Auch das ist Tradition: Beim Narrensturm bringt der Verein Titzo Leben und Farbe vor das Ditzinger Rathaus. Foto: factum/Archiv

Karneval im Schwabenland? Für den Ditzinger Karnevalsverein Gesellschaft Titzo kein Gegensatz. Er feiert seit 50 Jahren die fünfte Jahreszeit im Stil der Rheinländer. Und bereichert damit die örtliche Vereinskultur.

Ditzingen - Einmal Funkenmariechen sein, das ist der Traum vieler kleiner Mädchen nicht nur im Rheinland. Auch im Kreis Ludwigsburg können tanzwütige Mädchen in die Rolle der Karnevalsfigur schlüpfen. Die Gelegenheit dazu bietet zum Beispiel der 1. Ditzinger Karnevalsverein Gesellschaft Titzo. Ein Pfarrer, ein Lehrer und ein Handwerker haben den Verein 1966 gegründet. Sie wollten damals die Faschingskultur auch ins Schwabenland, genauer nach Ditzingen bringen. Heute zählt der Verein 320 Mitglieder – rund die Hälfte davon seien im Verein aktiv, sagt Dieter Eisenlöffel, der Präsident.

Als richtiger Karnevalsverein besteht die Gesellschaft Titzo aus einem Präsidium und Vorstand, einem Elferrat, einem Prinzenpaar, einer Tanzgarde und der Guggenmusik. Der Präsident und der Vereinsvorstand leiten den Verein, der Elferrat ist zuständig für die Mitgliederverwaltung und Organisation der Veranstaltungen. „Das sind aber keine elf, sondern 24 Personen“, ergänzt Andrea Eisenlöffel, die mit ihrem Mann im Elferrat sitzt.

Nach außen hin repräsentiert jedoch das Prinzenpaar den Verein. „Es ist immer sehr schwer, ein Paar zu finden“, sagt Dieter Eisenlöffel. Denn die beiden Vereinsmitglieder müssten dazu bereit sein, alle ihre Wochenenden zwischen dem 11. November und Aschermittwoch für den Verein zu opfern, und den Verein bei Umzügen, Ordensabenden und anderen Karnevalsveranstaltungen zu vertreten.

Die Kostüme entwerfen und nähen die Mitglieder selbst

Für Unterhaltung bei den Veranstaltungen sorgt die Tanzgarde, in der Kinder und junge Erwachsene aktiv sind. „Die Kinder trainieren zweimal die Woche Marsch- und Schautänze“, sagt Andrea Eisenlöffel, die lange die Tanzgruppen trainiert hat. Dabei sehen die Kinder „tupfengleich“ aus. „Alle haben denselben Rock, dieselbe Jacke, die gleiche Strumpfhose und dieselben Schuhe“, sagt sie. Und alles ist in den Vereinsfarben rot-weiß, die sich aus den Farben des Ditzinger Wappens ableiten.

Aus dem farblichen und kleidungstechnischen Rahmen fällt allerdings die Guggenmusik, die sich erst 1995 gegründet hat. Die Los Titzos, wie sich die Gruppe nennt, wechseln alle zwei bis drei Jahre ihre Kostüme. Sie stellen diese immer unter ein anderes Motto. In diesem Jahr ist es „Las Vegas“, die Schlagzeuger und Blasmusiker tragen auf ihren Jacken und Hosen aufgenähte Spieltische, Karten und Würfel.

Die Kostüme entwerfen und nähen die Vereinsmitglieder selbst. „Wenn einer nicht so geschickt ist mit Nadel und Faden, muss er zumindest ausschneiden oder in irgendeiner anderen Form beim Schneidern helfen“, sagt Andrea Eisenlöffel. Überhaupt wird Ärmel hochkrempeln und anpacken bei dem Karnevalsverein großgeschrieben. Um die Arbeit des Vereins und die teuren Ausfahrten während der Karnevalszeit zu finanzieren, müssen alle Mitglieder mit anpacken: Als Pächter der Stadthalle Ditzingen bewirtet der Verein bei allen anfallenden Veranstaltungen wie Hochzeiten, Firmenfeiern und Großversammlungen die Gäste. „Wir machen den Service und die Getränke“, sagt Dieter Eisenlöffel.

Die Orden erzählen ein Stück Stadtgeschichte

Während der Karnevalszeit ist der Verein viel im ganzen Land unterwegs, bei Umzügen und Veranstaltungen in Stuttgart, Ulm, Reutlingen, Lauffen. „Da sieht man mal die anderen Städte und wie die feiern“, sagt Andrea Eisenlöffel. Bei den Umzügen laufe der Verein mit seinem Prinzenpaar, der Garde und den Musikern dann durch die Stadt und werfe Bonbons und Popcorn.

Zur Karnevalszeit gehören überdies Ordensabende, bei denen die Gesellschaft eben Orden verleiht. Jedes Jahr wird auf dem Orden ein anderes Bauvorhaben der Stadt abgebildet. „Entweder wir loben oder wir schimpfen mit unserer Verwaltung“, sagt Dieter Eisenlöffel. Anhand der Ordenschronik des Vereins könne man so nachvollziehen, wie sich die Stadt in den letzten 50 Jahren verändert habe, sagt er. In diesem Jahr zierte der Bahnhof den Orden des Vereins, als Symbol für den Umbau des Ditzinger Bahnhofsareals. Welches Bild auf dem nächsten Orden abgebildet wird, möchte Dieter Eisenlöffel nicht verraten. „Das enthüllen wir erst am 11. November.“

Stolz sind die Eisenlöffels darauf, dass ihr Verein ein richtiger Familienverein sei. Ihre Tochter, sowie die Söhne und der Schwiegersohn sind ebenfalls in der Gesellschaft aktiv. Damit seien sie keine Ausnahme. „Wir unternehmen auch im Sommer als Verein viel gemeinsam, und bei den Arbeitseinsätzen in der Stadthalle schlagen sich alle darum, in der Küche zu arbeiten, weil es da immer lustig ist“, sagt er.

Ein gutes Organisationstalent und Spaß an der Sache braucht der Verein weiterhin. Denn im Februar 2019 will der Verein das Narrentreffen des Landesverbands Württembergischer Karnevalsvereine veranstalten, zusammen mit der Stadt. Dann werden am letzten Februarwochenende geschätzte 100 Vereine und 5000 Narren die Straßen in Ditzingen unsicher machen. Und mitten drin die Titzos.

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