Volle Konzentration: Zwei gegenübersitzende Spieler bilden beim Bridge ein Team. Foto: factum/Bach

Nichts für Quasselstrippen: Etwa drei Stunden dauert ein Bridgeturnier. In dieser Zeit sollten die Spieler nach Möglichkeit nicht sprechen, das störe den Denkprozess, heißt es. Ein Besuch beim Bridgeclub Bietigheim.

Bietigheim-Bissingen - Bridge – ist das nicht dieses Kartenspiel reifer englischer Damen? „Das ist ein Klischee, das vor allem in Deutschland vorherrscht“, sagt Ute Fischer, die Gründerin und Vorsitzende des Bridgeclubs Bietigheim. „Bei uns spielen auch Männer mit.“ Einmal die Woche, am Mittwochabend, trifft sich der Club zum Bridgeturnier im Seniorenheim Haus Caspar in der Gartenstraße in Bietigheim-Bissingen. Gegen eine Teilnahmegebühr von ein bis drei Euro kann jeder kommen, der Bridge beherrscht. „Wir spielen nach den Regeln unseres Dachverbands, des Deutschen Bridge Verbands“, sagt Fischer. Das bedeutet aber auch, dass das Turnier jede Woche stattfinden muss.

„Bridge ist wie Schachspielen“, erklärt Fischer, „nur, dass man beim Bridge noch einen Partner hat, der auf derselben Wellenlänge denken muss.“ Denn Bridge wird im Team gespielt. An einem quadratischen oder rechteckigen Tisch sitzen vier Personen, zwei sich gegenübersitzende Spieler bilden ein Team. Zusammen müssen sie so viele Punkte wie möglich sammeln. Und im Vorfeld abschätzen, wie viele das sein werden. Zehn bis fünfzehn Minuten geht eine Runde, danach werden die Spielkarten zwischen den Teams getauscht.

In der darauffolgenden Runde wird der Tisch gewechselt. Das nächste Team muss mit den Karten der Vorgänger spielen. „Wer mit denselben Karten die höchsten Punkte erzielt, gewinnt das Turnier“, erklärt Fischer. „Die Regeln in jeder Einzelheit zu erklären ist etwas kompliziert. Aber sobald man sie verstanden hat, ist es ganz einfach.“ Bei sieben Tischen, die an diesem Abend im Seniorenheim belegt sind, dauert das Spiel etwa drei bis dreieinhalb Stunden.

Süßigkeiten als Nervennahrung

Dabei ist es die ganze Zeit relativ ruhig. Denn Sprechen ist während des Spiels nicht gewünscht. „Bridge findet im Kopf statt“, sagt Fischer. „Daher sprechen wir nicht. Was es zu sagen gibt, drücken wir über die Karten aus. Wenn man Denksport mag, ist Bridge das Richtige.“ Ab und an muss Fischer von ihrem eigenen Spiel aufstehen und schlichten. Denn als Turnierleitung ist sie eine Art Schiedsrichter. Bei Fehlern von Akteuren muss sie gerufen werden und über den Fortgang des Spiels entscheiden. „Dafür muss man sich mit den Regeln sehr gut auskennen.“

Für den kleinen Hunger und zur Beruhigung der Nerven hat Ute Fischer Gummibärchen und Salzstangen mitgebracht. „Manchmal ist das Spiel sehr nervenaufreibend, vor allem, wenn man einen Fehler gemacht hat“, sagt sie. „Das ist dann für das Team ärgerlich.“ Meist kommen die Spieler als Team, für Einzelspieler bietet der Bietigheimer Bridgeclub eine Besonderheit an: Wer alleine kommt, kann auch mitspielen. Denn bei den Turnieren am Mittwoch gibt es immer einen sogenannten Joker, also eine Person aus dem Vorstand, die mit der Einzelperson spielt.

Wer sein Können verbessern möchte, kann montags zu den Übungsnachmittagen kommen, sagt Fischer. Von Mitte September an soll es überdies einen Anfängerkurs zum Bridgespiel geben. Fischer und die Vizevorsitzende Marion Reidel sind zertifizierte Übungsleiterinnen und können die Anfänger unterweisen. Zehn Übungsstunden soll es für die Neulinge geben. „Nach zehn Stunden kann man noch nicht spielen. Aber man gewinnt einen Eindruck und kann abschätzen, ob einem das Spiel liegt, und man weitermachen möchte“, sagt Fischer.

Den jüngeren Spielern fehlt die Zeit

Neue Mitglieder kämen immer wieder in den Club, durch Zuzug oder auch über den Unterricht sagt Fischer. Nur junge Bridgespielergebe es in ihrem Club kaum. „Ich vermute, das ist ein Zeitproblem.Denn wenn man im Bridge weiterkommen will, muss man Zeit investieren“, sagt Fischer. Und diese Zeit könnten eben viele Spieler mitbringen, die bereits im Ruhestand sind. Sie selbst sei über einen Volkshochschulkurs zum Kartenspiel gekommen, sagt Fischer. Und weil es damals in Bietigheim keinen Bridgeclub gab, habe sie vor 17 Jahren eben selbst einen gegründet. Seitdem spielen die Mitglieder regelmäßig gegeneinander. Meist in der Seniorenresidenz.

Gemeinsam machen die Bridgespieler aber auch Tagesausflüge, der letzte ging nach Bad Wildbad im Schwarzwald. Sie erkunden dann die Gegend und kehren am Ende in einem Gasthof ein um zu essen. Und, natürlich, um Bridge zu spielen. „Das muss im Vorfeld gut geplant sein“, sagt Fischer. „Nicht in jedem Gasthaus gibt es Räume, die groß genug für unsere Spiele sind und die genug Tische haben.“ Das Bridgespiel gehöre aber zu jedem Ausflug und auch zum jährlichen Vereinsfest dazu, sagt Ute Fischer. „Schließlich wollen wir alle immer besser werden.“

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