Shitstorm für Media Markt Altherrenwitze beim Elektronik-Riesen sorgen für Empörung

Von Simone Höhn 

Hat mit ihren feministischen Absichten bisher hinterm Berg gehalten: Sophia Thomalla. Foto: dpa-Zentralbild
Hat mit ihren feministischen Absichten bisher hinterm Berg gehalten: Sophia Thomalla. Foto: dpa-Zentralbild

Ein bekannter Slogan der großen Elektronikmarkt-Kette heißt „Ich bin doch nicht blöd!“. Die User im Netz haben da ihre Zweifel nachdem Media Markt aus Anlass des Weltmännertages eine ziemlich einfältige, teilweise sexistische Werbekampagne gestartet hat.

Stuttgart - Die Aufmerksamkeit ist dem Elektronikmarkt mit den roten Buchstaben gewiss. Mit der Herbstkampagne #Männertage hat die zustände Werbeagentur „Zum Roten Hirschen“ aus werbestrategischer Sicht alles richtig gemacht. Alle reden drüber. Und viele nichts Gutes. In die Kritik geriet die Kampagne wegen eines Plakatmotivs mit der Schauspielerin Sophia Thomalla. Inzwischen liegen wegen des Motivs mehrere Beschwerden beim Deutschen Werberat vor. Auf dem kritisierten Motiv ist Thomalla mit aufreizendem Dekolleté abgebildet, darunter steht der Satz: „An diesen Tagen streichelt er einfach alles, was Knöpfe hat“.

Blöder geht es kaum

Die Idee dahinter: Nicht nur Frauen haben ihre Tage, sondern Männer auch. Für die Kampagne hat Media Markt sogar eine Emnid-Studie in Auftrag gegeben: 64 Prozent aller befragten Männer gaben demnach an, gelegentlich oder regelmäßige Stimmungsschwankungen zu haben. Und 50 Prozent der Frauen sagten, ihre Männer hätten mindestens einmal im Monat Stimmungsschwankungen. Sapperlot!

Blöder geht es eigentlich kaum. Beim „Roten Hirschen“ und in den Chefetagen bei Media Markt goutiert man wohl den gepflegten Altherrenwitz. Und Sophia Thomalla, nun ja, sie hat sich bisher nicht gerade durch feministische Verdienste ins Gespräch gebracht.

Empörte Reaktionen in den Sozialen Medien

Entsprechend fallen die Reaktionen in den sozialen Medien aus:

Eine Userin bei Twitter schreibt, dass sie über die Kampagne gar nicht so viel den Kopf schütteln kann, wie es notwendig wäre:

Auch bei Instagram zeigt sich eine Userin nahezu angeekelt: „Die neue Werbekampagne von Media Markt ist auf so vielen Ebenen dumm und widerwärtig, dass man doch einfach nur noch brechen will“, schreibt sie.

Sophia Thomalla findet die Kampagne logischerweise gelungen. „Nicht nur wir Frauen gehen den Männern immer gehörig auf den Sack, wenn wir unsere Phasen haben. Männer können genauso launisch, bockig und gereizt sein. Und zwar so sehr, dass sie jetzt eine eigene Kampagne bekommen. Und ich darf Teil davon sein“, schreibt sie bei Twitter. Heißa, was für ein Glückskind!

Bei der Organisation Pinkstinks, die auf sexistische Werbung und Produkte aufmerksam macht und gegen sie vorgeht, ist man entsprechend empört. „Mit dieser Kampagne wurde mal wieder gezeigt, wie man mit sehr viel Geld und Marktmacht eine Kampagne kreiert, die sich aller aktuellen Strategien und Mechanismen bedient: Influencer, Shitstorms, Meinungsumfrage, Gendermarketing, ‚humorige’ Klischees und vieles mehr – das ganze Programm eben. Mit Inhalten wie Männer, die als Gefühl nur Konsum kennen, Lächerlichmachung der Periode und Verharmlosung von PMS“, schreibt der Chefredakteur Nils Pickert.

Bei Media Markt sieht man den Shitstorm gelassen

Bei Mediamarkt weiß man offenbar, dass die Kampagne durchaus polarisiert – darauf dürfte man womöglich auch abgezielt haben. „Uns ist bekannt, dass die Kampagne #Männertage aktuell auf Twitter zum Teil auch kritisch diskutiert wird“, wird eine Unternehmenssprecherin in den Medien zitiert. Die Kampagne solle ganz im Sinne des Mottos „Hauptsache Ihr habt Spaß“ vor allem Unterhaltung bereiten. „So stellen wir durchaus fest, dass die Kampagne im Netz überwiegend positiv aufgefasst und der Humor so verstanden wird, wie er gemeint ist: leicht provozierend, aber immer mit einem Augenzwinkern.“

Media Markt ist nicht zum ersten Mal im Visier des Werberates: Im Jahr 2001 war der Elektronikriese gerügt worden, weil das Unternehmen auf Plakaten mit einer dreibrüstigen Frau geworben hatte. Der Werberat hatte das als frauendiskriminierend aufgefasst.

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