Ab sofort thront wieder ein Mops auf dem Loriot-Denkmal am Eugensplatz. Foto: Leif Piechowski

Das Kernerviertel hat seinen Mops wieder. Am Dienstag feierten rund 500 Fans die Enthüllung von Loriots Wappentier auf der Gedenksäule am Eugensplatz – und ein bisschen auch sich selbst.

Stuttgart - Dass die Einweihung des Mopses so tierisch gut ankommt, war nicht zu erwarten. Etwa zehn Prozent der rund 500 Besucher kamen auf vier Beinen zum Fest – und waren Möpse: Große, kleine, dicke, dünne, alte und junge wollten die Enthüllung ihres Artgenossen aus Bronze miterleben. Doch bis Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) am roten Band zog und das Leintuch fiel, mussten sie sich einige Reden lang gedulden.

Jan Sellner, Leiter des Ressorts Landesnachrichten der Stuttgarter Nachrichten, die den Festakt organisierte, eilte im Mopsgalopp durch die Vergangenheit in die Gegenwart der Mops-Affäre: Er erinnerte an die Einweihung der mopslosen Säule, die plötzlich ein goldener Mops krönte, der genauso plötzlich wieder verschwand. „Es gibt wichtigere Dinge, aber es ist auch wichtig, dass es Dinge gibt, über die man schmunzeln kann, stellte Sellner fest. Damit war auch der Grund genannt, dass sich die Stuttgarter Nachrichten für die Rückkehr des Mops starkmachte.

Warum ein OB eine Bagatelle wie die Mops-Einweihung zu seiner Sache macht? Die Frage wurde Fritz Kuhn häufig gestellt. Am Eugensplatz verriet er es. „Weil Loriots feine Ironie den Menschen guttut“, offenbarte er sich als Fan des 2011 verstorbenen Humoristen schon seit seiner Kindheit.

Und warum sollte sich ein OB nicht um einen Mops kümmern, wo sogar der Dichter Ernst Jandl das Benehmen von Ottos Mops in Poesie umgesetzt hat. Zum Besten gab das Gedicht der Weltraumfahrer Ulf Merbold. Kabarettist Christoph Sonntag plädierte dafür, eine Mops-Partei zu gründen. „Da weiß man: Die sind bestechlich. Wer ihnen eine Wurst gibt, den beißen sie nicht.

Gegen 11.45 Uhr war es so weit. In dem von allen mit Spannung erwarteten Augenblick ertönte kein Paukenschlag, sondern ein leises Bellen. Urheber: Polly, ein Hund, der kein Mops, sondern ein Boston-Terrier ist und Comedian Michael Gaedt gehört. Der versicherte, dass das nicht einstudiert, sondern Pollys Begeisterung echt sei. Eine Begeisterung, die die Möpse ansteckte: Die Hülle über der Bronze fiel unter lautem Gebell. Und endlich konnten sie alle sehen – die Möpsin von Bildhauer Uli Gsell: Sie sitzt nicht, sondern steht fest auf vier Beinen. „Jeder Künstler sollte einmal in seinem Leben einen Mops gemacht haben“, kommentierte der Künstler sein Werk. Mopsfans können bei ihm kleine und große Bronzen erwerben. Die großen Möpse können fünf-, die kleinen neun mal nachgegossen werden.

Der Autor und Historiker Gerhard Raff, Ideengeber für die einst mopslose Loriot-Säule, erkannte nach der Enthüllung die Zeichen der Zeit: „Die nulltarifliche ­Mopseisspeisung“ in der Eisdiele Pinguin war endlich angesagt. Aber vorher gab es noch großes Händeschütteln und Schulterklopfen: Denn der Mops gefällt allen – und jeder hat mitgeholfen, ihn auf die Beine und die Säule zu stellen: die Bürger, weil sie wieder einen Mops forderten, die Spender durch große und kleine Geldbeiträge, der Künstler, weil er sich auf die Idee eingelassen hatte. Raff und Volker März, der die Säule stiftete, weil sie mit der Idee einverstanden waren.

Und die Mops-Affäre ist noch nicht vorbei: Jetzt wird ein Name für das Tier gesucht.

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