Schluss mit lustig – Volker Beck wird auf dem sozialen Netzwerk Twitter zuerst belächelt und einen Tag später dann offen beleidigt. Die Netzgemeinde schießt teilweise weit unter die Gürtellinie. Foto: dpa

Nach Bekanntwerden des Drogenfundes bei Volker Beck wird der Grünen-Politiker in den sozialen Netzwerken zuerst mit Witzen, dann mit offenen Anfeindungen zu seiner Person konfrontiert. Hat die Netzgemeinde Grenzen überschritten?

Stuttgart -Nachdem am Mittwoch gemeldet wurde, dass der Grünen Politiker Volker Beck mit einer „betäubungsmittelsuspekten Substanz“ bei einer Kontrolle in Berlin auffällig geworden war, musste er sich in den sozialen Netzwerken allerlei Spott zu seiner Person gefallen lassen.

Laut "Bild"-Zeitung handelte es sich bei dem Fund vermutlich um die Droge Crystal Meth. Schnell wurde auf Twitter der Vergleich zu der TV-Serie Breaking Bad gezogen, in der Crystal Meth ein zentrales Thema ist. Unter dem Hashtag #breakingbeck verbreiteten Twitter-User die Meldung zu dem Drogenfund und sorgten für den einen oder anderen Lacher auf Becks Kosten. Eine Vielzahl von Fotomontagen und sogenannte Internet-Memes mit dem Konterfei Becks entstanden in kurzer Zeit, die man aber alle mit einem zwinkernden Auge betrachten konnte.

Beleidigung via Hashtag

Tags darauf ist die Lage in den sozialen Netzwerken aber alles andere als spaßig. Offene Anfeindungen, teilweise weit unter der Gürtellinie, in Richtung des Vorsitzenden der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe machen auf Twitter die Runde. Unter den Hashtags #beckistweg, #becktritt, #crystalbeck, #volkercrack, #methbeck, #hitlerdroge, #crystaldemokrat, #dealer , #paedo oder #kinderschänder kommentieren die Twitter Nutzer den Rücktritt Volker Becks mit Häme. Beleidigungen wie „Ober-Homo“, „Kinder ihr könnt rauskommen! Volker Beck ist weg!“ oder „Väter versteckt eure Söhne, Volker Beck hat jetzt viel Zeit“ gegen den bekennenden Homosexuellen sind dort zu lesen.

Auch die B.Z. titelt am Donnerstag mit „Grünen-Star Beck weggerauscht“ und bei der "Bild"-Zeitung hieß es „Grüner mit Hitler-Droge erwischt“. Darüber hinaus wird auch Becks Partei, die Grünen, offen angefeindet: „Alle #Grünen sollen sich einem Drogentest unterziehen“, „Einige #Grünen Abgeordnete dürften jetzt heftigst die Klospülungen laufen haben oder saugen sehr gründlich ihr Auto gerade aus“ oder „Die Grünen sind Schande für klar denkende Menschen in Deutschland“.

Anonymität im lässt Hemmschwelle sinken

Spott in den sozialen Medien kommt relativ schnell auf, legt sich aber meisten auch genauso schnell wieder. Das Netz ist ein schnelllebiger Ort und die Usergemeinde ist ständig in Bewegung, in solchen Situationen nimmt man es mit der Einhaltung bestimmter Grenzen manchmal nicht so genau, wie es eigentlich angebracht wäre. Zudem ist durch die Anonymität des Internets die Hemmschwelle bei einigen Nutzern viel niedriger als im wahren Leben. Das alles ist aber keinesfalls eine Entschuldigung für die obengenannten Aussagen und darf nicht als relativierendes Argument verwendet werden.

Volker Beck, der in der Vergangenheit für eine liberale Drogenpolitik plädierte, hat sich zu den Vorfällen nicht weiter geäußert. Gestern trat er von all seinen Fraktionsämtern zurück, mögliche Ermittlungen gegen ihn können aber erst beginnen, wenn der Bundestag die Immunität des Abgeordneten Beck aufhebt.

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