Katarina Barley freut sich über viele junge Neumitglieder: „Das wird die Partei verändern.“ Foto: dpa

„Köpfe hoch!“ nach dem Desaster bei den Landtagswahlen: SPD-Generalsekretärin Katarina Barley mahnt die Genossen bei einem „Campaign Camp“ in Filderstadt zum Kurshalten. Zudem erhalten die Wahlkämpfer Impulse für einen verstärkten Einsatz an den Haustüren und in den digitalen Medien.

Filderstadt - Wie kann die SPD nach drei schweren Wahlschlappen noch die Bundestagswahlen gewinnen? „Natürlich wird jetzt Häme über uns ausgeschüttet“, sagt Generalsekretärin Katarina Barley. Doch lautet die Devise: Kurs halten! „Es ist wichtig, die Köpfe hoch zu nehmen.“ Der Wähler entscheide immer öfter erst auf den letzten Metern. „Ihr müsst euch drauf gefasst machen, dass es immer auf und ab geht.“ Das mache die SPD aus. Auch Landeschefin Leni Breymaier versucht, Zuversicht zu verbreiten: „Wir werden Schweiß und Tränen vergießen. Wir werden kämpfen und uns einsetzen.“ Der Schulz-Hype? Das war ein „medialer Spin“, der nach der Wahl in Schleswig-Holstein vorbei gewesen sei, sagt Barley. „Wir wussten, dass es irgendwann heißt: Huch, jetzt ist er weg.“

Weil es aber nicht allein am Wähler hängt, muss die SPD in die Gänge kommen. „Campaign Camps“ sollen den Wahlkämpfern Impulse geben, wie man heutzutage Stimmen gewinnt. Dazu sitzen die fast 400 Genossen am Samstag in Filderstadt auf Papphockern, die sich leicht vom „Panel“ zu den „Sessions“ tragen lassen. Vieles ist etwas anders, als von der alten Tante SPD gewohnt. Auch der Altersdurchschnitt: Etliche junge Aktivisten haben sich von der Misere sichtlich noch nicht anstecken lassen. 1082 Mitglieder hat die SPD Baden-Württemberg seit Jahresanfang gewonnen und so die 35 000er Marke übersprungen. Das ist ein Plus von mehr als drei Prozent, nachdem in den Vorjahren unterm Strich immer ein dickes Prozent verloren ging. Ein „Meilenstein“, sagt Landesgeneralsekretärin Luisa Boos. 40 Prozent der Neuen seien „im Juso-Alter“. „Das wird die Partei verändern“, ergänzt Barley. Bundesweit zählt die SPD in diesem Jahr schon 17 000 Neuzugänge.

Schon 17 000 Neuzugänge bundesweit

Viele kämen auch zurück, weil ihnen der Markenkern so wichtig sei, sagt Barley. Die Generalsekretärin will „den Begriff Gerechtigkeit groß machen“. Jetzt erst recht. Die Sorge um ein gerechtes Europa – artikuliert von Spitzenmann Martin Schulz – locke viele wieder in die SPD. Angesichts der Entwicklung in Polen oder Ungarn hätten gerade jüngere Mitglieder das Motto „Runter vom Sofa“ schon verinnerlicht.

„Geschlossenheit ist das Allerwichtigste“

Der rheinland-pfälzische SPD-Vize Alexander Schweitzer weiß, wie man Wahlen noch auf den letzten Metern gewinnt. „Macht euch nicht verrückt“, rät er. Und: „Geschlossenheit ist das Allerwichtigste.“ Wer jetzt anfange zu analysieren, was im Willy-Brandt-Haus falsch laufe, solle besser still sein bis zum 25. September und seine Arbeit machen. Derweil hat die Konkurrenz von der CDU bei den Landtagswahlen mit dem Tür-zu-Tür-Wahlkampf Boden gut gemacht. „Es nützt nichts, an der Haustür zu klingeln, wenn nach dem ,Guten Tag’ nichts mehr kommt“, warnt Schweitzer. Entscheidend sei es, die Botschaften an den Wähler zu bringen. Das Thema Gerechtigkeit sei der „Türöffner“ der SPD.

Tipps von der Facebook-Managerin

Eine digitale Hilfe, wie sie die CDU mit der Smartphone-App „Connect2017“ für die Haustürbesuche entwickeln ließ, hat die SPD offenbar noch nicht. Sie lässt sich stattdessen Tipps zum Beispiel von Facebook-Managerin Anika Geisel geben. Die Social-Media-Expertin rät den wahlkämpfenden Kandidaten, klare Positionen zu beziehen, Bewegtbilder vor allem für mobile Endgeräte zu liefern oder gar „digitale Bürgersprechstunden“ einzurichten. Zudem sollten sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen gewähren, was FDP-Chef Christian Lindner in NRW mit Erfolg praktiziert hat, wie Geisel anerkennt. Neues ausprobieren, mutig und witzig sein sollen die Wahlkämpfer. Vor weiteren Spezialdebatten in kleinen Runden über „Politik bei Youtube“ oder die Einbindung Freiwilliger geht es mit einem Massen-Selfie in die Pause. Der Wahlkampf 4.0 kann kommen.

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