Bundesbankchef Jens Weidmann plädiert für eine Straffung der Geldpolitik. Foto: dpa

Die EZB diskutiert über eine Staffelung der Strafzinsen, die Kreditinstitute für Einlagen bei der Notenbank zahlen müssen. Dadurch ist der Eindruck entstanden, die EZB wolle an den umstrittenen Minuszinsen noch lange festhalten. Bundesbankchef Weidmann hält die Debatte für kontraproduktiv.

Frankfurt - Bundesbankpräsident Jens Weidmann ist gegen eine Staffelung der Gebühren, die Banken für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen müssen. „Im Verhältnis zum Zinsüberschuss der Banken sind diese Zahlungen klein“, sagte Weidmann am Freitag laut vorab veröffentlichtem Redetext in Frankfurt. Überdies bestehe die Gefahr, dass die gegenwärtig vom EZB-Rat diskutierte Staffelung eine Normalisierung der Geldpolitik weiter hinauszögere.

Milliardenschwere Belastung

Bei den umstrittenen Gebühren handelt es sich um Negativzinsen. Der Zinssatz auf Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB liegt derzeit bei minus 0,4 Prozent, die kollektiven Kosten für die Kreditinstitute im Euroraum lagen zuletzt bei rund 7,5 Milliarden Euro im Jahr. Ein Großteil davon dürfte auf Banken aus den größten Euro-Staaten Deutschland und Frankreich entfallen, konkrete Zahlen hierzu gibt es allerdings nicht.

Zur Entlastung der Branche wird diskutiert, den Einlagensatz je nach Höhe der bei der EZB geparkten Summe zu staffeln. Diese Überlegungen haben an den Finanzmärkten allerdings Spekulationen ausgelöst, dass die Notenbank an den Minuszinsen grundsätzlich noch lange festhalten wird. Diese „Verschiebung der Normalisierungserwartungen“ sei problematisch, sagte Weidmann, der im EZB-Rat seit langem für eine Straffung der Geldpolitik eintritt.

Nach dem offiziellen Fahrplan der EZB könnten erste Leitzinserhöhungen nächstes Jahr erfolgen. Damit könnte auch der Einlagensatz angehoben werden, womit sich eine Staffelung erübrigen würde.

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