Hartes Ringen um Ball und Termin: Dominik Weiß (li./TVB) gegen Kiels Patrick Wiencek. Foto: Baumann

Der Heimauftakt des TVB Stuttgart in der Handball-Bundesliga gegen den THW Kiel wird verlegt, weil der Gegner an der Club-WM teilnimmt. Das ist ärgerlich für den TVB.

Stuttgart/Kiel - Es war alles angerichtet für ein Handballfest zum Saisonauftakt des TVB Stuttgart. Denn zur Heimpremiere der Saison 2019/20 stand kein geringerer Gegner auf dem Spielplan als der THW Kiel, der Rekordmeister – und immer noch so etwas wie das Zugpferd im deutschen Handball. Doch daraus wird nichts. Vorerst. Denn der Rivale hatte sich parallel um eine Wildcard für die Club-Weltmeisterschaft beworben – und die auch bekommen. So weit, so gut.

Nicht ganz? Dummerweise findet dieser Einladungswettbewerb des Weltverbandes IHF vom 27. bis 31. August statt, so dass bis zum geplanten Anwurf um 13.30 Uhr keine 24 Stunden für einen Rückflug aus Saudi-Arabien blieben. Folge: Die Partie wird nun auf den 15. Dezember verlegt, nachdem der TVB an einer einvernehmlichen Lösung interessiert war, obwohl er nicht einmal eine Entschädigung erhält. „Wir haben zwar einen großen Aufwand durch die Verlegung“, sagt Trainer Jürgen Schweikardt in seiner Funktion als Geschäftsführer, „aber die finanziellen Folgen halten sich in Grenzen.“ Weil der Verein trotzdem auf die in den Sponsorenverträgen fest verankerten sieben Spiele in der Porsche-Arena kommen wird.

Kiel kassiert viel Geld

Nun ist es zunächst einmal legitim, dass die Kieler ihre eigenen Interessen verfolgen. Zumal finanzieller Art. Denn der Sieger der Club-WM erhält umgerechnet rund 350 000 Euro, hinzu dürfte noch ein Startgeld im mittleren fünfstelligen Bereich kommen. Und die abgelaufene Saison, in der die „Zebras“ sich nicht für die Champions League qualifiziert hatten, soll mit einem Minus im hohen sechsstelligen Bereich abgeschlossen worden sein. Da kommt so ein lukratives Turnier mit überschaubarer Konkurrenz (wie zum Beispiel Sydney oder New York) wie gerufen als Einnahmequelle. Schade nur, dass nicht einmal die HBL davon wusste, „das kam auch für uns relativ unerwartet“, sagt der HBL-Kommunikationschef Oliver Lücke, nachdem die Partie sogar als Top-spiel der Woche des übertragenden TV-Senders Sky auserkoren war.

Über 4000 Karten sind bereits verkauft, sie behalten natürlich ihre Gültigkeit für den Nachholtermin oder können auch zurückgegeben werden, wenn der Dezember-Termin unpassend ist. Auch diesbezüglich ist die Änderung ein Rückfall. Denn bis fast zum Ende der Hinrunde bietet die Bundesliga-Tabelle nun ein verzerrtes Bild. „Insgesamt wirft das ein unprofessionelles Bild auf den Handball“, sagt Schweikardt, „aber wir sind uns keiner Schuld bewusst.“ Wer dann? „Wir hätten uns das auch anders gewünscht“, gibt Lücke zu. Wobei es eben auch darum gehe, dass der deutsche Handball bei so einer Club-WM vertreten sei.

Abschiedsspiel in Kiel

Von all diesen Nickligkeiten soll an diesem Freitag (19 Uhr) aber erst einmal nichts zu spüren sein. Auch da steht der THW Kiel im Mittelpunkt. Genauer gesagt: Alfred Gislason, der Ex-Trainer bei seinem großen Abschiedsspiel. Und das wird ganz sicher nicht mehr verlegt.

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