Trainer Tim Walter (re.) freut sich mit Stürmer Silas Wamangituka über den Sieg des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Nürnberg. Foto: Baumann

Wieder zurückgelegen, wieder Tore aberkannt bekommen – doch gegen den 1. FC Nürnberg hat der VfB Stuttgart endlich mal wieder den Widrigkeiten getrotzt. Was alle Verantwortlichen freut.

Stuttgart - Als die Entscheidung so gut wie gefallen war, zeigte Tim Walter sein breitestes Grinsen. Die Mundwinkel gingen nach oben, freudig erregt klatschte der Trainer des VfB Stuttgart mit seinen Kollegen auf der Stuttgarter Bank ab – und während die Fans der Weiß-Roten das 3:1 von Philipp Förster gegen den 1. FC Nürnberg frenetisch bejubelten, war dort unten am Spielfeldrand auch eines zu beobachten: Erleichterung.

Kein Wunder: In den vergangenen sieben Zweitligaspielen hatte es fünf Niederlagen gesetzt, das Ziel Aufstieg geriet schon ein wenig in Gefahr – und die kritischen Fragen an den selbstbewussten Coach mit der ungewöhnlichen Spielidee wurden häufiger und schärfer. Bei einer weiteren Pleite gegen den Club wäre es wohl eng geworden für Tim Walter. So aber stand am Ende ein eher erarbeiteter denn erspielter Sieg des VfB. Der auch dem Coach wieder Luft verschafft.

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„So, wie wir heute zurückgekommen sind, da bin ich zufrieden und stolz“, sagte Tim Walter und betonte: „Ich hatte heute nie Zweifel.“ Sven Mislintat, der Sportdirektor des VfB, ergänzte: „Es ist top, wie wir zurückgekommen sind. Heute haben wir die Chance nach der Hamburger Niederlage genutzt.“

Comeback von Daniel Didavi

Tim Walter hatte wie erwartet Daniel Didavi zum Startelf-Comeback verholfen. Nicht ohne Grund. Bis zum achten Spieltag war der VfB in dieser Saison ungeschlagen geblieben – mit Didavi. Dann verletzte sich der 29-Jährige beim Duell mit dem SV Wehen Wiesbaden, und die Stuttgarter verloren nicht nur diese Partie, sondern auch vier weitere. Für Didavi musste Nicolas Gonzalez weichen, zudem stand Borna Sosa in der Startformation. Frischer Wind also für den zuletzt strauchelnden Aufstiegsfavoriten?

Zunächst nicht. Der VfB tat sich schwer, Schwung aufzunehmen – und noch schwerer damit, den Wunsch des Trainers nach einer frühen Führung umzusetzen. Denn die erzielte erneut der Gegner.

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Neun Minuten lang hatte der Club wenig Anstalten gemacht, das VfB-Tor ins Visier zu nehmen – profitierte dann aber von der Unentschlossenheit der Stuttgarter. Pascal Stenzel ließ hinten rechts die Flanke zu, Holger Badstuber klärte den Ball nicht weit genug, dann war Gonzalo Castro zu zögerlich. Die Folge: Johannes Geis bediente Club-Stürmer Michael Frey, der den Ball ins VfB-Tor hämmerte.

Zwei Treffer werden aberkannt

Zum wiederholten Male lag der VfB zurück, die Nürnberger konzentrierten sich fortan noch mehr darauf, das eigene Tor zu verteidigen. Was zunächst deshalb gut klappte, weil die VfB-Profis viel zu uninspiriert agierten. Lange Bälle, wenig Tempo, kein funktionierendes Flügelspiel – und ein Regisseur, der sich nach der Verletzungspause sichtlich schwertat, Rhythmus aufzunehmen (zur Pause wurde Daniel Didavi ausgewechselt). Und doch war der VfB der Wende noch vor dem Seitenwechsel ganz nah.

Nach einer Ecke von Didavi und einem Kopfball von Nathaniel Phillips gab Wataru Endo dem Ball die entscheidende Richtungsänderung. Der Japaner erzielte sein erstes Tor – doch dann ereilte den VfB wie schon dreimal in Sandhausen der Videobeweis. Mario Gomez hatte vor Phillips’ Kopfball den Nürnberger Hanno Behrens mit vehementem Körpereinsatz abgeräumt. Muss man nicht pfeifen, kann man aber – Schiedsrichter Robert Schröder korrigierte sich, der Treffer in der 28. Minute zählte nicht. Ebenso wenig wie das Gomez-Tor wenig später wegen einer Abseitsstellung der Stürmers. Der VfB also wieder ein Opfer der Überprüfung in Köln? Von wegen.

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Nach der Pause nämlich wendete sich das Blatt. Der VfB wirkte energischer, zwingender, fast ein bisschen wütend – und profitierte dann seinerseits vom Videobeweis. Schröder entschied nachträglich auf Handspiel, der eingewechselte Silas Wamangituka verwandelte den Elfmeter in der 58. Minute – und nur 74 Sekunden später kam es noch besser für den VfB: Gomez traf nach Vorarbeit von Castro, der Treffer zählte, und die Stuttgarter hatten tatsächlich ein Spiel gedreht. Zum ersten Mal seit dem dritten Spieltag beim 2:1 gegen den FC St. Pauli. „Ich denke, man hat heute gesehen, dass wir das Spiel unbedingt drehen und was an unserer Situation verändern wollten“, sagte Mario Gomez.

Nächste Aufgabe bei Darmstadt 98

Die Nürnberger hatten danach noch eine große Möglichkeit, Philipp Förster machte nach Vorlage von Gomez in der 72. Minute dann aber den Deckel auf den insgesamt verdienten Heimerfolg – weshalb sich der VfB bis zur Winterpause noch zurückarbeiten kann in eine richtig gute Ausgangsposition im Aufstiegsrennen. Punktgleich mit dem Hamburger SV stehen die Stuttgarter nun auf Rang drei.

Am kommenden Montag (20.30 Uhr) können sie in Darmstadt nachlegen.

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