Zum 20-jährigen Partnerschaftsjubiläum mit Gyula trat 2011 eine Tanzgruppe aus Gyula in Ditzingen auf. Foto: Factum/Archiv

Die Strohgäu-Kommunen pflegen teils seit Jahrzehnten den Austausch mit befreundeten Orten im Ausland, und sie wollen auch neue Kontakte knüpfen. Regelmäßige gegenseitige Besuche haben Folgen – zum Teil gehen persönliche Freundschaften tiefer als erwartet.

Strohgäu - Vor knapp 28 Jahren haben die Stadt Ditzingen und das ungarische Gyula eine Vereinbarung zur Städtepartnerschaft unterzeichnet. Ziel sei es gewesen, sich auszutauschen, Beziehungen zwischen den Bürgern zu pflegen und die kulturelle Verständigung voranzutreiben, erklärt Melanie Wenk vom Amt für Kultur, Freizeit und Familie. In einigen Fällen habe das besonders gut geklappt, erzählt sie. „Die frühere Referentin des Bürgermeisters von Gyula hat bei einem Neujahrsempfang in Ditzingen unseren Feuerwehrhauptkommandanten kennengelernt. Heute sind sie verheiratet und leben in Ditzingen.“ Solche amorösen Geschichten zwischen den Städten gebe es einige.

Ursprünglich war der Gedanke der Zusammenarbeit etwas politischer: „Gyula wollte sich nach dem Fall der Sowjetunion gen Osten öffnen und hat einen Partner gesucht“, sagt Wenk. Regelmäßig gebe es Besuche zwischen den beiden Kommunen und eine Zusammenarbeit auf Vereins- und wirtschaftlicher Ebene. Beim Hafenscherbenfest etwa gebe es oft einen Stand mit ungarischer Wurst, und auch beim Ferienprogramm arbeiten die Städte zusammen.

Korntal-Münchingen und Ditzingen suchen weitere Partnerstadt

Ebenfalls beim Stadtfest dabei sind die Franzosen. Mit der Stadt Rillieux-la-Pape bei Lyon hat Ditzingen seit 2010 eine Partnerschaft. „In den nächsten Jahren will ich auch die wirtschaftlichen Beziehungen mit unseren beiden Partnerstädten stärken“, sagt Wenk. Etwa, indem es einen Austausch von Auszubildenden der Unternehmen in den Partnerstädten gebe.

Außerdem schließt sie nicht aus, dass sich der Kreis der Partnerstädte in Ditzingen noch erweitert. „Gerade jetzt, wo so viel antieuropäische Stimmungen aufkommen, sind die Partnerschaften wichtig, um mehr Toleranz und Offenheit in der Bevölkerung zu erreichen“, sagt Melanie Wenk. „Vielleicht gehen wir auf eine englischsprachigen Stadt zu, um ein Gegenpol zum Brexit zu sein und zu zeigen, dass wir das Miteinander haben wollen.“

Eine Erweiterung um eine englische oder italienische Stadt kann sich auch der Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf vorstellen. „Aber bisher sind unsere Versuche im Sande verlaufen“, sagt er. Viele Städte hätten heutzutage bereits eine Partnerschaft mit einer deutschen Stadt. Korntal-Münchingen selbst pflegt seit gut 50 Jahren eine Ringpartnerschaft, eine Art Dreieckspartnerschaft mit der französischen Stadt Mirande und der belgischen Stadt Tubize. Auch wenn sich die Beziehungen innerhalb Europas in den letzten 50 Jahren geändert haben: Die radikalen Bestrebungen in vielen Ländern zeigten, wie brüchig die Beziehungen und der europäische Gedanke seien, sagt Wolf. Durch die persönlichen Kontakte, welche durch die Städtepartnerschaften entstünden, werde jedoch das Verständnis füreinander gefördert, sagt der Rathauschef.

Völkerverständigung nur von unten nach oben

Die Grundidee der Städtepartnerschaften sei es gewesen, die Menschen und Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zusammenzuführen und sich als Europa einzufinden, erzählt Norbert Brugger vom Städtetag Baden-Württemberg. „Völkerverständigung kann nur von unten nach oben passieren“, sagt Brugger. Das habe auch die Geschichte gezeigt: Die Idee der Städtepartnerschaften habe sich bewährt, Europa sei stärker zusammengewachsen.

Heute würden jedoch nicht mehr so viele neue Partnerschaften geschlossen. Die meisten Beziehungen bestünden weiterhin zu Städten innerhalb Europas. „Eine Städtepartnerschaft muss dauerhaft gelebt werden. Dafür braucht es nicht nur die Verwaltung, sondern auch Vereine, die den Kontakt pflegen“, sagt Brugger. Je weiter die Anfahrt, umso schwieriger sei es, diese persönlichen Kontakte zu pflegen.

Das ist auch für die Strohgäu-Kommunen der Grund, sich ihre Freunde in der Nähe zu suchen. „Wenn wir eine längere Anfahrt als zwölf Stunden haben, kann man sich nicht mal kurz besuchen“, sagt Wenk.

Auch Hemmingen hat sich eine Kommune gesucht, die zumindest mit dem Flugzeug schnell erreichbar ist. Ende Januar hat Hemmingen einen Freundschaftsvertrag mit der norditalienischen Gemeinde Almenno San Bartolomeo unterzeichnet. Seit 2012 besteht das freundschaftliche Verhältnis zu Almenno. Unter anderem um ein Zeichen gegen rechte Parteien in der italienischen Gemeinde zu setzen, habe man die Freundschaft nun offiziell gemacht, erklärt Schäfer.

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