Der frühere Kultusminister Andreas Stoch (SPD) beim Besuch einer Gemeinschaftsschule in Karlsruhe im Jahr 2013: Laut Städtetag hat Grün-Rot sein bildungspolitisches Prestigeobjekt am Bedarf vorbeigeplant Foto: dpa

Neckarsulm stellt mangels Nachfrage seine Gemeinschaftsschule auf den Prüfstand . Kein Einzelfall. Der Städtetag sieht für die Zukunft der neuen Schulart schwarz – auch weil jetzt wieder eine Kultusministerin der CDU am Ruder ist.

Stuttgart - Wegen rückläufiger Schülerzahlen droht einigen Gemeinschaftsschulen im Land offenbar bereits wieder die Schließung. „Wir sorgen uns sehr um die Schulen“, sagte Norbert Brugger, Bildungsdezernent des baden-württembergischen Städtetags, unserer Zeitung, die Nachfrage nach der neuen Schulart sei „dramatisch“ zurückgegangen. Laut Brugger hatten vor allem im ländlichen Raum einige Gemeinschaftsschulen dieses Schuljahr weniger als 16 Neuanmeldungen in Klasse fünf. Geschieht dies zwei Mal hintereinander, müssen solche Schulen laut Gesetz aufgelöst werden, wenn keine besonderen Gründe dagegen sprechen.

Probleme in Neckarsulm – aber nicht nur dort

Aktuelles Beispiel für die Misere ist Neckarsulm. Die Gemeinschaftsschule dort kann nächstes Schuljahr keine zehnte Klasse mehr anbieten, weil die meisten Neuntklässler nur einen Hauptschulabschluss anstreben. Bis zu 13 Schüler müssen nun auf eine andere Schule, weil sie die Mittlere Reife haben wollen. „Der landesweite Trend, dass die Gemeinschaftsschulen Schüler an die Realschulen verlieren, zeigt sich auch in Neckarsulm“, so der Sprecher der Stadt. An diesem Freitag will die Stadt bekannt geben, wie es mit der Schule weitergehen soll.

Laut dem Verein für Gemeinschaftsschulen wäre die Neckarsulmer Schule die erste Gemeinschaftsschule im Land, die rückabgewickelt würde. Er fände eine solche Entscheidung allerdings „höchst unklug“, sagte der Vereinsvorsitzende Matthias Wagner-Uhl. Die Gemeinschaftsschulen böten von allen Schularten das größte Leistungsspektrum an.

Städtetag pessimistisch

Der Städtetag rechnet damit, dass einige der 304 Gemeinschaftsschulen im Land demnächst entweder schließen oder Kooperationen mit anderen Schularten eingehen müssen. „Die Prognosen waren viel zu optimistisch“, so Bildungsdezernent Brugger. Der Trend weg von der Gemeinschaftsschule werde wohl anhalten. „Ich sehe keine Anzeichen, dass es anders wird“, sagte Brugger. Dies hänge auch mit der politischen Konstellation zusammen, sagte er mit Blick darauf, dass mit Susanne Eisenmann nun wieder eine CDU-Politikerin das Kultusministerium führt. Eisenmann hat angekündigt, die Bevorzung der Gemeinschaftsschule zu beenden und künftig alle Schularten gleich zu behandeln.

Der Verein für Gemeinschaftsschulen macht die „unklare“ Haltung von Eisenmann zu der neuen Schulart für die Entwicklung mitverantwortlich. Dies verunsichere die Eltern, so Wagner-Uhl.

Eingeführt wurde die Gemeinschaftsschule im Schuljahr 2012/13, und zwar von der damaligen grün-roten Landesregierung.

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