Die neuesten Streichpläne sind nicht die ersten bei GE in Deutschland. Das obere Bild zeigt Beschäftigte beim Protest gegen ein früheres Abbauprogramm auf dem Mannheimer Marktplatz. Foto: Kunz

Zu lange haben Kraftwerksausrüster wie General Electric und Siemens die Energiewende ignoriert. Die Ankündigung beider Konzerne, massiv Stellen in der Kraftwerksausrüstung zu streichen, ist auch ein Eingeständnis fataler Fehler, meint Ulrich Schreyer.

Stuttgart - Was zu lange auf die lange Bank geschoben wurde, rächt sich nun – bei General Electric, aber auch beim Konkurrenten Siemens. Die Ankündigung beider Konzerne, massiv Stellen in der Kraftwerksausrüstung zu streichen, ist auch ein Eingeständnis fataler Fehler. Die erste Klimakonferenz der Vereinten Nationen ist schon gut 20 Jahre her. Dass nicht sonderlich ernst genommen wurde, was die Abgesandten aus den unterschiedlichsten Ländern damals in Berlin besprachen, mag man niemandem vorwerfen, schließlich war dieses Treffen erst der Beginn der Debatte über den weltweiten Klimawandel – und über dessen Eindämmung.

Falsch war es aber, dass die Kraftwerksausrüster auf die immer mehr an Dynamik gewinnende Klimadiskussion nicht reagierten. Ähnlich wie die großen Energieversorger RWE und Eon, mit Abstrichen aber auch die baden-württembergische EnBW, haben sie wohl darauf gehofft, weitermachen zu können wie bisher – nämlich große Kraftwerksblöcke zu planen und auszurüsten. Als Pionierleistung wurde noch vor nicht allzu langer Zeit herausgestellt, wenn ein Kohlekraftwerk eine Rauchgasentschwefelungsanlage und einen möglichst hohen Schlot erhielt, auf dass die Emissionen vom Winde verweht würden.

Krokodilstränen der Kraftwerksausrüster

Wenn die Kraftwerksausrüster nun über die Zunahme der erneuerbaren Energien und die auch deshalb sinkende Nachfrage nach konventionellen Kraftwerksblöcken klagen, weinen sie Krokodilstränen. Selbst kräftig in erneuerbare Energien zu investieren, Solaranlagen oder Windkraftwerke zu entwickeln – dies wurde zumindest nicht entschieden genug vorangetrieben. Dass heute noch ganze Heerscharen von Ingenieuren an der Energieversorgung von gestern herumtüfteln, ist ein Indiz für diese Vermutung.

Die Folgen der falschen Geschäftspolitik haben – wieder einmal – die Mitarbeiter zu tragen. Bei Siemens, aber auch bei General Electric – in Mannheim, Stuttgart, Mönchengladbach, Berlin und Bexbach.

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