Diese jungen Leute wünschen sich bessere Öffnungszeiten und fordern eine Lärmschutzwand. Dafür haben sie demonstriert. Foto: Malte Klein

Am Wochenende haben sich etwa 150 Skateboarder gegen die verkürzten Öffnungszeiten ausgesprochen. Die Anlage ist montags bis samstags nur noch von 15 bis 19 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen ist sie ganz geschlossen.

S-Nord - Auf der Skateranlage an der Friedhofstraße drehen viele junge Menschen ihre Runden. Sie lassen ihre Bretter über den Betonboden rollen, springen auf eine Erhöhung, lassen ihre Bretter darüber gleiten und springen wieder herunter. An diesem Samstagnachmittag sind mehr Skateboard-Fahrer auf die Anlage gekommen als sonst. Denn sie demonstrieren gegen die von der Stadt Stuttgart verkürzten Öffnungszeiten und möchten, dass die früheren wieder gelten. Zuvor hatte die Anlage von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Nachdem es Anwohnerproteste wegen Lärms gegeben hatte, ist die Anlage montags bis samstags nur noch von 15 bis 19 Uhr geöffnet. An Sonn- und Feiertagen ist sie geschlossen.

Anwohner beschweren sich über Lärm

Von Transparenten ist an diesem Samstag auf der Anlage nichts zu sehen und es verschafft sich auch niemand der etwa 150 Skater mit einer Trillerpfeife Gehör. Sie fahren nur Skateboard. „Wir machen hier das, was wir gerne machen, nämlich draußen sein und Sport treiben“, sagt Thomas Kienle. Ihm gehört gegenüber der Anlage der Skate-Shop Kiste und er stört sich an den verkürzten Öffnungszeiten. Ursprünglich wollten die Skater Mitte September demonstrieren, hatten den Termin aber wegen schlechten Wetters abgesagt.

Kienle hat junge Skater im Grundschulalter gesehen, die mittags vor verschlossener Tür standen. „Sie kommen aus der Schule und haben lange gesessen. Danach wollen sie sich austoben“, sagt Kienle. Doch damit müssen die Jungen nun bis 15 Uhr warten. Die Anlage am Pragfriedhof in Stuttgart-Nord besteht seit 2009 und wird gut angenommen. Aus Sicht einiger Anwohner zu gut. Denn sie hatten sich, bevor die Stadt die Öffnungszeiten eingeschränkt hat, über Lärm beschwert, der beispielsweise entstehe, wenn Skateboarder nach einem Sprung wieder mit den Rollen auf dem Betonboden aufsetzen.

Öffnungszeiten werden zum Problem für Berufstätige

Kienle sagt, dass sich die meisten der Skateboardfahrer an die neuen Öffnungszeiten halten. „Manche liefern sich allerdings ein Katz- und Maus-Spiel mit den Polizisten“, sagt Kienle. Es nutzen aber auch Berufstätige die Anlage, die nun kaum noch die Möglichkeit dazu haben. Einer davon ist der 50-jährige Australier Chris Robinson, der seit einigen Jahren in Stuttgart lebt. „Ich komme hierher, um meine Freunde zu treffen und mit ihnen eine gute Zeit zu verbringen“, sagt er. „Am Sonntag darf ich hier nicht mehr skaten. Samstag sind alle so beschäftigt damit, die Zeit hier auszunutzen“, sagt Robinson. So könnten sie sich nicht mehr so viel unterhalten wie gewohnt. Robinson kritisiert, dass niemand von der Stadt die Skater über die neuen Öffnungszeiten informiert habe. „Dabei zahlen ich und auch andere erwachsene Skater hier unsere Steuern.“ Die Anlage selbst findet er super und das liege vor allem an der Bowl, einem Betonbecken mit schrägen Wänden.

Für Florian Schupp war die Bowl der Grund, warum er wieder mit dem Skateboardfahren begonnen hat. Der 42-Jährige kann verstehen, dass sich Anwohner über den Lärm beschweren. „Wir brauchen hier eine Lärmschutzwand“, sagt er und nennt damit eine zweite Forderung der Skater. Dass die nicht gebaut worden ist, kann er nicht verstehen. Kienle stimmt zu und sagt: „Das ist so, als würde man einen Fußballplatz bauen und auf die Tore verzichten.“

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