Die Haltestelle Schlossplatz braucht einen besseren Brandschutz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Den Fahrgästen der Stadtbahn bliebe im Unglücksfall zu wenig Zeit, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. So heißt es in einem Bericht der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Zehn Halte müssen deshalb aufwendig nachgerüstet werden.

Stuttgart - Die unterirdischen Haltestellen der Stadtbahn genügen in vielen Fällen nicht den 2014 neu eingeführten Brandschutzvorschriften. Bei einem Unglücksfall – angenommen wird die Einfahrt einer brennenden Stadtbahn – bleibt den Reisenden zu wenig Zeit zur Selbstrettung. Insgesamt muss die Stuttgarter Straßenbahnen AG daher zehn Haltestellen umbauen. Die Kostenprognose dafür liegt bei 19,4 Millionen Euro.

Treppenhäuser abgetrennt

Fast in jedem Fall sollen künftig die Fluchttreppenhäuser durch eine Rauchschutzverglasung mit im Brandfall selbstschließenden Türen von der Bahnsteigebene abgetrennt werden. Reisende kennen das von der S-Bahn. Nur in der Haltestelle Killesberg, die laut einem Bericht der SSB an den Gemeinderat bereits ertüchtigt wurde, genügten bewegliche Rauchschürzen, die bei einem Brand automatisch bis auf eine Höhe von 2,50 Meter von der Decke herunterfahren. Die Haltestelle der früheren Messe verfüge über ein großes Volumen und genügend große Wandöffnung, sodass Rauch abziehen könne. Das ist bei vielen älteren Haltestellen in der Innenstadt, aber auch in Degerloch, nicht der Fall. Für die Stationen am Neckartor und am Börsenplatz, die noch in diesem Jahr brandschutztechnisch saniert werden sollen, sind zusätzliche Deckenöffnungen zur natürlichen Entrauchung (Börsenplatz) oder Ventilatoren und Abluftkanäle (Neckartor) vorgesehen. Derartige Lösungen sind bis 2021 auch für die Haltestelle Rathaus geplant.

Sanierung auch nach 2021

Noch größer und sichtbarer wird der Eingriff in den Halt Schlossplatz werden. Für die Selbstrettung benötigen Reisende dort 7,25 Minuten. Die vorgeschriebene rauchfreie Schicht kann aber nur für sechs Minuten gehalten werden. „Im Brandfall kann die Selbstrettung der Fahrgäste nicht gewährleistet werden“, heißt es in der Information für die Stadträte. Als Lösung zur schnelleren Entfluchtung wird hier der Ausbau von zwei Fahrtreppen favorisiert, sodass die Gehtreppen einen Meter breiter würden. Dieser kostengünstigste Ansatz bringe zwar Komforteinbußen, aber keine Aufbauten auf dem Schlossplatz. Nach 2021 will die SSB die Haltestellen Charlotten-, Rotebühl-, Marienplatz und Degerloch angehen.

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