Selbst gemachte Currywurst scheint in Ludwigsburg sehr beliebt zu sein. Foto: dpa

In Ludwigsburg suchen mehr Menschen nach Rezepten für Currywurst als in München. Eine Analyse zum Tag der Currywurst offenbart zwei verschiedene Erklärungen dafür.

Ludwigsburg - Sie wissen es vielleicht noch nicht, aber dieser Dienstag ist ein für Ludwigsburg ganz besonderer Tag: Der Tag der Currywurst. Genau, jedes Jahr am 4. September gedenkt Deutschland der Erfindung der einst exotisch anmutenden Imbiss-Ware im Jahre 1949. Zumindest, wenn man der Berliner Schule der Currywurst-Geschichtsschreibung folgt. Hamburger Fastfood-Historiker behaupten natürlich etwas ganz anderes.

Doch handelt dieser Text nicht von der ewigen Rivalität der Currywurst-Hauptstädte, wer sie denn nun erfunden hat, sondern vielmehr vom Suchen. Wussten Sie, dass Ludwigsburg deutschlandweit auf Platz sechs liegt, was die Suchanfragen im Netz für Currywurst-Rezepte auf der Selbstmach-Plattform Pinterest angeht? Der Knaller, oder? Diese Erkenntnis wurde uns in Form einer Pressemitteilung überbracht, die den Wurst-Gedenktag instrumentalisieren soll, um für Pinterest zu werben. Falls Sie diese Internet-Plattform nicht kennen: Darauf stellen weltweit etwa 200 Millionen Nutzer allerlei Rezepte oder Bastel- und Heimwerkeranleitungen mit überoptimal schönen Fotos online.

Dadurch wird der gemeine Do-it-yourself-Anhänger zum Nachmachen inspiriert und verzweifelt anschließend an dem Projekt, da es doch nicht so einfach oder so schnell oder so günstig ist, wie es die sepiagefilterten Bilder suggerieren. Das ist, kurz umrissen, das Konzept von Pinterest. Aber nun geht’s nicht um die Plattform, sondern um die Wurst, daher schauen wir uns die Pressemitteilung mal genauer an.

Pirmasens und Ludwigsburg stechen heraus

Die Top 4 in der Rangliste sind die üblichen Verdächtigen: Hamburg, Frankfurt am Main, Berlin, Düsseldorf. Dann kommen – sehr überraschend – Pirmasens und eben Ludwigsburg. Und erst dann, abgeschlagen auf Platz sieben, folgt München. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: München, die Millionenstadt, ist weniger an Currywurstrezepten interessiert als Ludwigsburg! Zum Vergleich: Wenn jeder Münchner in diesem Jahr auch nur einmal auf der Plattform ein Rezept gesucht hat, hätten die Ludwigsburger dies jeweils 15 Mal machen müssen, um die Bayern zu toppen. Von Pirmasens, das weniger als die Hälfte der Einwohner Ludwigsburgs hat, fangen wir gar nicht erst an. Pirmasens muss wahrlich das deutsche Currywurst-Paradies sein.

Hier entstand der erste McDrive Europas

Wir wollen uns aber in unserer Analyse auf Ludwigsburg konzentrieren. Woher die Affinität der Ludwigsburger zu dem Arbeiteressen, das auf den ersten Blick so gar nicht zu der barocken und gleichzeitig smarten Stadt passen will? Womöglich liegt es an der besonderen Beziehung Ludwigsburgs zu Fast Food. Hier entstand der erste McDrive Europas. Und hier ließ sich Harald Schmidt, damals als Moderator von „Verstehen Sie Spaß?“, von einem Helikopter vom Forum am Schlosspark zur Imbissbude gegenüber fliegen, um Pommes rot-weiß zu bestellen. Zwar haben es die Bewohner Ludwigsburgs, anders als die Einwohner einer großen Hansestadt an der Elbe, noch nicht so weit gebracht, dass sie einer Fast-Food-Speise ihren Namen geben. Aber sicher arbeitet daran bereits eine Agentur im Auftrag der Stadt, um das Image noch weltoffener und smarter zu machen.

„Zum eigenen Residenzschloss in nur zehn Schritten“

Möglicherweise ist es aber auch die Anpackmentalität, die in Ludwigsburg die Rezeptanfragen nach oben schnellen lässt. Nicht beim Imbiss kaufen, selber machen! Die ganze Stadt wurde ja bekanntlich Anfang des 18. Jahrhunderts am Reißbrett geplant und ist insofern ein riesiges Do-it-yourself-Projekt. Hätte es damals schon Pinterest gegeben, Herzog Eberhard Ludwig hätte dort sicher Anleitungen angeklickt wie: „Kurfürst werden– so einfach geht’s“ oder: „Zum eigenen Residenzschloss in nur zehn Schritten“.

Im Übrigen: Die Tatsache, dass Sie gerade diese profunde Analyse zum Ludwigsburger Currywurst-Connaisseurtum lesen können, verdanken Sie, sofern Sie es nicht online tun, mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Person, die an diesem Dienstag auch einen ganz besonderen Tag feiert – der 4. September ist (zumindest in den USA) der Tag des Zeitungsausträgers.

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