Ausbildung mit Praxisbezug: Ana Maria San Andres Gonzalez zeigt Christoph Kübel (2.v.l.) eine Lern-Installation bei Bosch in Feuerbach. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Bosch hat im Jahr 2014 erstmals 50 junge Menschen aus Spanien nach Deutschland geholt, um sie hier auszubilden. Der bislang erfolgreiche Verlauf des Projekts führt dazu, dass der Technologiekonzern sein Südeuropa-Engagement zur Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit weiter ausbaut.

Stuttgart - Für Ana Maria San Andres Gonzalez ist die Ausbildung bei Bosch eine große Chance: „Ich habe in Spanien ein Jahr lang erfolglos einen Job gesucht“, sagt die 23-Jährige aus Madrid. „Ich dachte mir, was soll ich nur weiter hier machen“, erzählt sie. Über das Internet erfuhr sie davon, dass Bosch Spanier in Deutschland ausbilden will. Jetzt ist Gonzalez seit 20 Monaten in Deutschland und hat erfolgreich den ersten Teil ihrer Abschlussprüfung als Mechatronikerin am Standort Stuttgart-Feuerbach abgelegt.

Sie ist damit eine der noch 40 verbliebenen von ursprünglich 50 Spaniern, die 2014 ihre Ausbildung in einem technischen Beruf bei dem Technologiekonzern begonnen haben. Davor gab es einen dreimonatigen Deutschkurs in Spanien, dann ein Praktikum bei Bosch in Deutschland. Jetzt, zur Halbzeit, zog der Konzern eine Zwischenbilanz seiner „Ausbildungsinitiative Südeuropa“ und kündigte an, das Engagement noch auszuweiten.

„Unser Ausbildungskonzept mit starker interkultureller Begleitung hat sich bewährt“, sagte Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Bosch, bei der Vorstellung in Feuerbach. Man wolle das Engagement fortsetzen, da gerade in Spanien und Italien die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch liegt. So investiere Bosch weitere 6,5 Millionen Euro, um zu den bereits geschaffenen 100 Ausbildungsplätzen noch einmal 75 zur Verfügung zu stellen. 15 davon werden in Spanien sein, 10 in Italien. 50 Ausbildungsplätze werden wieder speziell für Spanier in Deutschland geschaffen, denn hier seien die Ausbildungskapazitäten besser, sagte Kübel.

Bosch wolle damit ein „Zeichen der Solidarität“ setzen, so Kübel. In der Tat hat die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa erschreckende Züge angenommen. In Spanien liegt die Quote der arbeitslosen Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren bei 45,9 Prozent, in Italien bei 38,2 Prozent, in Portugal sind es 30,2 Prozent. nur in Griechenland liegt sie mit 51,9 Prozent noch höher. Hier engagiert sich Bosch jedoch auch in der zweiten Runde des Ausbildungsinitiative nicht: „Dort haben wir keinen Fertigungsstandort, nur eine Vertriebsniederlassung“, erklärte Kübel.

In Stuttgart sind spanische Azubis selten

In der Region Stuttgart sind Auszubildende mit spanischer Staatsangehörigkeit eher eine Seltenheit. Nach Angaben der IHK Region Stuttgart liegen sie beim Vergleich der Nationalitäten mit 77 von insgesamt 3965 Azubis nur an achter Stelle (Stichtag 31. Dezember 2015). Es dominieren Auszubildende aus der Türkei (1339), aus Italien (774) und Griechenland (399).

Das mag historisch bedingt sein durch die Gastarbeiterfamilien, die früher nach Deutschland kamen. Tanja Nause, die Leiterin der Abteilung Berufsbildung der deutschen Handelskammer für Spanien in Madrid, hat noch eine andere Erklärung: „Spanier sind sehr heimatverbunden“, sagte sie. Bereits innerhalb des eigenen Landes sei die berufliche Mobilität weniger groß als beispielsweise im Nachbarland Portugal.

Viele junge Spanier verfügen aber über keinen ausreichenden Schulabschluss. Der ehemalige Bildungsminister Alfredo Pérez Rubalcaba nannte jüngst in einem Interview die Zahl von 1,8 Millionen jungen Spaniern, die wegen des Bau-Booms vor der Finanzkrise vorzeitig die Schule verlassen hätten, weil sie im Baugewerbe das schnelle Geld gewittert hatten.

In Deutschland gibt es mittlerweile viele geförderte Programme, um Azubis mit Migrationshintergrund unter die Arme zu greifen (siehe Infokasten). Das Center for European Trainees (CET) bietet jungen Italienern und Spaniern Hilfe, die in Baden-Württemberg Fuß fassen wollen. Vor allem das System der dualen Ausbildung sei in diesen Ländern nicht bekannt, sagte die Projektleiterin Jessica Flemming. „Diejenigen, die jetzt bei uns eine Ausbildung anfangen, werden später vielleicht die Botschafter für eine duale Ausbildung in ihrem Land“, sagte sie. In Katalonien und in der Lombardei werde das CET von Juli an nun auch Arbeitskreise einrichten, um dort einen engeren Austausch zwischen Schulen und der Wirtschaft anzuregen.

Die Bosch-Mechatronikerin Gonzalez zum Beispiel war überrascht vom großen Praxisanteil der dualen Ausbildung in Deutschland: „In Spanien ist das viel theoretischer.“ Dennoch würde sie nach dem Ende ihrer Ausbildung gerne wieder in ihre Heimat zurück: „Ich will bei Bosch bleiben, am besten in Madrid. Wenn das nicht geht, dann auch gerne hier“, sagte sie. Eine Übernahmegarantie hat sie indes nicht. Ihre Chancen auf dem spanischen Arbeitsmarkt dürften nach der Ausbildung bei Bosch aber wesentlich größer sein.

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