Abschied von Penny und den Nerds (von links): Melissa Rauch (Bernadette), Simon Helberg (Howard), Johnny Galecki (Leonard), Kaley Cuoco (Penny), Jim Parsons (Sheldon), Mayim Bialik (Amy) und Kunal Nayyar (Raj) Foto: Pro 7/Michael Yarish

Achtung, Spoiler! Die Nerdkomödie „The Big Bang Theory“ ist am Montag zu Ende gegangen. Wir verraten, wie uns das Finale gefallen hat.

Stuttgart - Schluss mit den Besuchen im Comic-Shop, mit den Ausflügen ins Weltall, mit Superhelden-Kostümpartys, mit „Star Wars“-Anspielungen, mit „Fun With Flags“, mit Molekülmodellbau-Abenteuern und unbeholfenen Heiratsanträgen. Am 25. November hat Pro 7 das Finale der Nerd-Sitcom „The Big Bang Theory“ als Doppelfolge ausgestrahlt. Wenn Sie die beiden letzten Episoden der Erfolgskomödie noch nicht gesehen haben, lesen Sie lieber nicht weiter, denn wir verraten hier, wie es ausgeht.

Das Serienfinale beginnt damit, dass Sheldon und Amy tatsächlich einen Anruf aus Schweden bekommen und ihnen mitgeteilt wird, dass sie für die Entdeckung der Super-Asymmetrie den Physik-Nobelpreis gewonnen haben, Sheldon versteckt sich vor den Reportern, Amy bekommt ein Makeover spendiert, die Reise nach Stockholm wird wie erwartet zur Farce, Penny rennt ständig aufs Klo, Amy nutzt ihre Nobelpreisrede, um Mädchen Mut zu machen, sich als Naturwissenschaftlerinnen zu engagieren, und Sheldon wächst über sich selbst hinaus, schafft es sogar fast, einen mit seinem Schlussworten zu Tränen zu rühren. „Auf meine Art liebe ich euch alle!“

Nur Raj muss bis zuletzt auf ein Happy End hoffen

Nach zwölf Jahren gibt es also für all die knuddeligen Nerds aus „The Big Bang Theorey“ ein Happy End: Amy und Sheldon gewinnen den Nobelpreis, Bernadette und Howard sind in der Rolle als fürsorgliche Eltern entzückend putzig – und Penny und Leonard erwarten ein Kind. Doch die größte Sensation ist natürlich die, dass am Ende sogar der Aufzug in dem Haus, in dem Penny, Leonard und Sheldon zwölf Jahre gelebt haben, repariert wird. Bloß Raj scheint leer auszugehen – bis er am Ende im Flugzeug nach Stockholm auf Sarah Michelle Gellar trifft – besser bekannt als Buffy, die Vampirjägerin.

„The Big Bang Theory“ geht nicht wirklich mit einem großen Knall zu Ende. Allerdings sind Sitcom-Finale eine äußerst heikle Angelegenheit. Nicht immer gelingt das Schlussmachen so gut wie in „Friends“. Das Ende von „How I Met Your Mother“ zum Beispiel war so verpfuscht, das es einem im Nachhinein die ganze Serie vermieste. Die Serie von Chuck Lorre und Bill Prady dagegen, deren erste Episode am 24. September 2007 ausgestrahlt worden war, schlägt sich in den letzten beiden Folgen einigermaßen wacker, bringt einige Handlungsstränge zu Ende, lädt die Gags sentimental auf. Dass die Serie jetzt nach zwölf Staffeln zu Ende gegangen ist, lässt sich trotzdem verschmerzen. Denn der Charme der Späße von Sheldon, Leonard und Co. verlor in den letzten Jahren doch zunehmend an Reiz, nachdem sämtliche Paarungen und sämtliche Nerd-Routinen ausprobiert worden waren und viele Gags sich nur noch wie Wiederholungen anfühlten.

Was aber bleibt, ist, dass „The Big Bang Theory“ den Streber zum Popstar des 21. Jahrhunderts gemacht hat. Als Lehrer Jungs einst weismachen wollten, dass es cooler ist, sich für Mathe, Physik und Informatik zu interessieren, als nur Mädchen und Fußball im Kopf zu haben, klang das wie ein blöder Witz. Wie recht sie damals damit hatten, zeigt sich im Aufstieg von Schlaumeiern wie Bill Gates, Mark Zuckerberg und Sheldon Cooper. Der Microsoft-Gründer, der Facebook-Erfinder und der Star der TV-Sitcom „The Big Bang Theory“ haben gemeinsam, dass man sie früher abfällig als ­ langweilige Computerfreaks bezeichnet hätte. Heute nennt man sie Geeks oder Nerds. Und obwohl diese Ausdrücke eigentlich genau das Gleiche meinen, gelten diese nicht mehr als Beschimpfung, sondern als Ehrentitel.

Stan Lee, Leonard Nimoy und Stephen Hawking als Gäste

Am eindrücklichsten führt das die Serie „The Big Bang Theory“ vor, die Pro 7 zur besten Sendezeit immer wieder Traumquoten und einen Marktanteil von über 20 Prozent beschert hat. In anderen Serien holt man sich Brad Pitt, Bruce Willis oder Salma Hayek als Gaststars. Der erste Superstar, den sich diese Sitcom leistete, war dagegen ein gewisser George Fitzgerald Smoot III. Der US-amerikanische Astrophysiker erhielt 2006 den Physiknobelpreis für seine Forschungen zu der Theorie, wonach das Weltall durch einen Urknall (englisch: Big Bang) entstanden ist.

Die Stars dieser Komödienserie liefen nicht Gefahr, mit den üblichen TV-Schönlingen verwechselt zu werden. Die Helden der Serie waren die Physiker Dr. Dr. Sheldon Cooper (Jim Parsons) und Dr. Leonard Hofstadter (Johnny Galecki) zwei Supernerds, die ihre Freizeit am liebsten damit verbringen, mit anderen Nerds auf Klingonisch Boggle zu spielen oder Comicläden nach Erstausgaben von „Spider-Man“ oder „Grüne Laterne“ zu durchwühlen, darüber zu streiten, ob Superman physikalisch betrachtet fliegt oder springt, über String-Theorie, Quantenmechanik und jede Menge anderen Schlaubergerquatsch zu fachsimpeln. Und dann gab es natürlich noch Penny (Kaley Cuoco), die in der Wohnung nebenan einzog und die eigentlich genau die Sorte Mädchen darstellte, die mit so uncoolen Genies wie Leonard und Sheldon nichts zu tun haben will. Doch das Unglaubliche passierte. Beim Aufeinanderprallen freundeten sich Penny und die Nerds an.

Wie in „The Big Bang Theory“ sind in „Stranger Things“ die Nerds die Stars

Die zwölf Staffeln von „The Big Bang Theory“ arbeiteten sich nicht nur an den genreüblichen amourösen Verwicklungen ab und erzählten vom verspäteten Erwachsenwerden ihrer Hauptdarsteller. Die Sitcom dokumentierte nebenbei auch denkwürdige Auftritte von drei inzwischen verstorbenen Superstars der Nerds: des Comicautors Stan Lee, des „Raumschiff Enterprise“-Veteranen Leonard Nimoy und des Astrophysikers Stephen Hawking – nicht unbedingt die Sorte Stars, bei der man mit fantastischen Einschaltquoten gerechnet hätte. Aber nicht nur Nerds amüsierten sich prächtig über Sheldon und Co. – vielleicht auch deshalb, weil das Publikum es inzwischen satt hat, immer die gleichen smarten, coolen und toughen Mannsbilder vorgeführt zu bekommen.

Selbst in den Actionspektakeln Hollywoods, in denen sich Machos früher nach Herzenslust und konkurrenzlos austoben durften, sind diese nun von Arbeitslosigkeit bedroht. Der Star in den „Trans­formers“-Spektakeln ist ebenso Nerd wie die Helden in der Comicverfilmung „Spider-Man“ oder der Serie „Stranger Things“. Die Zurschaustellung von Männlichkeitsritualen der Actionhelden der alten Schule ist nicht erst seit Metoo nicht mehr gefragt. Die Nerds haben die Macht übernommen.

Schon in den 1980ern probten Nerds im Kino den Aufstand

Tatsächlich gab es aber schon in den 1980ern einen ersten Aufstand der Streber. Damals zettelten in der Filmkomödie „Die Rache der Eierköpfe“ (englisch: ­„Revenge of the Nerds“) ein paar Informatikstudenten eine Revolte gegen die Initiationsriten der Footballspieler am College an. Doch erst im 21. Jahrhundert ist diese tatsächlich geglückt. Vor ein paar Jahren hat der Stuttgarter Panini-Verlag eine Zeitschrift auf den Markt gebracht, die sich selbstbewusst „Geek!“ nennt. Und für die Rolle des Dr. Dr. Sheldon Cooper in „The Big Bang Theory“ hat Jim Parsons bereits vier Emmys und einen Golden Globe gewonnen – und setzte sich unter anderem gegen so coole Typen wie Alec Baldwin, Matt LeBlanc und Don Cheadle durch.

Und Sheldon Cooper bleibt uns ja auch nach dem Ende von „The Big Bang Theory“ erhalten. Für alle, die nicht genug von diesem Supernerd bekommen können, gibt es ja das Spin-off „Young Sheldon“, deren dritte Staffel bereits in den USA gestartet ist und die im kommenden Jahr mit einer vierten Staffel fortgesetzt werden soll.

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