Rapper Kollegah (links) bei der Ladeneröffnng in Stuttgart unweit des Österreichischen Platzes. Foto: ubo

Überraschend ist der Skandal-Rapper Kollegah am Samstag bei der Ladeneröffnung zweier Freunde von ihm in Stuttgart aufgetaucht. Auf die Frage eines Fotografes, ob der Eklat bei der Echo-Verleihung ein „Werbeding“ gewesen sei, sagte der 34-Jährige: „Ja, das war kalkuliert.“

Stuttgart - Die etwa 500 jungen Männer, die in der Schlange vor dem neuen Laden der Social-Media-Stars und Fitness-Idole Tim Gabel und Nico Lazaridis alias Inscope21 an der Hauptstätter Straße unweit des Österreichischen Platzes standen, ahnten nichts davon. Sie wollten die Ersten sein, um kostenlos ein T-Shirt ihrer Idole zu ergattern. Dann fuhr plötzlich eine Limousine der S-Klasse in der AMG-Version vor. Herren mit breiten Schultern öffneten die hintere Autotür – und ein ebenfalls breitschultriger Mann stieg aus. Es war Kollegah, der in der Gangsta-Rap-Szene „Boss“ genannt wird. Ein Johlen und Pfeifen setzte ein. Unzählige Smartphones wurden gezückt.

„Wir mussten den Besuch von Kollegah streng geheimhalten“, sagte Philipp Deutsch, Teilhaber des neuen Geschäfts, „sonst wären so viele Leute gekommen wie zum Sommerfest.“ Sicherheitskräfte hielten die etwa 500 Fans – so gut wie keine Mädchen waren darunter – zurück. Alle blieben friedlich hinter der Absperrung, sodass der Überraschungsgast mit seinen Kumpels Tim Gabel und Inscope21 in den Laden gehen konnte. Im Inneren wurde Kollegah von dem Fotografen Andreas Engelhard gefragt, ob der Eklat bei der Echo-Preis-Verleihung nicht ein „Werbeding“ gewesen sei. Der Rapper nickte und sagte: „Ja, das war kalkuliert.“

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Mit der Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ sowie weitere Songtexte aus dem Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ hatten Kollegah und Farid Bang im April 2018 bei der Verleihung des Musikpreises Echo einen Skandal ausgelöst. Nachdem 53 Einzelpersonen Strafanzeige gegen die Rapper erstattet hatten, setzte international eine hitzige Debatte über die Grenzen der Kunstfreiheit im Musikgenre „Gangsta-Rap“ ein. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf teilte vor kurzem mit, man werde nicht weiter ermitteln. Die beanstandeten Liedtexte seien eine „überwiegend zusammenhanglose Aneinanderreihung vulgärer, menschen- und frauenverachtender Gewalt- und Sexphantasien in Reimform, die ersichtlich geleitet von dem Bestreben sind, die typischen Merkmale der Musikrichtung des ,Gangsta-Rap’ bestmöglich zu erfüllen“, so die Ermittlungsbehörde. Strafrechtlich relevant seien die Inhalte nicht.

In der Fitness-Szene ist Alkohol absoult tabu

Fans in Stuttgart verteidigten Kollegah. „Er ist kein Rassist und nicht schwulenfeindlich“, meint einer der Besucher, „er ist nur ein guter Geschäftsmann.“ Die beiden Stuttgarter Kumpels des Rappers, selbst Stars bei Instagram und Co., freuten sich über seinen Besuch. In fünf Jahren intensiven Krafttrainings hat Fitness-Idol Tim Gabel ordentlich zugelegt. Mit 18 Jahren wog er – bei einer Größe von 1,70 Metern – 60 Kilo. Heute mit 23 Jahren sind es etwa 80 Kilo. Wäre der extreme Muskelaufbau allein mit Gewichtestemmen möglich gewesen? Unter Sportlern ist es ein offenes Geheimnis: Zum Fitnessprogramm gehört nicht nur hartes Schinden, sondern ebenso die richtige Ernährung. Nahrungsergänzungsstoffe, meist als Eiweißpulver, sind zu einem Geschäftszweig geworden, der Millionenumsätze verspricht. Gabel und Inscope 21 vertrauen wohl nicht nur dem Netz und den Verkäufen per Online-Bestellung. In ihrer Heimatstadt haben sie an der Hauptstätter Straße 68 nun ihren Fitness-Laden völlig offline aufgemacht. Sekt gab es nicht zum Anstoßen bei der Eröffnungsfeier. Die Fitness-Freunde trinken überhaupt keinen Alkohol. Man stieß mit Eiweißshakes an.

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