Links im Bild liegen bereits neuer Schotter und neue Gleise mit Betonschwellen. Rechts sind noch die alten Schienen mit den teils verrotteten Holzschwellen erkennbar. Foto: Alexandra Kratz

Wie werden Gleise erneuert? Welche Maschinen kommen wann zum Einsatz und wie funktioniert die Logistik? Um das zu klären, sind wir bei der aktuellen SSB-Baumaßnahme zwischen Bahnhof und Lautlinger Weg in Stuttgart-Möhringen dabei gewesen.

Möhringen - Es ist laut und es stinkt nach Benzin. Doch Nikolaus Mock macht das nichts aus. Die Geräusche der Bagger und Rüttelmaschinen seien für ihn wie Musik, sagt der Diplom-Ingenieur. Er ist Baubezirksleiter Gleisinstandhaltung bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und dafür verantwortlich, dass bei den aktuellen Arbeiten zwischen dem Möhringer Bahnhof und dem Sindelbach/Lautlinger Weg buchstäblich ein Rädchen ins andere greift. „Er sitzt nicht so gern am Schreibtisch. Er ist froh, wenn der Frühling da ist, und er wieder raus auf die Baustellen kann“, sagt Mocks Chef Alexander Schirling und lacht.

Die Stimmung auf der Baustelle ist gut. Obwohl die meisten Arbeiter von externen Firmen kommen, kennt man sich und begrüßt sich mit Handschlag. Die SSB selbst habe nur eine kleine Mannschaft für Gleisbauarbeiten, die eher bei kurzfristigen Instandhaltungsmaßnahmen im Einsatz sei, erklärt Mock. Großprojekte wie dieses müsse das Nahverkehrsunternehmen vergeben. „Allerdings ist auch immer jemand von uns vor Ort – zur Qualitätskontrolle“, ergänzt der Fachbereichsleiter Schirling.

Die Gleiserneuerung ist aus verschiedenen Gründen notwendig

Derzeit haben die beauftragten Firmen alle Hände voll zu tun. Die Männer erneuern auf einer Strecke von 2370 Metern die Gleise. Das bedeutet, dass sie insgesamt 4740 Meter Schienen aus- und neu einbauen müssen. Auch der Schotter wird ausgetauscht. 3000 Tonnen sind das insgesamt. Zudem ertüchtigt die SSB die Fahrleitungen. Dazu lässt sie elf neue Masten setzen. Jeder einzelne braucht ein Fundament, das drei Meter tief und zwei mal zwei Meter breit ist. Den Großteil der Arbeiten erledigen die Männer in den Osterferien. Damit sie vorankommen, ist der Streckenabschnitt gesperrt, es fahren Ersatzbusse. Wenn die Schule wieder beginnt, gehen die Stadtbahnen wieder in Betrieb. Das Projekt ist aber noch nicht abgeschlossen. Die Arbeiten ziehen sich noch bis August. Allerdings finden sie dann vor allem in der nächtlichen Betriebspause statt. Im Sommer wird die Strecke aber noch einmal für eine Woche gesperrt, um die neuen Fahrleitungen zu montieren.

Die Gleiserneuerung ist aus verschiedenen Gründen notwendig. Vor allem der Schotter ist in die Jahre gekommen. Er ist verschmutzt, die scharfen Kanten sind verwittert. Das hat zur Folge, dass sich die Steine nicht mehr so gut ineinander verkeilen, das Schotterbett rutscht auseinander. Darüber hinaus werden die alten Holzschwellen nach und nach morsch. „Einige könnten wir bereits mit dem Staubsauger ausbauen“, sagt Schirling. Folgen mehrere stark verwitterte Schwellen direkt aufeinander, kann es gefährlich werden. Darum muss die SSB handeln.

Zuerst kommen die alten Gleise und Schwellen, dann die Schottersteine raus. Anschließend prüfen Fachleute, ob der Untergrund ausreichend tragfähig ist, oder ob er nachverdichtet werden muss. Dann bringen Laster den neuen Schotter. Dieser wird mit der Walze oder der Rüttelplatte verdichtet, bis eine gleichmäßige 30 Zentimeter dicke Schicht entsteht. Danach kommen die Joche drauf. So nennt man ein aus Stahl und Schwellen vormontiertes Gleis. „Wenn das Joch aus dem Werk kommt, ist es 120 Meter lang“, sagt Schirling. So lange Schienen können aber nicht quer durch die Stadt zur Baustelle transportiert werden. Darum werden sie auf vergleichsweise handliche 15 Meter lange Stücke geschnitten und erst dann an die SSB ausgeliefert.

Die Stopfmaschine fährt als erstes Fahrzeug auf der neuen Strecke

Die neuen Schienen haben übrigens Betonschwellen. Nicht nur, weil diese beständiger sind. Sondern vor allem, weil die alten Holzschwellen mit Teer getränkt waren. Das ist mittlerweile verboten, weil es der Umwelt schadet und krebserregend ist. Hier und da gibt es aber auch im neuen Gleisbett noch Holzschwellen. Nämlich dort, wo von diesen ein Stück abgeschnitten werden muss, weil beispielsweise ein Kabelschacht in den Boden eingelassen ist. „Beton kann man schlecht sägen“, sagt Schirling. Und die neuen Holzschwellen seien selbstverständlich ohne Teer.

Wenn alles liegt und die Fächer zwischen den Schwellen eingeschottert sind, kommt die Stopfmaschine. Das ist ein Spezialfahrzeug, welches die Schienen nach Höhe und Länge ausrichtet. Das Fahrzeug hat einen Computer, in den die Vermessungsdaten eingegeben werden. Dann fährt es über die Schienen, rechnet und hebt, wo erforderlich, die schweren Schienen an und stopft den Schotter drunter. Als nächstes Fahrzeug fährt die Schleifmaschine die neue Strecke ab, erst dann haben die Bahnen wieder freie Fahrt.

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