Mit den Skiern auf Kriegsfuß: der Rockkabarettist Georg Ringsgwandl Foto: privat

Der Rockkabarettist Georg Ringsgwandl hat ein neu eingespieltes Lied veröffentlicht, mit dem er vor 30 Jahren schon einmal Wintersportler beglückte: „I wui net Skifahrn, aber i muaß“. Im Telefongespräch macht er den Fans seiner Musik Hoffnung auf völlig überraschendes Liedgut aus seiner Feder.

Stuttgart - Eigentlich leuchtet Georg Ringsgwandls Philosophie bezüglich des magischen Beziehungsdreiecks Mann-Frau-Sport total ein: „Ich steh an einer Schlang am Lift mit einem Paar aus Wuppertal, sie macht gern Sport, er schaut gern zua, Ergänzung ideal!“ Doch trotz dieser schönen Zeilen aus seinem nach drei Jahrzehnten wieder neu aufgenommenen Lied „I wui net Skifahrn, aber i muaß“ hat der Rockkabarettist zuweilen an Skiausflügen teilzunehmen. Im Interview erklärt er, was er so schlimm daran findet.

Herr Ringsgwandl, wo erreiche ich Sie gerade?

Unterwegs. Sie werden es nicht glauben, aber ich habe gerade den kurzen Versuch eines Skiausfluges mit meiner Frau überstanden. Sie hat ja mehrere Ärzte-Skimeisterschaften in verschiedenen Disziplinen gewonnen und ist bei unseren Skiausflügen immer weit vorne. Dann schaut sie ungeduldig, wo ich bleibe. Ich bin einfach nicht ausreichend.

Auch gleich zu Beginn Ihres Liedes „I wui net Skifahrn, aber i muaß“ legt die Freundin des beklagenswerten Typen Wert darauf, dass er Ski fährt. Aber er mag nicht. Warum kann er sich nicht durchsetzen?

Weil in einer Beziehung derjenige, der mehr Aktivität entwickelt, immer der Führende ist. Der andere versucht, dem gerecht zu werden. Und wenn jemand Initiative, Willen und Unternehmungslust hat, dann ist der andere immer in der Rechtfertigungspflicht, warum er nicht mitmacht. Der proaktive Teil ist immer der führende, und der andere kann schauen, dass er entweder hinterherkommt oder nach Entschuldigungen sucht, warum er nicht kann. Und selbst wenn er eine Entschuldigung findet, ist er der abgeschlagene Teil.

Das gilt sogar innerhalb einer Zeitungsredaktion.

Es ist ein universelles Problem!

Im weiteren Verlauf des Liedes ist davon die Rede, dass sich die Frau im Weigerungsfall nicht mit ihrem untrainierten Partner in der Öffentlichkeit sehen lassen möchte. Haben sich, seit Sie das Lied vor 30 Jahren zum ersten Mal aufgenommen hatten, die Vorbehalte der Frauen gegen schlappe Männerkörper verstärkt?

. . . die noch dazu nicht der Mode gemäß eingekleidetsind!

Genau! Hat sich die Situation also verschärft?

Über die jüngere Generation kann ich natürlich wenig sagen, weil ich nicht weiß, wie sich das Problem für einen 30-Jährigen darstellt. Aber die Damen meiner Generation sind über die Jahre nicht weniger strikt geworden. Sie haben klare Vorstellungen. Und ich bin ja schon froh, dass ich einer der Männer bin, die sich selbst einkleiden dürfen.

Ist der gestiegene Striktheitsgrad der Damen womöglich der Grund dafür, dass das Lied in der 2019er-Version viel mehr fetzt und weitaus härter daherkommt als vor drei Jahrzehnten?

Dieses arme kleine Lied ist durch diverse Musikstile geprügelt worden. Jetzt wurde es in Form einer Heavy-Metal-Nummer im Kreis herumgeführt, weil mein neues Programm und die ganze Platte „Andacht & Radau“ ein paar heftigere Elemente enthalten. Und außerdem: Sollte irgendjemand auf die verrückte Idee kommen, das Lied auf einer Skihütte zu spielen, dann mag das kleine Lied natürlich nicht zu dünn erscheinen neben dem anderen Dumpf-Bum-Bum.

Davon träumen Sie nachts?

Zugegeben, das wird nicht eintreten. Aber falls ein betrunkener DJ in Ischgl auf diese Idee kommen sollte, dann sollte das Lied wenigstens ein bisserl Bum-Bum machen dürfen!

