Am Eingang des Opernhauses in Stuttgart Foto: Max Kovalenko

Alle Fragen weiter offen: Beim Bauprojekt hat die Saison 2018/19 keinerlei Fortschritt gebracht. Doch Stadt und Land versprechen hoch und heilig, bis November zu Potte zu kommen.

Stuttgart - Die zu Ende gehende Theatersaison hat dem Publikum der Staatstheater viele neue Stücke und Aktionen beschert. Nur beim Theater um die Sanierung des Opernhauses ist es am Ende der Saison nicht schlauer als zu Beginn. Im Oktober 2018 verkündete der Oberbürgermeister Fritz Kuhn als möglichen Standort für den Bau einer Ersatzspielstätte einen Platz neben den frisch renovierten Wagenhallen in Stuttgart-Nord – hier müssen Oper und Ballett für vermutlich sieben Jahre ihren Platz finden, während im Opernhaus am Eckensee die eigentliche Sanierung stattfindet.

Seitdem ist diese Ersatzspielstätte in der internen Prüfung, und seitdem hat zumindest die Öffentlichkeit auch nichts mehr davon gehört. Ursprünglich wollten Stadt und Land in diesem Sommer weitere Ergebnisse vorlegen. In aller Stille hat man dies nun aber auf den Herbst verschoben – der nächstmögliche Termin wäre nun die Sitzung des Staatstheater-Verwaltungsrates am 5. November.

Das Ministerium sieht sich „wie vorgesehen“ auf der „Zielgeraden“

Petra Olschowski, die Kunststaatssekretärin des Landes, wirbt um Verständnis für die weitere Verzögerung im mittlerweile rund sechs Jahre währenden Prozess: „Es besteht bei allen Beteiligten Konsens darum, das die Oper und das Ballett angemessene Bedingungen brauchen, um weiterhin international erfolgreich zu sein“. Aber es gehe halt um „Millionen-Investitionen“ und um ein „Großprojekt mitten im Herzen der Landeshauptstadt“. Deshalb seien nicht nur „künstlerische und bühnentechnische, sondern auch finanzielle und städtebauliche Aspekte“ von höchster Relevanz. Immerhin sei man nun „wie vorgesehen“ auf der „Zielgeraden“. Im Herbst seien „die wichtigsten Prüfungen“ abgeschlossen: das Umsetzungskonzept und die Kostenschätzung für die Sanierung und Erweiterung des Littmann-Baus samt Kulissengebäude sowie für die Interimsspielstätte“. Auch der Alternativplan des Vereins Aufbruch Stuttgart sei bedacht. Dann könnten „weitere Entscheidungen“ zeitnah getroffen werden.

Diese Hoffnung macht auch Sven Matis, Sprecher der Landeshauptstadt Stuttgart: „Stadt und Land sind in Sachen Opernsanierung und Interim intensiv in der weiteren Abstimmung“. Er macht deutlich, dass bei den Bauten an den Wagenhallen zumindest teilweise „eine nachhaltige Lösung“ möglich sei. Aus internen Kreisen ist derweil zu hören, dass es ebenso gelungen ist, einen Ausgleich mit den bereits auf dem Gelände aktiven Künstlerinitiativen zu finden. Offiziell heißt es bei Matis: „Wenn der Verwaltungsrat der württembergischen Staatstheater und der Gemeinderat im Herbst grünes Licht geben, werden die zuständigen Planer beim Land in die vertiefte Planung gehen und einen Wettbewerb vorbereiten.“

Im Herbst kommen auch die Zahlen auf den Tisch

Auch „vertiefte Planungen“ können allerdings noch viele neue Verzögerungen mit sich bringen. Im Staatstheater rechnet man inzwischen mit einem Umzug ins Interim frühestens im Herbst 2025. Immerhin, schon im Herbst 2019 soll es nun auch eine habhafte Zahl für die Gesamtkosten inklusive Interim geben. Intern geäußerte Schätzungen liegen inzwischen nur noch selten unter 600 Millionen Euro.

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