Viele Kids, wenig Platz – in Vaihingen ist bei den Handball-Minis sinnvolles Training nur sehr schwer möglich. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Insgesamt 35 große Sporthallen für 78 000 Schüler und 179 000 Vereinsmitglieder gibt es in Stuttgart. Doch das reicht bei Weitem nicht aus. Vereine verhängen immer wieder Aufnahmestopps.

Stuttgart - Es lebe der Sport - keine Frage. Bewegung ist gesund, fördert das soziale Miteinander und die Integration und Spaß macht es auch noch. Die Krux am Sport: für viele Disziplinen braucht man Hallen, um trainieren und Wettkämpfe austragen zu können. Und da wird es dann eng in Stuttgart.

Wenn es eine große Mangelware gibt in der Stadt, so sind dies Flächen auf denen Schüler, Vereine, Betriebssport- oder Hobbygruppen Sportangebote unter einem Dach anbieten können. Man muss das so sperrig formulieren, da es Unterschiede gibt. Eine Sporthalle ist so definiert, dass ein Handballfeld plus Seitenabstand Platz finden muss. Das bedeutet ein Mindestmaß von 44 x 22 Meter. Alles was kleiner ist nennt man Turn- oder Gymnastikhalle, die es auf 24 x 12 beziehungsweise 18 x 10 Meter Meter bringen müssen. „Die Sporthallen in Stuttgart sind alle voll“, sagt Horst Jesinger, der zuständige Abteilungsleiter im Sportamt, „der Auslastungsgrad ist nicht mehr zu toppen.“ 30 solche Hallen hat die Stadt, weitere fünf sind im Vereinsbesitz. Dagegen stehen 78 000 Schüler und viele der 179 000 Mitglieder der 300 in der Stadt registrierten Sportvereine, die gerne Zeiten unter Dach für ihren Sport hätten. Generell haben die Schulen bis 17.15 Uhr das Prä, danach bis 21.45 Uhr die Vereine.

Viele Vereine in der Stadt klagen über den Mangel. Ein Beispiel: Die Handball-Abteilung des SV Vaihingen hat vorbildlich 19 Jugendmannschaften in allen Altersklassen gemeldet. Dazu fünf aktive Mannschaften. Im Sommer reicht das gerade so, dass jedes Team wenigstens einmal pro Woche in eine Halle zum Training kann. Im Winter wird selbst das schwer, weil auch andere Sportarten und Vereine von Dezember bis Ende Februar Saison-Trainingszeiten in den Halle haben. So musste sich jetzt die F-Jugend der Vaihinger Handballer ein Hallendrittel mit jungen Fußballern von den Stuttgarter Kickers teilen. Das ist für beide unbefriedigend. „Wir verlieren immer wieder Talente, weil wir nicht genug Training anbieten können“, sagt Dirk Nawatzky. Der Handball-Chef des SV Vaihingen ergänzt: „Wenn ich mit bis zu 40 Kindern in einem Drittel Halle arbeiten soll, bringt das kaum etwas.“ Zudem, so der Mann mit 40 Jahren Erfahrung, müssten jetzt auch schon Zehnjährige abends bis 20.15 Uhr trainieren, weil kein anderer Platz da sei.

Stadt muss den Mangel verwalten

Auch Matthias Ranke, der Geschäftsführer der Sportvg Feuerbach, mit 6600 Mitglieder der drittgrößte Verein der Stadt, hat so seine Probleme. Grundsätzlich sei man zwar in der glücklichen Lage, eine eigene drittelbare Sporthalle zu besitzen, aber er sagt auch: „Wir haben Nöte.“ Zum Beispiel durch die Schließung der Halle des Solitude Gymnasiums in Weilimdorf, die ein Jahr lang saniert wird. „Dadurch haben wir mit unserer Kindersportschule große Probleme bekommen“, sagt Ranke, der sich fragt, ob die Sanierung wirklich so lange dauern muss. „Die Ausschreibung gibt die lange Frist aus meiner Sicht nicht her“, klagt er. Zudem wünscht er sich mehr Initiative der Schulen, freie Kapazitäten zu ermitteln und zur Verfügung zu stellen.

Das würde auch geschehen, entgegnet Helmut Schmid vom Schulverwaltungsamt der Stadt. Generell würde man alles versuchen, den Vereinen freie Hallenplätze auch vor 17.15 Uhr anzubieten. „Letztlich entscheidet das aber der Schulleiter“, erklärt Schmid. Generell sei die Stadt mit dem Sportamt und der Schulverwaltung bemüht, den Mangel so gut es geht zu verwalten. Aber das hat Grenzen. „Man versucht allen gerecht zu werden, aber das gelingt nicht“, sagt Sportamtschef Günther Kuhnigk. Und die Situation dürfte in den nächsten Jahren schwieriger werden, da viele der Hallen aus den 70er Jahren in naher Zukunft saniert werden müssen. Und das wird nur selten in der trainingsfreien Ferienzeit zu leisten sein – siehe Weilimdorf.

Immer wieder Aufnahmestopp beim MTV Stuttgart

Auch beim MTV Stuttgart mit seinen 8900 Mitgliedern spürt man die Enge. Der Verein ist hinter den VfB Stuttgart (60 500 Mitglieder) der zweitgrößte der Stadt, hat aber die meisten aktiven Mitglieder. Trotz eigener Sportstätten herrscht Mangel. Disziplinen wie Handball oder Basketball haben immer wieder einen Aufnahmestopp. „Wir können uns in manchen Bereichen nicht weiterentwickeln“, sagt Birgit Janik, „neue Sportarten aufzunehmen ist unmöglich.“ Die Geschäftsführerin Sportbetriebe betont aber auch, dass man sich seitens des MTV nicht über das Sportamt beschweren will. Dort tue man, was möglich sei. Und dass jetzt vermehrt Schüler durch die längeren Kernzeiten in die Trainingszeiten der Erwachsenen drängen, sei eben auch nicht wirklich änderbar. Auch der Tus Stuttgart mit seinen gut 5000 Mitgliedern besitzt eigene Sportstätten rund um den Fernsehturm, aber auch die reichen nicht. „Etwas Erleichterung wird die geplante Neubauhalle auf der Waldau bringen“ hofft Tus-Geschäftsführer Gunnar Höckel, schiebt aber gleich nach: „Auch diese Neubauhalle wird unseren Bedarf an Hallenzeiten nicht decken können.“ Zudem beginnt der Bau der Halle erst im Juni, Mitte 2020 soll sie dann zur Verfügung stehen.

So wie den vier genannten großen Vereinen, geht es vielen anderen auch. Und die Situation dürfte angespannt bleiben. Es gibt zwar Neubauprojekte, aber mindestens ebenso viele dringende Sanierungen. Entspannung ist also nicht in Sicht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: