Kunden lassen sich beraten und nehmen die Waffen auch mal selbst in die Hand. Foto: Claudia Leihenseder

In einem ehemaligen Möbelhaus hat jetzt ein Fachhandel für Pistolen, Revolver, Armbrust und andere Waffen aufgemacht. Am Eröffnungswochenende strömten die Besucher in Scharen. Bald sollen die Schützen auch noch im Schießkino üben können.

Steinenbronn - Wände voller Gewehre, Schaukästen mit Zielfernrohren, Verkaufsdisplays mit Pistolen – und das alles präsentiert in einem rustikal-holzigen Ambiente: So sieht es in dem neuen Ladengeschäft von Hans Bek in Steinenbronn aus. Zur Eröffnung des neuen Waffenladens samt Jagdschule in einem ehemaligen Möbelhaus in Steinenbronn sind am Wochenende unvermutet viele Menschen gekommen. Im Frühjahr werden auch noch das Schießkino und der Schießstand im Untergeschoss fertig werden.

Wer als Außenstehender, der noch nie etwas mit Waffen zu tun hatte, in den Laden eintritt, taucht in eine fremde Welt ein, in der es völlig normal ist, eine Waffe zu besitzen und damit auch zu schießen. Dort unterhalten sich Männer über die Größe von Pistolen. Dort streichen sie über Gewehrläufe, fachsimpeln über Munition und stellen Fragen zu Waffenbesitzkarten.

Das Schießkino ist noch in der Mache

Das ist die Welt von Hans Bek. Seit 2008 hat der Mann aus Leinfelden sein Geschäft mit dem Namen „Euroshot“ in Filderstadt betrieben. Die 200 Quadratmeter dort sind dem Geschäftsführer allerdings wegen der großen Nachfrage zu klein geworden. Nun ist er auf der Suche nach einem geeigneten Quartier in Steinenbronn fündig geworden, um nicht nur Waffen zu verkaufen und zu warten, sondern auch, um Raum zu schaffen für Zubehör: Kleidung, Taschen, Brillen, Fernrohre und was man noch alles so brauchen kann als Jäger oder Sportschütze. „Bei uns ist nun alles in einem Haus zu finden“, sagt Hans Bek.

Und was man findet, kann man in Zukunft im Untergeschoss des Gebäudes auch gleich aus testen: Denn dort bauen Bek und seine Mitarbeiter gerade an einem Schießkino und einem Indoor-Schießstand. Noch hängen die Kabel von der Decke, nicht alle Wände sind eingezogen, die noch gebraucht werden: „Wir bauen gerade am Schallschutz“, sagt Andreas Loh. Er ist Büchsenmacherlehrling, seit September bei Euroshot, und erklärt, wie es spätestens im Frühjahr 2019 im Keller aussehen wird.

Im Schießkino soll dann auf einer Leinwand von acht mal 2,5 Metern als Film eine Jagdszene laufen – beispielsweise ein Wildschwein, das durch den Wald rennt. Aus bis zu 40 Metern Entfernung kann der Schütze dann auf die Leinwand schießen. Wenn der Schuss das Spezialmaterial trifft, hält der Film kurz an. So kann der Schütze erkennen, ob er das Wild tatsächlich an der richtigen Stelle getroffen hat. Auf diese Weise könne der Schütze im Warmen und Trockenen an seiner Präzision arbeiten, erläutert Hans Bek.

Einen Raum weiter entsteht die sogenannte Mehrdistanzanlage. „Die ist bis 25 Meter voll begehbar und für das sportliche Schießen vorgesehen“, erklärt Andreas Loh. Aber nicht nur. Denn Hans Bek will Aufklärungsarbeit leisten: „Wir wollen den Bürgern zeigen, dass sie bei uns auch willkommen sind“, sagt der Geschäftsführer. Unter fachlicher Anleitung könne jeder, der Interesse habe, eine Waffe kennenlernen, in die Hand nehmen und damit schießen: „Das ist natürlich nicht als Motivation zu sehen, das zu erlernen, sondern wir wollen grundsätzlich zeigen, was man mit den Waffen machen kann.“

Waffe als Gebrauchsgegenstand

Denn für Bek ist vollkommen klar: „Wir brauchen Waffen.“ Zum einen für die Polizei, um der Bevölkerung Schutz vor Terrorismus und Kriminalität zu bieten. Zum anderen für die Jäger: „Für sie ist die Waffe ein Werkzeug“, konstatiert Bek. Schließlich gehe es bei der Jagd darum, Bestände zu kontrollieren – etwa, wenn es zu viele Wildschweine gebe. Und dann seien da auch noch Menschen, die es toll finden, wenn sie mit Präzision ein Ziel treffen können.

Bek begreift das tödliche Werkzeug keineswegs als Gefahr für die Bevölkerung. Bedenken könne er zwar nachvollziehen, aber: „Deutschland hat eines der strengsten Waffengesetze.“ Wenn jemand eine Waffe besitze, sei er vom Staat kontrolliert und dürfe etwa keinen Alkohol trinken. Sein Credo: „Es ist besser, Waffen kontrolliert unter dem Volk zu haben, als wenn man alles verbietet und man gar nicht weiß, wer eine Waffe hat.“

Dass es eine große Nachfrage nach Waffen und Zubehör gibt, zeigt sich am Samstag bei der Eröffnung des Euroshot-Ladens. Der Parkplatz ist schon am Vormittag von Autos zugestellt. Die Menschen drängen sich um die Mitarbeiter und löchern sie mit Fragen. Ein paar Kunden probieren die neue Jagdmode. Andere lassen sich eingehend beraten und verlassen mit einer neuen Pistole – natürlich eingetragen auf der Waffenbesitzkarte – das Geschäft.

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