Horst Stammler vom VVS sowie OB Christoph Traub und Jan-Stefan Blessing von der Stadt Filderstadt (v.li.) hoffen, dass mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen. Foto: Julia Bosch

In Filderstadt und in Leinfelden-Echterdingen wird zum Jahreswechsel das Stadtticket eingeführt. Wer innerhalb der Kommune an einem Tag mehr als nur eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln unternimmt, zahlt dann deutlich weniger als bisher.

Filder - Selbst begeisterte Autofahrer wissen mittlerweile: Damit die Straßen auf der Filderebene nicht völlig verstopfen und der Klimawandel zumindest verlangsamt werden kann, müssen mehr Menschen mit Bus und Bahn fahren. Die Städte Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt wollen dafür nun neue Anreize schaffen – mit dem sogenannten Stadtticket des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS), das vom 1. Januar 2020 an in beiden Kommunen gilt. „Das ist ein wesentlicher Schritt, um mehr Leute zum Umsteigen zu bewegen“, sagt Christoph Traub, der Oberbürgermeister von Filderstadt.

Was ist ein Stadtticket?

Vom 1. Januar 2020 an können Einzelpersonen für drei Euro am Tag mit dem ÖPNV so viel durch Filderstadt oder Leinfelden-Echterdingen fahren wie sie möchten, also beliebig viele Fahrten unternehmen. Gruppen mit bis zu fünf Personen bezahlen alle zusammen sogar nur sechs Euro, das heißt bei einer Fünfergruppe bezahlt der Einzelne nur noch 1,20 Euro. Das Ticket funktioniert als Tagesticket; es gilt also einen Tag lang und zusätzlich bis 7 Uhr am nächsten Morgen.

Wie funktioniert das?

Die Fahrgäste kaufen das Stadtticket entweder direkt beim Busfahrer, am Automat oder über die Smartphone-App VVS mobil. Laut dem VVS-Geschäftsführer Horst Stammler wird inzwischen jeder vierte Fahrschein über das Handy gekauft.

Zahlt man damit wirklich weniger?

Ja, sofern man innerhalb einer der Kommunen mehr als eine Fahrt am Tag unternimmt. Bereits ab zwei Fahrten – also zum Beispiel bei einer Hin- und einer Rückfahrt – lohnt es sich. Derzeit kostet eine reguläre Einzelfahrt 2,50 Euro, Hin- und Rückfahrt kosten also fünf Euro.

Geht das über Stadtgrenzen hinaus?

Wer zum Beispiel nach Esslingen oder Neuhausen fahren will, kann dies nicht mit dem Stadtticket machen, sondern muss sich ein reguläres Ticket kaufen. Der Kommunale Arbeitskreis Filder hatte sich im Vorhinein für ein übergreifendes „Filderticket“ ausgesprochen. Dieses wurde vom VVS aber zunächst abgelehnt. „Die VVS-Reform ist erst ein halbes Jahr her“, erläutert Horst Stammler. „Früher gab es im gesamten Filderraum vier Zonen, das ist alles jetzt nur noch eine Zone. Wir haben also schon sehr viel getan.“ In der kommenden Zeit wolle der VVS deshalb erst einmal abwarten, wie gut das Stadtticket angenommen werde.

Gibt es das schon anderswo?

Ja, es gibt das Stadtticket bereits in Esslingen, Herrenberg und Ludwigsburg. Laut Horst Stammler vom VVS läuft es dort überall bereits sehr gut: „In Esslingen beispielsweise verkaufen wir pro Monat etwa 35 000 Stadttickets.“ Dadurch würden freilich auch weniger Einzelfahrscheine und Vierertickets gelöst, dennoch gebe es unterm Strich ein Plus. „Durch das Stadtticket haben wir auch einige Leute erreicht, die bisher noch nicht mit dem ÖPNV gefahren sind“, sagt Stammler. Auch deshalb wird das Stadtticket parallel zu Filderstadt und L.-E. zum 1. Januar des kommenden Jahres zusätzlich in 14 weiteren Gemeinden eingeführt, etwa in Leonberg, Renningen, Böblingen/Sindelfingen, Remseck oder Kornwestheim.

Warum gibt es das Stadtticket?

Die Kommunen hoffen, dass sie durch das vergünstigte Angebot mehr Menschen dazu bewegen können, auf den ÖPNV umzusteigen. Aus diesem Grund beteiligen sich auch immer mehr Gemeinden an der Einführung eines Stadttickets.

Und wie wird das finanziert?

Damit die Bürger kostengünstig unterwegs sein können, müssen die Tickets von den Kommunen subventioniert werden. In L.-E. sind das 199 000 Euro jährlich, in Filderstadt 149 000 Euro. „Wir erfüllen damit einen kommunalpolitischen Wunsch“, sagt OB Traub. Ob die Kommunen dieses Geld dauerhaft ins Stadtticket stecken, müssen die Gemeinderäte von Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen entscheiden, wenn die Testphasen vorbei sind. In L.-E. soll die Probezeit zwei Jahre dauern, also bis Ende 2021, in Filderstadt vier Jahre, also bis Ende 2023.

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