Sven Mislintat (links) und Thomas Hitzlsperger erwartet eine Menge Arbeit. Foto: Baumann

Trainersuche, Abstiegsangst, U21 oder Kaderplanung. Fast kein Thema, zu dem sich VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger nicht bei „Sport im Dritten“ geäußert hat. Wir haben die wichtigsten Aussagen zusammengetragen.

Stuttgart - Der Sportvorstand nahm am Sonntagabend im SWR zu diversen Themen Stellung.

Thomas Hitzlsperger über...

...seinen Arbeitstag: „Im Moment klingelt der Wecker sehr früh. Ich wusste bereits als ich den Job angenommen hatte, da würde viel Arbeit auf mich zukommen. Ich mache es aber gerne, auch wenn die Situation im Moment schwierig ist. Ich verbringe manchmal zehn, elf, zwölf Stunden auf dem Trainingsplatz, oder beschäftige mich mit der Mannschaft und dem Verein. Das ist ein besonderer Job. Derzeit ist es etwas anstrengend, aber es kommen hoffentlich wieder bessere Zeiten.“

„Ich muss beweisen, dass ich den Job kann“

...seine Rolle als „Heilsbringer“: „Obwohl ich das nicht so empfinde, hat es mich erstmal sehr gefreut, dass es offensichtlich viele Menschen gut finden, dass ich jetzt in dieser Funktion bin. Aber jetzt muss ich beweisen, dass ich das auch gut kann. Die Leute haben mich als Spieler in Erinnerung – ich glaube das waren positive Erinnerungen. Und jetzt ist es eine neue Aufgabe, die ich sehr schnell lernen muss. Ich muss schnelle und große Entscheidungen treffen, die auch großen Einfluss auf den Verein haben. Und diese Entscheidungen müssen einfach sitzen. Ich hatte jetzt eine Möglichkeit, die Trainerentscheidung zu treffen. Was den Kader angeht, muss ich bis in den Sommer warten, bis die Transferperiode los geht. Aber es gibt viel zu tun.“

...Berater an seiner Seite: „Es gibt genügend Menschen im Verein, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen – wenn ich das will. Ich bin also auf keinen Fall einsam. Man traut mir einiges zu, aber trotzdem kann ich noch nicht alles wissen. Da kann ich mich auf alle im Verein verlassen, was ein sehr schönes Gefühl ist. Es verstehen alle, dass die Situation prekär ist. Diesen Zusammenhalt spüre ich. Wir wissen, dass die Ergebnisse nicht passen – deswegen werden wir auch zurecht kritisiert. Aber was die Arbeitsweise und das zusammenstehen im Verein angeht, damit bin ich sehr zufrieden.“

„Wir wissen alle, dass die Nerven eine Rolle spielen.“

...das von Interimstrainer Nico Willig ausgerufene Ziel des „Relegationspokals“: „Es geht um den Klassenerhalt. Ich finde es gut, dass er in diesen Bildern spricht. Dass die Spieler auch begreifen, worum es geht. Er ist keiner, der träumt und gleich von Rang 15 gesprochen hat. Er kennt das realistische Ziel: Klassenerhalt über die Relegation. Wollen wir hoffen, dass wir es dann auch so durchziehen.“

...die Arbeitsweise von Willig: „Ich bin mit der Arbeitsweise von Nico und dem gesamten Trainerteam super zufrieden. Ich fühle mich bestärkt, mit meiner Entscheidung das Richtige getan zu haben. Und trotzdem wissen wir alle, dass auch die Nerven eine Rolle spielen werden. Aber wir stehen zusammen und ich bin optimistisch.“

„Wir waren über 90 Minuten nicht gut genug.“

...über die Niederlage in Berlin: „Das Ergebnis war enttäuschend. Vielleicht läuft das Spiel anders, wenn wir den Elfmeter bekommen. Aber insgesamt waren wir danach zu passiv. Wir waren über 90 Minuten nicht gut genug. Gegen eine Mannschaft, die eigentlich um nichts mehr spielt. Und da müssen wir uns fragen, warum das passiert ist. Wir waren nach dem Sieg über Gladbach im Aufwind, was uns auch in der Trainingswoche geholfen hatte. Und auf einmal sind wir in Berlin und schaffen es nicht, an die Leistung der Vorwoche anzuknüpfen. Das ist natürlich sehr enttäuschend.“

...über einen möglichen Abstieg: „Wenn wir die Klasse halten, haben wir die Möglichkeit unsere besten Spieler im Sommer zu halten. Sollten wir absteigen, sind wir zwar erstmal gut aufgestellt – aber das wäre emotional natürlich ein richtiges Brett. Aber wir haben eine Chance auf den Klassenerhalt und die wollen wir nutzen.“

