäcker könnten bis zu 1800 Menschen unterkommen, im Sportzentrum Leinfelden bis zu 330 Bürger.

Es kommt vielerorts immer wieder zu Stromausfällen

Das Szenario ist nicht aus der Luft gegriffen. Immer wieder kommt es vor, dass Kommunen von jetzt auf nachher von der Elektrizität abgeschnitten sind. In New York waren zuletzt 70 000 Menschen davon betroffen. Aufzüge standen still, Ampeln fielen aus, an U-Bahn-Stationen musste der Betrieb eingestellt werden.

Und auch in der Region Stuttgart kommt es immer wieder zu Stromausfällen: Die Plochinger Innenstadt war Ende Juni acht Stunden ohne Strom. Im April 2018 gab es in Waldenbuch anderthalb Stunden keinen Strom. In den Geschäften fielen die Kassen aus, in den Unternehmen stockten die Produktionsprozesse. Feuerwehr und Polizei konnten nur noch über Funk erreicht werden.

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hofft freilich, dass sie von einem solchen Notfall verschont bleiben wird, zum Schutz der Bürger, der örtlichen Unternehmen sowie der Messe und des Flughafens will man aber „bestmöglich vorbereitet sein“, wie Oberbürgermeister Roland Klenk sagt. Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell erklärt: „Wir kennen Fälle aus anderen Städten und sind vorausschauend unterwegs.“

Die Kommune hat untersuchen lassen, wie handlungsfähig sie bei einem Stromausfall von bis zu drei Tagen wäre. Ein Ergebnis: Beim Abwasser und bei der Gasversorgung könnte zu Problemen kommen. Die Kläranlagen brauchen laut Stadtwerke-Chef Peter Friedrich sehr viel Strom und sind nicht notversorgt. Das Abwasser werde bei einem längeren Stromausfall zunächst in große Regenrückhaltebecken geleitet und dort aufgestaut. Seien diese vollgelaufen, müsse das Abwasser schlimmstenfalls ungeklärt in Flüsse ableitet werden.

Die Gasversorgung kann nur kurzfristig sichergestellt werden. Denn auch Heizungspumpen brauchen Strom. Laut Friedrich wird noch geprüft, ob Blockheizkraftwerke eingesetzt werden könnten. Bei der Wasserversorgung kann derweil Entwarnung gegeben werden, obwohl auch diese vom Strom abhängig ist. Die Bodenseewasserversorgung liefert das kühle Nass. Das Unternehmen hat laut Friedrich gute Notstromaggregate.

Den Notfall üben

Die Stadt L.-E. hat einen administrativen Krisenstab eingerichtet. Sie hat geklärt, wer im Fall der Fälle welche Aufgaben übernimmt. Führungskräfte wurden entsprechend geschult. Zu klären gilt es dann beispielsweise, ob für Bürger, die evakuiert werden müssen, Ersatz-Unterkünfte gebraucht werden oder wie die Lage in den städtischen Altenheimen aussieht. „Die Zuständigkeiten sind geklärt“, sagt Bürgermeister Kalbfell. „Dennoch stehen wir erst am Anfang.“

Mit der Zeit sollen Unterlagen erstellt werden, auf die im Notfall zugegriffen werden kann. Eine konkrete Notfallübung mit Mitarbeitern der Verwaltung soll es im Laufe des nächsten Jahres geben. Die Stadt hat sich vorgenommen, die Bürger für das Thema zu sensibilisieren.

Besondere Bedeutung – sollte ein solcher Krisenfall eintreten – werden die Rathäuser in Echterdingen und in Leinfelden samt Feuerwehrhaus haben. In Leinfelden soll der Hauptsitz des Krisenstabes sein, der Ausweichstandort liegt in Echterdingen, der Neubau der Stadtwerke dient als Not-Krisenstab. Die Leinfelder Feuerwehr hat die operativ-taktische Leitung inne.

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