Da Sie offenbar eine geheime Sehnsucht nach einem einträglichen Skihütten-Hit hegen, stellt sich natürlich die Frage: Ist eine derart begeisterte Hymne wie „Schifoan“ von Ihrem Kollegen Wolfgang Ambros in den nächsten Jahrzehnten auch von Ihnen zu erwarten?

Bis jetzt ist mir das nicht gelungen. Aber keine Ahnung, was in den nächsten Jahrzehnten noch passiert: Alte Leute neigen ja zum Teil zu bizarren Ausbrüchen, bei denen ihre Umgebung die Augen und die Ohren schließt. Ich hoffe, dass mir nichts zu Grausames passiert.

Was ist eigentlich so schlimm am Skifahren? Die Leute atmen frische Luft, sie sehen die Berge . . .

. . . An sich ist das Skifahren was Schönes: Weil ich kein besonders athletischer Skifahrer bin, fahre ich immer die glatt gebügelten Pisten. Wenn richtig Skizirkus ist, mit vielen, vielen Liften und Autobahn-mäßig glatt gebügelten Pisten, dann fahre ich gerne den Berg runter. Meine begrenzte Sportlichkeit reicht für Tourengehen und ähnliche wirklich schöne Dinge im Tiefschnee leider nicht aus. Diesbezüglich bin ich anatomisch ein Versager.

Ein weiterer positiver Aspekt des Skifahrens liegt doch darin, dass die Ureinwohner der Alpendörfer, die ohne die Ski-Urlauber längst Geisterdörfer wären, bei gesichertem Einkommen in ihrer Heimat bleiben dürfen.

Das sehe ich auch so. Wenn ich in den Ski-Urlaub in diese alpinen Gegenden aufbreche, dann weiß ich, dass ich dazu beitrage, dass ihre Bewohner im Winter keine Schuhsohlen aufessen müssen.

Im weiteren Verlauf Ihres Liedes „I wui net Skifahrn, aber i muaß“ verunglimpfen Sie die Ski-Nationalmannschaft als linkisch, dabbig, klapprig und lustlos. Wagen Sie es, das Lied trotzdem auf bayerischen oder österreichischen Bühnen zu singen?

Freilich. Ich muss ja. Denn selbst in Österreich gibt es ständig Grund zur Unzufriedenheit mit der Nationalmannschaft: Keine Mannschaft ist jemals gut genug.

In einem artverwandten Lied von Ihnen namens „Der Konsumverweigerer“ tun Sie kund, dass Sie außer Skifahren auch Golfen, die Wiesn und Fernsehen nicht leiden können. Mögen Sie überhaupt irgendwas?

Freilich. Ich schwächle zwar, was meine Fernsehfähigkeit betrifft, versuche jedoch ab und zu, meine Fernsehzeit zu dehnen. Aber dabei werde ich manchmal von meiner Frau behindert: Als ich zum Beispiel die ARD-Silvestergala g’schaut hab, bin ich von meiner Frau ständig drausgebracht worden. Ich habe gerade noch meine neue Ikone gesehen: Melissa Naschenweng aus Österreich. Der neue Hit dieser Wahnsinnsfrau heißt „I steh auf Bergbauernbuam“. Meine Frau wollte das nicht mit mir schauen! Meine Frau ist diesbezüglich von einer gewissen elitären, akademischen Arroganz, aber für mich war Melissas Auftritt eine Erleuchtung. Der absolute Traum wäre, wenn Sie mich mal zum Skifahrn mitnähm.

Infos zu Georg Ringsgwandl

Branchenwechsel Georg Ringsgwandl, 1948 in Bad Reichenhall als Sohn eines kriegsversehrten Postboten und einer Hausfrau geboren, wirkte bis 1993 als Oberarzt der Kardiologie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Den Bedenken seiner Frau, einer psychotherapeutisch tätigen Ärztin, zum Trotz machte er fortan hauptberuflich Rock und Kabarett. Neben Platten und Bühnenprogrammen wie „Gache Wurzn“, „Der schärfste Gang“ oder „Untersendling“ veröffentlichte er Bühnenstücke wie „Tankstelle der Verdammten“ sowie ein paar Bücher, darunter eine Weihnachtsgeschichte.

Platte & Bühne Georg Ringsgwandls neue CD „Andacht & Radau“ umfasst groovende Neueinspielungen von einem Dutzend seiner Lieder, darunter „I wui net Ski fahrn, aber i muaß“. Live mit Band auf der Bühne ist der beste promovierte Rockkabarettist des gesamten Berchtesgadener Landes unter anderem am 22. Februar in Karlsruhe und am 23. Februar in Mainz zu sehen. Im November gastiert er in Stuttgart (8.) und Mannheim (22.).

Allgemeine Infos http://ringsgwandl.com

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