Zwei Stunden lang dauern die wöchtentlichen Proben des Zitherclubs. Auch an Wettbewerben nimmt der Verein so gerne wie erfolgreich teil. Foto: factum/Weise

Zithermusik ist nur was für die alpenländische Stube? Der Zitherclub Gerlingen beweist mit seinem Repertoire, dass sich auf dem Saiteninstrument auch zeitgenössische Kompositionen klangvoll präsentieren lassen.

Gerlingen - Dass Monika Kuhardt-Barth Zither spielt, ist keine Überraschung. Ihre Mutter spielte, deren ältere Schwester spielte – welche Wahl gab es also für die Gerlingerin? „Keine“, sagt die Vorsitzende des Zitherclubs Gerlingen, die im Alter von zehn Jahren damit begann. Schlimm findet sie das allerdings nicht, schließlich sei die Zither ein tolles Instrument. Nur ihre Klassenkameraden, die hätten das recht „uncool“ gefunden. Erst vor Kurzem habe sie ein Klassentreffen gehabt, dort hätten die anderen entgeistert gefragt: „Was, spielst du das etwa immer noch?“ Heute könne sie darüber lachen, als Schülerin habe sie ihr Hobby allerdings immer regelrecht geheim zu halten versucht.

Das älteste Mitglied ist 78 Jahre alt

Dass Monika Kuhardt-Barth bis heute dabei geblieben ist, scheint indes symptomatisch für dieses Instrument zu sein. Fast alle der 13 aktiven Vereinsmitglieder spielen schon viele Jahre Zither oder Hackbrett, teilweise seit Jahrzehnten. Gudrun Höhnle etwa ist mit 78 Jahren das älteste Mitglied und zupft seit ihrem zwölften Lebensjahr die Zither. Sorgfältig baut sie das Instrument – das im Grunde nichts anderes ist als ein Holzkasten, über den Saiten gespannt sind – auf dem Tisch im Probenlokal auf, richtet sich die Noten zurecht und wartet auf das Kommando der musikalischen Leiterin.

Seit 2016 führt Doris Merkel-Gürtler die Truppe in musikalischer Hinsicht an, sucht die Literatur heraus, studiert die Stücke ein und plant die Konzerte.

Es sind große Fußstapfen, in die Merkel-Gürtler getreten ist; ihre Vorgänger waren Franz Eglseder und Hartmut Gloß. Der 1913 im bayerischen Garching geborene Eglseder war nach dem Krieg nach Gerlingen gekommen und hatte sich dort zunächst den Naturfreunden angeschlossen. Im Jahr 1946 gründete er einen eigenen Verein, der sich von 1951 an Zitherclub Heimatklang Weil im Dorf-Gerlingen nannte und 1986 in Zitherclub Gerlingen umgetauft wurde. Von Beginn an gab Eglseder Kindern und Jugendlichen Zither-Unterricht, zudem fanden unter seiner Fittiche von 1951 an die fast schon legendären Konzerte in der Jahnhalle mit Tanz und Bewirtung statt. Legendär waren sie vor allem auch deshalb, weil mehrere Hundert Zuhörer kamen und Franz Eglseder es immer wieder schaffte, bekannte Gastgruppen wie etwa den Zither-Virtuosen Rudi Knabl in die Strohgäu-Kommune zu holen.

Zeitgenössisches und Evergreens im Repertoire

Nach dem Tod Franz Eglseders im Jahr 1979 stand der Verein vor einer großen Aufgabe. „Die Positionen wie Vorsitz oder Schriftführer hatte er ja bis dahin fast alle in Personalunion inne. Die mussten nun alle neu aufgeteilt werden“, berichtet Monika Kuhardt-Barth. Die musikalische Leitung wurde an Hartmut Gloß übergeben, der wie sein Vorgänger großen Wert auf die Nachwuchsförderung legte und sich vor allem ein Ziel auf die Fahnen schrieb: Neben den klassischen Zitherstücken mit dem typischen Stuben-Charakter nahm er auch neuere und zeitgenössische Kompositionen und Evergreens ins Repertoire auf.

Auch seine Nachfolgerin Doris Merkel-Gürtler plädiert für ein modernes und abwechslungsreiches Repertoire. „Uns ist wichtig zu zeigen, dass die Zither eben nicht nur das Instrument für die alpenländische Stube, sondern sehr vielseitig ist“, sagt sie. Leider sei das noch nicht bei den Menschen angekommen.

Auch Ekkehard Beinroth bedauert das. Er musizierte früher mit seiner Frau professionell in einem Sterne-Restaurant im Schwarzwald. Die Stücke, die er dort spielte, arrangierte er größtenteils selbst. „Ich habe sicher an die 400 Stücke arrangiert, und ich finde es immer so schade, dass die Zither so unterbewertet ist“, sagt er. „Die Leute schieben uns immer in diese Stuben-Schublade, dabei kann man so vieles andere damit machen.“

Der Zitherclub ist erfolgreich

Das merkt man auch bei einer Probe. Stücke wie „Lied des Meeres“, „Samba Lelé“ oder der „Zitherclub-Rock“ sind alles andere als altbacken oder langweilig. Dass der Zitherclub Gerlingen mit seinen 13 Mitgliedern durchaus erfolgreich ist, beweisen seine Teilnahmen an Wettbewerben wie dem Landesauswahlverfahren zum Deutschen Orchesterwettbewerb für Laienorchester oder seiner Mitwirkung bei diversen Festivals und Stadtjubiläen.

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