Neben der Gemeindehalle in Hoheneck soll eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden. Foto: factum/Weise

Die Stadt Ludwigsburg will auf einem Bolzplatz in Hoheneck eine Flüchtlingsunterkunft bauen – und drängt auf eine Entscheidung. Die Bürger wollen, dass woanders gebaut wird – und sind wütend.

Ludwigsburg - Was bedeutet schnelles Baurecht? Gibt es auch einen Artenschutz für Kinder? Fragen wie diese wurden am Montag im Hohenecker Gemeindehaus gestellt, und natürlich wurde gestritten, denn es ging um den Standort für eine neue Flüchtlingsunterkunft. Die Verwaltung hatte zu einem Informationsabend eingeladen. Nicht zuletzt, um Versäumtes nachzuholen. Denn die betroffenen Bürger hatten erst von den Plänen erfahren, als diese vom Gemeinderat beschlossen werden sollten. Nun hat der Oberbürgermeister Tempo aus der Sache herausgenommen – nicht ohne jedoch weiterhin mit dem „Faktor Zeit“ zu drohen.

In dem Szenario, das die Stadtverwaltung bisher gezeichnet hat, könnte die Zeit tatsächlich sehr knapp werden. Denn demnach muss Ludwigsburg im kommenden Jahr knapp 600 Flüchtlinge aufnehmen, die von den Behörden anerkannt worden sind. Da es jedoch nur Raum für knapp die Hälfte davon gibt, möchte die Stadt an vier Standorten Wohnblocks für die sogenannte Anschlussunterbringung aufstellen.

200 Bürger im Saal

Exemplare der von der Wohnungsbau-Gesellschaft konzipierten und auf die Typenbezeichnung Cube 11 getauften Module stehen bereits an der Bebenhäuser Straße und an der Brucknerstraße. In Hoheneck sollen zwei Module auf einem Platz an der Gemeindehalle in der Hartstraße aufgestellt werden. Für diesen Standort spricht aus Sicht der Verwaltung, dass man die Pläne sofort realisieren könnte; es gelte das für Flüchtlinge beschleunigte Baurecht, ein Bebauungsplan sei nicht nötig.

Aus Sicht der Hohenecker spricht indes fast alles gegen das Konzept. Vor allem aber, dass sich dort ein Bolzplatz befindet. Das wiederholten auch die etwa 200 Bürger, die der Einladung am Montag gefolgt waren. „Wir können natürlich Bedenken sammeln“, sagte der Oberbürgermeister Werner Spec in der Versammlung. „Aber damit wird diese Herausforderung nicht gelöst.“ Es sei ja wohl „nichts Verwerfliches“, wenn man seine Bedenken vortrage, meinte ein Bürger.

Dampf aus dem Kessel

Fachbereichsleiter hatten zuvor an einer Schautafel mögliche Standorte für eine Flüchtlingsunterkunft in Hoheneck vorgestellt und erläutert, warum nur der Bolzplatz infrage komme. Bei allen übrigen Flächen gebe es Konflikte mit dem Artenschutz, dem Baurecht oder dem Straßenlärm. Doch die Hohenecker hielten dagegen: „Wir sind nur hier, um über Alternativen zu sprechen“, sagte der ehemalige Stadtrat Bernd Kirnbauer und bekam dafür Applaus. „Gibt es auch einen Artenschutz für unsere Kinder?“, fragte der Architekt Jochen Zeltwanger.

Wenn sie den Bolzplatz erhalten wollten, müssten die Bürger andere Standorte anbieten, erwiderte der OB: „Es geht um eine Lösung.“ Als er sie aufforderte, sich in Arbeitsgruppen aufzuteilen, ging ein lautes Murren durch die Reihen. Viele hielten das für einen Versuch, „den Dampf aus dem Kessel zu nehmen“. Einige Bürger verließen empört die Veranstaltung, aber die meisten blieben, um ihre Anregungen einzuspeisen. Die neuen Ideen sollen in einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und des Sozialausschusses am Mittwoch, 6. Dezember, vorgestellt und beraten werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: