Die schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli soll am SPD Bundesparteitag am Freitag als fünfte Vize-Vorsitzende gewählt werden. So verhindert die Parteispitze eine Kampfabstimmung zwischen Arbeitsminister Hubertus Heil und Juso-Chef Kevin Kühnert.

Die schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli soll am Freitag auf dem SPD Bundesparteitag in Berlin ins Präsidium der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gewählt werden. Der Aufstieg der 44-jährige Kielerin ist das Ergebnis eines sozialdemokratischen Kompromisses, der am Morgen des Parteitags erzielt wurde.

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Ursprünglich sollte die Anzahl der stellvertretenden Parteichefs per Parteitagsbeschluss von sechs auf drei reduziert werden. Die mit Olaf Scholz als Bewerberin für den Parteivorsitz angetretene Klara Geywitz und die saarländische SPD-Chefin Anke Rehlinger wurden vom Parteivorstand zur Wahl empfohlen. Für den dritten Platz gab es keine Nominierung durch das Gremium, da es mit Juso-Chef Kevin Kühnert und Arbeitsminister Hubertus Heil zwei Bewerber gab.

Kampfabstimmung verhindert

Damit wäre es auf dem Parteitag auf eine Kampfabstimmung zwischen Arbeitsminister Hubertus Heil und Juso-Chef Kevin Kühnert hinausgelaufen. Hinter den Kulissen wurde jedoch der Kompromiss verabredet, dass es künftig doch fünf anstatt nur drei Parteivizes geben soll. So wurde der drohende Konflikt zwischen Heil und Kühnert abgewendet und Midyatli rückte nach. Während seiner Rede bestätigte der neue Parteivorsitzende Norbert Walter-Borjans die Lösung und bat die Delegierten um Zustimmung. Die Abstimmung über die Vizes wird für den Freitagabend erwartet.

Erneuerung der SPD-Spitze

Mit Midyatli ist die komplette Erneuerung der SPD-Spitze somit komplett. Die deutsche Politikerin mit türkischen Wurzeln ist seit 2009 Abgeordnete des Schleswig-Holsteinischen Landtags, 2010 übernahm sie das Amt der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Auf bundespolitischer Bühne erschien Midyatli als Teil des SPD-Parteivorstands erstmals 2017. Den SPD-Landesvorsitz Schleswig-Holstein übernahm die 44-Jährige im März 2019. Im Landtag ist sie zuständig für die Themen Kita, Integration, Gleichstellung und sexuelle Vielfalt. Mit ihrer Politik würde sie Alltagsprobleme lösen wollen, wie zu hohe Kita-Gebühren oder steigende Mieten vor Ort, beschreibt s. Dabei bedeute ihr vor allem der offene Umgang mit Menschen viel.

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Die zweifache Mutter wuchs im Kieler Stadtteil Gaarden auf, ihre Familie betreibt mehrere Restaurants. Bereits mit 18 Jahren übernahm Midyatli die Leitung eines dieser Familienrestaurants. Sie bleib der Gastronomie treu und gründete 2007 einen Catering-Service, bevor sie 2009 in den Landtag gewählt wurde.
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