Für die Vorstandsmitglieder Ottmar Fehn, Edeltraud Banzer, Mark und Hannelore Jäger (v.l.) kommt ein Winter ohne Skifahren nicht in Frage. Foto: Leonie Hemminger

Der Ski-Club Weilimdorf organisiert jeden Winter Tages- und Wochenausfahrten in die Berge. Doch einige Reiseunternehmen werben Vereinsmitglieder ab.

Weilimdorf - Während draußen die ersten Frühblüher ihre Köpfchen in die warme Frühlingssonne recken, hängen im Vereinsheim des Ski-Clubs Weil­imdorf (SCW) noch Schneeflocken aus Watte von der Decke herab. Zeit für einen Deko-Wechsel, räumt die zweite Hüttenwartin Edeltraud Banzer ein. „Wir freuen uns schließlich auch auf den Frühling“, sagt sie lachend. Doch auf Winter, Schnee und Kälte möchte im Ski-Club keiner verzichten. Bis in den Mai hinein finden Tages- oder Wochenausfahrten in die Berge statt. „So lange wie möglich“, lautet das Motto der Vereinsmitglieder. Erst, wenn der letzte Sessellift geschlossen hat, beginnt auch für die Skifreunde die warme Jahreszeit.

Was für den Vorstand den Reiz an dem Wintersport ausmacht? „Oben stehen, rundum blicken, die Ruhe genießen“, beschreibt Edeltraud Banzer ihre Motive. „Das Gefühl von Freiheit“, sagt der Ehrenvorsitzende Ottmar Fehn. „Das gemeinsame Erlebnis mit einer Gruppe von Freunden“, meint Pressewartin Hannelore Jäger, – „und der Einkehrschwung in die Hütte.“

Das Gründungsmitglied Ottmar Fehn kann auf 63 Winter zurückblicken, die er mit dem SCW verbracht hat. „Wir waren eine Gruppe junger Leute, die zusammen Skifahren wollten“, erinnert er sich an die Anfänge. In den ersten Jahren taten sich die Hobbysportler mit den Naturfreunden Weil­imdorf zusammen. Gemeinsam fuhren sie auf ihren Holzbrettern vom Schloss Solitude hinab, manchmal ging es auch zur Schwäbischen Alb. 1949 schließlich gründeten sie einen eigenen Verein, den Ski-Club Weil­imdorf. „Das war damals noch ungewöhnlich“, erinnert sich Fehn. Es habe zwar bereits einige Ski-Abteilungen gegeben, die an größere Vereine angegliedert waren; eigenständige Ski-Clubs seien aber noch eine Seltenheit gewesen.

Bindung auf Bezugsschein

Mit heutigen Ski-Urlauben sind die Ausflüge von damals kaum noch zu vergleichen. Mit Sonderzügen der Bundesbahn ging es im Gründungsjahr ins Allgäu. Dort angekommen, musste die Gruppe erst einmal vier Stunden bis zur Hütte marschieren – Skier, Verpflegung für die ganze Woche und selbst das Holz zum Heizen auf die Schultern gepackt. An die Ausrüstung zu kommen, war nicht leicht. Über das Mitglied Heinz Straub ist überliefert, dass er bei einem Botnanger Schuster Mehl gegen Skistiefel tauschte. Federzugbindungen gab es nur auf Bezugsscheine, deren Zuteilung durch den Landessportbund erfolgte.

Um sich auch im Sommer fit zu halten, spielten die Vereinsmitglieder über viele Jahre hinweg Faustball. „Da waren wir sehr erfolgreich“, sagt Fehn. Heute treffen sich die Mitglieder zur Skigymnastik, zum Nordic Walking oder zum Volleyballspielen. Im Sommer finden Ausflüge in die Berge zum Wandern statt. Freitags werden traditionell die Vereinsabende in gemütlicher Almhüttenatmosphäre gefeiert.

Freitags ist Vereinsabend

Das rustikale Vereinsheim im Lindental gibt es seit 1970. Beim Bauen legten die Mitglieder selbst Hand an. „Das hat uns unheimlich Auftrieb gegeben“, sagt Hannelore Jäger. Die 70er und 80er Jahre seien die Hochzeit des Vereins gewesen. „Damals sind wir mit 200 Leuten in zwei Bussen nach Großarl in Österreich gefahren und haben dort quasi das ganze Dorf angemietet.“ Im ganzen Ort seien sie nur als „die Weilimdorfer“ bekannt gewesen. „Davon können wir heute nur noch träumen“, sagt sie wehmütig. Heutzutage fehle es an Nachwuchs. Denn von den Kindern der älteren Generation seien viele weggezogen oder wollten sich nicht mehr in einem Verein binden. Zudem sorgen die extrem günstigen Angebote von Reiseunternehmen für starke Konkurrenz, so der Vorsitzende Mark Jäger. „Das ist ein knallhartes Geschäft geworden.“ Der Anreiz eines Vereins, umsonst Skiunterricht anzubieten, könne kaum noch jemanden locken.

Ein weiteres Problem, das dem Verein zu schaffen macht, sind laut Vorstand die schneearmen Winter. „Wir Skifahrer merken den Klimawandel sehr deutlich“, sagt Hannelore Jäger. Früher sei das Allgäu absolut schneesicher gewesen, und zwar bereits von Anfang Dezember an. „Heute muss man weiter weg in größere und damit teurere Gebiete fahren. Das schreckt viele ab“, sagt Edeltraud Banzer.

Zahlen und Fakten

Anschrift: Schützenhausweg 35 Telefon: 88 19 30 Mail: info@sc-weilimdorf.de Homepage: www.sc-weilimdorf.de Vorsitzender: Mark Jäger Gründungsjahr: 1949 Mitgliederzahl: 180

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