Die Münchinger Sporthalle an der Kornwestheimer Straße ist sanierungsbedürftig. Foto: factum/Granville

Der Blick auf die vorhandenen Sport- und Kulturstätten im Stadtteil Münchingen von Korntal-Münchingen zeigt: Vor allem der Vereinssport braucht mehr Platz. Die Stadt steht vor der Herausforderung, allen Wünschen gerecht zu werden.

Korntal-Münchingen - Korntal-Münchingen will die Sport- und Kulturstätten im Stadtteil Münchingen weiterentwickeln. Sowohl die Sporthalle an der Kornwestheimer Straße als auch die Albert-Buddenberg-Halle nahe der Flattichschule sind sanierungsbedürftig. Bei der 40 Jahre alten Sporthalle, in die zuletzt Wasser tropfte, ist offen, ob ein Neubau nicht wirtschaftlicher wäre. Die Buddenberg-Halle weicht vielleicht einer modernen Sporthalle. Weil eine neue Stätte mindestens fünf Millionen Euro kostet, wollen die Kommunalpolitiker aber frühestens in fünf Jahren darüber diskutieren. Das sagte der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos) unserer Zeitung im vorigen Herbst. Derzeit nutzen Schüler die Mehrzweckhalle für den Schulsport, Vereine für Training und Veranstaltungen.

Als Grundlage für ihre Entscheidung hatte die Stadt eine Bedarfsanalyse in Auftrag gegeben. Dabei wurden die Vereine gefragt, welchen Bedarf sie haben oder ob die vorhandenen Kapazitäten ihn decken. Vorige Woche gab es einen Workshop mit Bürgermeister, Stadtverwaltung, Gemeinderäten, Vereinen und Schulen. Es wurden die Ergebnisse präsentiert und Szenarien durchgespielt: Was, wenn alles bleibt, wie es ist? Was, wenn die Kommune kräftig investiert? Zuvor hatten sich die Münchinger Vereine TSV, Musikverein und EJW Handball zusammengetan. Sie wollen bei der Zukunft der Stätten einig sein und eine gemeinsame Strategie verfolgen statt bloß die eigenen Interessen zu vertreten – obwohl ihr Bedarf unterschiedlich ist.

„Wir arrangieren uns, sind aber nicht zufrieden“, sagt Volker Schmitt-Kordes. Er sitzt der Turnabteilung des TSV vor. Dieser ist mit 2000 Mitgliedern der größte Sportverein Korntal-Münchingens. Die Analyse zeige, dass der Platz beim Vereinssport zurzeit nur am Abend „leicht unterdeckt“ sei. „Beim künftigen Bedarf gibt es hingegen eine deutliche Unterdeckung, vor allem in der Hallenzeit von 17 bis 22 Uhr“, sagt Schmitt-Kordes. „Wenn die Stadt weiter wächst – und das wird sie tun – besteht zusätzlicher Bedarf.“

Ausweichquartier in Korntal

Schon jetzt trainierten die Mitglieder des TSV auf engem Raum. Buddenberg-Halle und Widdumhof könnten Sportler nur mit Abstrichen nutzen – oder gar nicht, wenn die Stadt die Räume braucht. Die Volleyballer sind nach Korntal ausgewichen. Grundsätzlich würde der TSV gerne mehr anbieten. Doch der Platz fehlt. „Wir können keine neuen Abteilungen gründen wie eine Basketball-Abteilung oder eine Kindersportschule“, sagt Schmitt-Kordes. Der Verein könne auch keine neuen Angebote machen wie Breitensport-Turngruppen für Teenies oder Erwachsene, Herz- und Rehasport oder Sport für Senioren.

Geht es nach dem TSV, baut die Stadt auf der Tartanbahn neben der Münchinger Sporthalle eine identische Stätte. Die Tartanbahn würde verlegt, die Buddenberg-Halle saniert. „Den Schulen würde das aber keine Verbesserung bringen“, sagt Schmitt-Kordes. Denn die hätten aufgrund der Entfernung nichts von einem „Sportzentrum“ an der Kornwestheimer Straße, wie es dem TSV vorschwebt.

Das derzeitige Angebot genügt den Anforderungen des Kindergarten- und Schulsports indes. Auch der Musikverein ist zufrieden. „Die Kapazitäten sind für unsere Belange ausreichend“, sagt der Vorsitzende Jörg Di Marco. Er spricht sich klar gegen einen Abriss der Buddenberg-Halle aus. „Dann hätten vor allem die Kulturtreibenden das Nachsehen“, befürchtet Di Marco. In der Halle hält der Musikverein seine Generalproben ab und veranstaltet Konzerte und Fasching – Veranstaltungen in einer Größe, für die der Widdumhof zu klein ist. Di Marco hofft, dass die Buddenberg-Halle so saniert wird, dass sie als Sport- wie Kulturstätte optimal taugt. „Wir brauchen zum Beispiel dringend eine größere Bühne“, sagt Di Marco. Wenn 50 bis 60 Musiker samt Instrumenten auftreten, werde es ganz schön eng.

Nur noch notdürftige Reparaturen

Die Stadt äußert sich nicht zur Analyse. „Es liegt noch kein abschließender Bericht vor“, heißt es als Begründung auf Anfrage unserer Zeitung. Der Gemeinderat befasse sich in der zweiten Jahreshälfte öffentlich damit. Regina Neuhöfer, die den Fachbereich Familie, Bildung und Soziales leitet, sagt: „Die Frage, ob ein Neubau oder eine Sanierung der Sporthalle wirtschaftlicher ist, war nicht Bestandteil der Analyse. Dies wird in einem zweiten Schritt durch entsprechende Fachplaner zu klären sein.“

Bis dahin wird die Sporthalle nur notdürftig repariert. Ursprünglich wollte die Stadt sie 2019 für mindestens 4,5 Millionen Euro umfassend herrichten. Für 1,2 Millionen wurde die Halle zuletzt vor gut einem Jahr saniert. Dann aber war das Dach undicht. Handwerker haben inzwischen für 950 Euro Regenrinnen installiert. „Bei den vergangenen Regenfällen ist kein Wasser in die Halle eingetreten“, sagt die Bauchefin Sonja Widmann. Komme es aber künftig dazu, werde das Regenwasser schadlos durch die Rinnen abgeleitet. Auch an der Buddenberg-Halle würden vorerst „nur zwingend notwendige Unterhaltsmaßnahmen“ vorgenommen. Ob eine Sanierung erfolgt, hängt laut Widmann von den Ergebnissen der Sporthallenbedarfsplanung für den gesamten Stadtteil Münchingen ab.

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