„Spieler und Trainer müssen am Samstag liefern.“

...die Vorbereitung auf mögliche Relegationsgegner: „Die Spieler müssen sich darauf konzentrieren, den Relegationsplatz zu sichern. Unsere Scoutingabteilung ist damit beschäftigt, die möglichen Gegner zu beobachten. Zu schauen, wo sind die Stärken und wo sind die Schwächen. Unsere Spieler und das Trainerteam beschäftigen sich nicht mit der Relegation, sondern müssen am Samstag liefern.“

...die Frage, ob es eine Konstellation gibt, in der Nico Willig über das Saisonende hinaus Trainer bleibt: „Diese Option gibt es nicht. Es war sein Wunsch und es ist auch mein Wunsch, und daran halten wir uns. Es wäre fahrlässig von mir, darauf zu vertrauen, dass er in zwei, drei Wochen auf mich zukommt und sagt, er hätte sich das anders überlegt. Das heißt, ich muss einen Trainer suchen, und ich muss einen Kader planen, der zum Trainer passt. Es ist mein Job, mich um die Zukunft zu kümmern und nicht darauf zu vertrauen, dass es ab jetzt besser läuft. Ich bin froh, dass wir einen sehr guten Trainer im Verein haben – aber zur neuen Saison ist er wieder bei der U19. Es sei denn, er hat irgendwelche anderen Gedanken. Aber meine sind die, die ich schon mehrfach geäußert hatte.“

„Der Nachwuchs muss eine größere Rolle spielen.“

...das Anforderungsprofil an den neuen Trainer: „Der Nachwuchs muss bei uns in Zukunft eine größere Rolle spielen. Das hat den Verein über viele Jahre stark gemacht. Der neue Trainer muss ein Ohr dafür haben. Er muss ein Interesse daran haben, junge Spieler besser zu machen. Er muss die Bereitschaft haben, diese jungen Spieler ins Profitraining zu integrieren. Er muss ein Teamplayer sein. Ich will einen Trainer, der sich damit beschäftig, wie wir Chancen herausspielen und wieder attraktiven Fußball bieten. Ich suche einen Trainer, der Bock hat, diesen Verein wieder nach vorne zu bringen. Mut und Leidenschaft sind zwei Eigenschaften, die mir dabei sehr wichtig sind.“

...die anstehenden Veränderungen im Kader: „Wir beobachten unsere Spieler jetzt. Wir schauen, wie gehen sie mit dieser sehr schwierigen Situation um. Wer ist bereit, alles für den Verein zu geben. Und welcher Spieler hilft uns nicht. Ich habe zum Glück in Sven Mislintat einen sehr erfahrenen Mann an meiner Seite, bei dem ich sehr froh bin, dass er sich in dieser sehr schwierigen Situation für uns entschieden hat. Die Spieler müssen einfach verstehen: Sie haben uns diese Situation gebracht. Und wir können erst im Sommer entscheiden, wie es weitergeht.“

„Wir brauchen kluge Köpfe...“

...den auslaufenden Vertrag von Christian Gentner: „Christian ist ein Top-Profi. Er hat in der Vergangenheit unheimlich viel für den Verein geleistet. Aber auch bei ihm gilt, er muss sich in den kommenden Wochen beweisen. Klar ist: Ich will, dass er dem Verein erhalten bleibt. Aber die Frage, ob er für uns in der kommenden Saison auf dem Platz steht, ist noch nicht entschieden.“

...Steven Zuber: „Leider ist Steven im Moment verletzt. Davor hat er es sehr gut gemacht. Er war sehr motiviert, ist ein Top-Profi. Steven hat versucht, bei uns die Chance zu nutzen. Dafür bin ich sehr dankbar und umso schwerer ist es, dass er jetzt nicht dabei ist.“

...die Rollenverteilung zwischen ihm und Sven Mislintat: „Ich lege keinen Wert auf Hierarchien. Wir sind gleichberechtigt. Wir brauchen kluge Köpfe, die Teamplayer sind, die sich mit ihren Ideen einbringen. Und am Ende setzt sich im Idealfall die beste Idee durch.“

„Die U21 ist sehr wichtig für den Verein.“

...die U21: „Es gibt keine Überlegung, diese Mannschaft abzuschaffen. Wir stehen zwar leider auf einem Abstiegsplatz. Aber diese Mannschaft ist für den Verein sehr wichtig und sie soll weiterhin Sprungbrett sein für junge Spieler, die im Verein den Sprung zu den Profis schaffen sollen.“

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