Geschicklichkeitsspiele mit zusammengeklaubten Stöcken in der freien Natur prägen das Zusammenleben beim Ditzinger PfadfindervereinWanderungen gehören zum Freizeitprogramm der Pfadfinder. Foto: factum/Granville

In amerikanischen Filmen verkaufen sie Kekse und helfen alten Menschen über die Straße – Pfadfinder gibt es aber auch bei uns. Mit den Klischees made in Hollywood haben sie allerdings wenig gemeinsam.

Ditzingen - Seine Pfadfinderkluft, also das Hemd, das zur Ausstattung eines richigen Pfadfinders dazugehört, muss sich jeder Neuling erst einmal verdienen. „Wer sich an die Pfadfinder Regeln hält, die Natur achtet und zu allen freundlich ist, der bekommt nach einer gewissen Probezeit seine Kluft“, sagt Philipp Schäfer, Leiter der Schwarzen Wölfe Ditzingen. Nett sein allein reicht aber nicht. Die Kinder und Jugendlichen müssen ihre guten Absichten bei sogenannten Versprechensfeiern auch schwören. „Das sind ganz geheimnisvolle Feiern, deren Inhalt wir nicht verraten“, sagt der 23-jährige Schäfer, der seit seiner frühen Jugend bei den Pfadfindern ist.

Die Schwarzen Wölfe, die dem Deutschen Pfadfinderverband angehören, gibt es seit 1999. „Wir sind gerne im Rudel und wollen unsere Gemeinschaft stärken, so wie Wölfe“, erklärt Schäfer den Namen seines Stammes. Von März bis September trifft sich die Gruppe jeden Freitag im Freien, im Winter in einem Gruppenraum. Per Mail teilen die Leiter den Kindern und Jugendlichen im Sommer kurz vorher den Treffpunkt mit. „Oft treffen wir uns am Waldspielplatz in Schöckingen“, sagt Schäfer. Manchmal geht es aber auch mit der S-Bahn oder dem Zug raus aus der Stadt. „Zuletzt waren wir das ganze Wochenende über in der Nähe von Schorndorf und haben dort gezeltet“, sagt Schäfer. Jeder der Pfadfinder bekommt dann einen Rucksack mit einer Zeltplane, Isomatte, Schlafsack und Verpflegung. „Die Last wird gerecht aufgeteilt“, sagt Schäfer. Am Zeltplatz angekommen werden mit den Zeltplanen und mit Stöcken als Stütze und als Heringe die Schlafplätze gebaut. Danach geht es zum Feuersammeln in den Wald. Zu einem richtigen Pfadi-Wochenende gehört aber auch der Waldspaziergang um zwei Uhr nachts. Ohne Ankündigung. „Das ist für die Kinder besonders aufregend“, sagt Philipp Schäfer.

Im Stamm erhält jeder einen neuen Namen

In einigen Ländern seien die Pfadfinder noch sehr militärisch organisiert, mit Morgenappell. „Bei uns gibt es im Zeltlager eine Morgenrunde und einen Spruch des Tages, das war’s“, sagt er. „Kekse verkaufen wir auch keine. Das ist ein Mythos, der wohl aus den amerikanischen Filmen stammt“, sagt er. Neben den Ausflügen am Wochenende geht es jedes Jahr auch in eines der Zeltlager, das beispielsweise vom Landes- oder Bundesverband angeboten wird. In diesem Jahr fahren die Wölfe in ein Zeltlager nach Berlin, an dem rund 5000 Pfadfinder aus ganz Deutschland und dem Ausland teilnehmen. Während dem Lager gehen die Stämme dann auf Wanderung, schlafen mal irgendwo in einer Scheune und erkunden die Gegend, sagt Schäfer.

Besonders gut erinnert sich der Stammesleiter an die Fahrt nach Finnland vor neun Jahren. „Da waren wir drei Wochen zu Fuß zu unserem Treffpunkt unterwegs“, sagt Schäfer, der von den anderen Pfadfindern nur „Obi“ genannt wird. Obi steht für Obelix, den Schäfer einmal in einem Theaterstück gespielt hat. Der Spitzname ist bei den Pfadfindern nichts Ungewöhnliches – jeder hat einen. Ein anderer Pfadfinder bei den Schwarzen Wölfen heißt Waschbär. „Weil er das Wasser liebt“, sagt Schäfer. „Und unser Floh heißt so, weil sie nicht stillsitzen kann und immer wie ein Floh rumhüpft.“ Den Spitznamen vergeben die Stammesleiter und Gruppenführer. Natürlich gibt es auch eine Namenstaufe. „Da müssen die Kinder eine Aufgabe bewältigen. Zum Beispiel ihren Namen erraten, wenn wir ihn mit Kohle auf die Stirn des Täuflings schreiben.“

Mit zwölf lernen die Kinder Feuer machen

Insgesamt 24 Kinder und Jugendliche gehören dem Stamm der Schwarzen Wölfe an, 42 Mitglieder zählt der Stamm. „Je mehr wir sind, umso mehr Leiter werden wir. Denn die Kinder sollen später einmal Leitungsfunktionen übernehmen“, sagt der Stammesleiter. Mit seinen 23 Jahre ist Schäfer bald zu alt für die Leitung einer Pfadfindergruppe – und muss Platz machen für die nächste Generation.

Im Alter von sechs Jahren können Kinder den Schwarzen Wölfen beitreten. Und lernen als sogenannte „Wölflinge“ spielerisch erst einmal die einfache Techniken wie orientieren und Knoten machen, sagt Schäfer. Ab zwölf Jahren dürfen sich die Kinder dann Pfadfinder nennen – und lernen, wie man ein Zelt aufbaut, Feuer ohne Anzündhilfe macht und wie man sich alleine orientiert. Mit 14 Jahren werden die Pfadfinder dann langsam an ihre spätere Leitungsfunktion herangeführt, planen und organisieren Veranstaltungen und Zeltlager mit. Als Ranger und Rover übernehmen die Jugendlichen zwischen 16 und 25 dann die Gruppenleitung und Organisation eines Stammes – oft mit mehreren zusammen. „Pfadfinder zu sein ist eine Lebenseinstellung, es macht viel Spaß, und es macht süchtig“, sagt Schäfer. „Wir sind eine große Gemeinschaft, mit Freunden überall auf der Welt“, sagt Schäfer. „Außerdem sind bei uns alle gleich“, sagt Schäfer. Egal, wer man ist und was man beruflich macht.

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