Sven Mislintat ist seit 2011 Inhaber der Fußballlehrerlizenz – und bald Sportdirektor beim VfB Stuttgart. Foto: Getty

Der VfB Stuttgart hat eine wichtige Zukunftsfrage so gut wie geklärt. Sven Mislintat soll Sportdirektor werden. Lesen Sie hier, warum er als Toplösung gilt.

Stuttgart - Mit heroischen Spitznamen sind sie vorsichtig geworden beim VfB Stuttgart. Die Ära des Perlentauchers jedenfalls, ist kürzlich unrühmlich zu Ende gegangen. Michael Reschke, der einen hervorragenden Ruf als Talentscout und Kaderplaner genießt, musste vorzeitig gehen. Seit Februar ist statt des Rheinländers Thomas Hitzlsperger der Sportvorstand der Stuttgarter. Und dem scheint nun ein echter Coup gelungen zu sein.

Die sportliche Wende hat der Meisterspieler von 2007 bislang zwar nicht herbeiführen können, der VfB wandelt nach wie vor am Abgrund zur zweiten Liga. Unabhängig davon ist nun wohl aber eine der wichtigsten Zukunftsfragen geklärt: Hitzlsperger hat seinen Sparringspartner gefunden, mit dem er in den kommenden Monaten und Jahren den neuen VfB bauen will. Es ist Sven Mislintat.

Entdecker zahlreicher BVB-Stars

Vor Jahren noch war dieser Name nur absoluten Insidern der Profibranche ein Begriff. Doch die Scouts und Kaderplaner sind zuletzt nicht nur immer wichtiger, sondern auch prominenter geworden. Für den 46-Jährigen aus Kamen gilt das spätestens, seit er im Dezember 2017 von Borussia Dortmund zum FC Arsenal wechselte – trotz Vertrags bis 2021. Seinen guten Ruf hatte er sich unter anderem durch die Empfehlung der Transfers von Robert Lewandowski, Shinji Kagawa oder Pierre-Emerick Aubameyang erworben. Die erfolgreiche Ära von Trainer Jürgen Klopp beim BVB mit zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und der Teilnahme am Champions-League-Finale trägt auch Mislintats Handschrift. Man nennt ihn seitdem auch Diamantenauge.

Wie gesagt: Auf derartige Kosenamen legt beim VfB aktuell keiner wert. Was der Club aber braucht, ist ein erfahrener Mann im Transfergeschäft. Den suchte schon Reschke als seine rechte Hand – allerdings vergeblich. Mislintat, der nach Umstrukturierungen sein Engagement in London nach 14 Monaten wieder beendet hatte, hieß es in der Reschke-Ära, sei für den VfB nicht zu bekommen.

Der VfB-Kader braucht Veränderungen

Thomas Hitzlsperger ließ von Beginn an keine Zweifel aufkommen, dass er, ein Neuling im Job des Sportchefs, mindestens einen Fachmann an seine Seite holen wird. Einige Wochen hat es nun gedauert, ziemlich viele Gespräche hat der Sportvorstand geführt, es kristallisierte sich ein Favorit heraus, nun steht der Deal mit der vermeintlichen Toplösung kurz vor dem Abschluss. Mislintat jedenfalls liegt ein unterschriftsreifer Vertrag vor, die endgültige Zusage gilt als sicher. Der „Kicker“ hatte zuerst über die Personalie berichtet.

Beim VfB findet der Westfale alles andere als ein bestelltes Feld vor. Zwar verfügt der Club über einen finanziellen Spielraum für den Umbau des Kaders – im Sommer fließen unter anderem 35 Millionen Euro für Benjamin Pavard aus München nach Stuttgart. Das Team muss, egal für welche Liga, aber umfangreich runderneuert werden. Der aktuelle Mix aus sehr erfahrenen und sehr jungen Spielern hat dem VfB jedenfalls nicht die erhoffte sorgenfreie Saison beschert. An Möglichkeiten, sich über den Stuttgarter Bundesligisten zu informieren, mangelt es Sven Mislintat übrigens nicht.

Ausbildung zum Fußballlehrer mit Markus Weinzierl

In der Saison 2010/2011 absolvierte der heute 46-Jährige den Lehrgang zum Fußballlehrer unter anderem mit den früheren VfB-Trainern Thomas Schneider, Marc Kienle und Tayfun Korkut sowie dem aktuellen Chefcoach Markus Weinzierl. Auch die in der Region gut vernetzten Markus Gisdol (einst 1899 Hoffenheim, zuletzt Hamburger SV) und Frank Schmidt (1. FC Heidenheim) waren mit dabei.

Als aktiver Fußballer hatte es Mislintat bis in die Oberliga geschafft, schon früh befasste er sich dann aber mit dem Thema Spielanalyse, ist Mitbegründer einer Firma in diesem Segment und stieg 2006 beim BVB ein. Erst als Scout, dann als Chefscout, zuletzt als Leiter Profifußball. Die Wertschätzung in Dortmund für den Familienvater wuchs und wuchs, nur mit dem früheren BVB-Coach Thomas Tuchel geriet er aneinander.

Mislinat gilt als hervorragend vernetzt in der Branche, legt bei seinen Transferempfehlungen aber stets einen Fokus auf die datenbasierte Analyse. Diese Kombination soll nun dem VfB Stuttgart zugute kommen. Und zwar erstens sofort, da die Vorarbeiten für die kommende Transferperiode jetzt stattfinden müssen. Zweitens wird er auch im Falle eines Abstiegs kommen.

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