Steffi Böhler geht positiv an die Olympia-Wettkämpfe heran.Steffi Böhler geht positiv an die Olympia-Wettkämpfe heran. Foto: dpa

Die Skilangläuferin hat nach ihrer Erkrankung zurück ins Leben und ihren Sportgefunden. Der 36-Jährigen aus dem Schwarzwald hat hierbei die Malerei geholfen.

Pyeongchang - Wollte Steffi Böhler die Olympischen Spiele in einem Bild verarbeiten, würde sie eine große Kugel malen. Mit vielen Sportlern, die sich darin tummeln. Und ein paar Athleten, die abgesprungen sind, sich die olympische Welt von außen anschauen. Um die Kugel würde sich ein riesengroßer Siegerkranz ranken, und sie würde bunte Farben verwenden, als Zeichen für die Vielfalt. Die Langläuferin drückt ihre Gefühle gerne mit dem Pinsel aus, meist in Acrylbildern. 71 ihrer bis zu 1000 Euro teuren Exponate waren im vergangenen Jahr im Skimuseum in Hinterzarten zu sehen. Titel der Ausstellung: „Wechselspiele – Sport und Kunst“. Es ist genau dieser Kontrast, den sie liebt.

Zum vierten Mal bei Olympischen Spielen

Steffi Böhler, 36, ist eine erfolgreiche Athletin. 2006 in Turin (Silber) und 2014 in Sotschi (Bronze) stand sie mit der Staffel auf dem Podest, nun erlebt sie in Pyeongchang ihre vierten Olympischen Spiele. Die Weltspitze ist den Deutschen zwar weit enteilt, trotzdem träumt die Schwarzwälderin vom SC Ibach von einer dritten Medaille. Doch es gäbe kein böses Erwachen, wenn es nicht reichen sollte. Weil Steffi Böhler neben dem Sport eine zweite Leidenschaft für sich entdeckt hat: die Kunst. „Ich muss auch meine Kreativität ausleben können“, sagt sie, „die Malerei ist ein perfekter Ausgleich zum Profisport.“

Und sie hat ihr eine ganz neue Perspektive eröffnet. Denn viele der farbenfrohen Bilder, die oft Gesichter mit ausdrucksstarken Augen zeigen, hat Steffi Böhler gemalt, als es um sie herum schwarz zu werden drohte. 2012 erhielt sie die Diagnose Schilddrüsenkrebs, zweimal musste sie operiert werden. „Es braucht eine positive Herangehensweise“, sagte sie, nachdem sie es geschafft hatte, ins Langlaufteam zurückzukehren, „egal ob es darum geht, eine Niederlage zu verarbeiten oder eine Krankheit zu überwinden.“ Die Malerei hat ihr dabei geholfen.

Es bleibt nur die Außenseiterrolle

Nun geht es um das nächste Werk. Nicht auf der Leinwand, sondern in der Loipe. An diesem Donnerstag (15.30 Uhr/MEZ) steht ihr zweites olympisches Rennen an, über zehn Kilometer in der freien Technik. Böhler ist wie alle anderen Deutschen krasse Außenseiterin. Insgeheim hofft sie dennoch auf einen Platz unter den besten zehn. Bisher ging ihr Plan auf, auch wenn sie nichts dagegen gehabt hätte, wenn es anders gekommen wäre. „Ich brauche immer ein Rennen, um in ein Großereignis reinzufinden“, sagt Böhler über den Skiathlon (je 7,5 Kilometer klassisch und Freistil), den sie auf dem eher enttäuschenden 25. Platz beendet hat. „Die Bedingungen hier sind extrem, auf dem Kunstschnee läuft man wie auf Styropor. Nun hoffe ich, dass der Knoten aufgeht.“ Es wäre wichtig. Für sie – und fürs ganze Team.

Die deutschen Skilangläufer sind zumeist chancenlos gegen die Skandinavier, Russen, Italiener, Franzosen oder Nordamerikaner. Ein Erfolg bei Olympia wäre ein Befreiungsschlag. Steffi Böhler (1,70 Meter/55 Kilogramm) weiß, wie sich das anfühlt. Auf dem Podest stehen, jubeln, eine Medaille mit nach Hause nehmen. Sie weiß aber auch, dass Erfolge nicht alles sind im Sport. Ihre Schwester Barbara kam mit dem Downsyndrom zur Welt, hat als Skifahrerin mehrfach an den Special Olympics teilgenommen. Zu sehen, mit viel Emotion gehandicapte Athleten ihre Wettkämpfe er- und durchleben, hat Steffi Böhler geprägt. Diese Erfahrungen gibt sie gerne weiter an ihre jüngeren Teamkolleginnen – wenn sie danach gefragt wird. „Ich will nicht als Mutter der Kompanie auftreten, die alles besser kann“, erklärt sie, „aber ich bin gerne da, sollte ein Rat benötigt werden.“

„Sie ist für uns alle ein Vorbild“

Steffi Böhler ist keine, die ihr Ding allein durchzieht. Sie liebt nicht nur ihren Sport, sondern mag es auch, sich immer wieder auf neue Menschen und Situationen einzulassen. „Sie kämpft immer weiter. Wie sie diese Werte vorlebt, tut der ganzen Mannschaft gut“, sagt Nicole Fessel (34), die seit Jahren mit ihr trainiert und reist, „sie ist für uns alle ein Vorbild.“ Auch als Mensch, der eine wichtige Rolle spielt in der olympischen Kugel, die Steffi Böhler vielleicht ja irgendwann malen wird. Nach den Spielen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: