Modelle des neuen Droiden BB-8 (hier mit Oscar Isaac) werden massenhaft als Modelle angeboten. Foto: Disney

Der aktuelle Film „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ könnte alle Kino-Rekorde brechen. Das Phänomen „Star Wars“ entfaltet seine Macht aber auf vielen Ebenen.

Stuttgart - Die sechs bisherigen „Star Wars“-Filme haben rund 24 Milliarden Euro eingespielt. Allein George Lucas, der Schöpfer der Reihe, soll an Merchandising-Artikeln 4,6 Milliarden Euro verdient haben. Der aktuelle Streifen „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ könnte nun alle Rekorde brechen – in den USA wurden schon im Vorverkauf 45,5 Millionen Euro umgesetzt.

„Star Wars“ ist ein gigantisches Geschäft, Fan-Artikeln zum Film überschwemmen Netz und Einzelhandel. Modelle des neuen Droiden BB-8 werden massenhaft angeboten wie der Maskenhelm des neuen Bösewichts Kylo Ren, sogar mit „voice changer“: Wer ihn trägt, bekommt den maschinellen Tonfall des Bösewichts. Darth-Vader-Kostüme, Lichtschwerter, Modelle des Millennium-Falken sind seit dem ersten Film 1977 Dauerbrenner. Hersteller wie Lego setzten schon lange auf Lizenzprodukte wie „Star Wars“, die dänische Klötzchenfirma bietet 300 Bausätze an – bis hin zum Todesstern mit rund 3800 Teilen.

Das Produkt „Star Wars“ läuft fast von selbst, weil es zum Mythos geworden ist. Tatsächlich hat Lucas seine „Saga“ nach den Thesen des Mythenforschers Joseph Campbell verfasst: Die „Heldenreisen“ von Anakin Skywalker, Luke Skywalker und aktuell der Schrottsammlerin Rey ahmen die Struktur der großen Mythen von der „Odyssee“ bis zur „Nibelungensage“ nach, die exakt dem Muster entspricht, nach dem Menschen Geschichten erleben und erzählen. „Star Wars“ spricht Emotionen an, die tief in der menschlichen DNA wurzeln.

Fortsetzungen und Reihen beherrschen den Kino-Markt

Dazu kommt eine religiöse Überhöhung. Das Herz der Reihe ist eine göttlich anmutende Macht, die die Welt durchdringt und zusammenhält. eine Macht, die sich Gut wie Böse zunutze machen können. Millionen in aller Welt finden diesen Gedanken anziehend, vielen genügt er vielleicht, um ihr spirituelles Bedürfnis zu stillen. Derweil verlieren die christlichen Kirchen Mitglieder, obwohl sie auf dem populärsten Auserwählten aller Zeiten gründen – offenbar fällt es ihnen schwer, dessen Geschichte packend genug zu erzählen. Auf den Zug aufzuspringen und „Star Wars“-Gottesdienste abzuhalten wie an diesem Sonntag in Berlin, dürfte kaum die richtige Antwort sein.

Der Erfolg von „Star Wars“ offenbart auch die kreative Leere in den Filmstudios. Fortsetzungen und Reihen beherrschen den Markt, 2015 waren ansonsten „Jurassic World“ und der Bond-Film „Spectre“ die Kassenschlager. Besonders obskur mutet an, wie die Grenzen verschwimmen: Herrschte früher eine Glaubens-Rivalität zwischen Fans von „Star Wars“ und „Star Trek“ („Raumschiff ­Enterprise“) wie einst bei den Beatles und den Rolling Stones, stört es heute niemanden, wenn derselbe Regisseur beide Reihen fürs Kino aufpoliert wie nun J. J. ­Abrams.

Das europäische Kino hat der globalen Marktmacht von Phänomenen wie „Star Wars VII“ (Produktionskosten 180 Millionen Euro) wenig entgegenzusetzen. Der britische Thriller „Ex Machina“ (11 Millionen Euro), das deutsche Drama „Victoria“ (1 Million Euro), das georgische Epos „Die Maisinsel“ (1,5 Millionen Euro) gäbe es nicht ohne Förderung, sie fänden kaum Leinwände ohne Mittel für Verleiher und Kinos, wie Baden-Württemberg sie bereitstellt. Branchenkenner sind sich einig: Wird die Kultur und mit ihr der Film beim transatlantischen Handelsabkommens TTIP nicht ausgeklammert, wäre dies das Ende der Subventionen und des europäischen Kinos. Nicht einmal ein Woody Allen würde dann noch Kinos finden. Möge die Macht mit den Verhandlern sein.

b.haasis@stn.zgs.de

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