Wenige Tage nach dem rassistischen Anschlag auf Shisha-Bars in Hanau rauchen Besucher im „Nice-Club“ an der Theodor-Heuss-Straße die Wasserpfeife. Foto: Lg/Rettig

Der Anschlag auf Shisha-Bars in Hanau und die Schüsse auf eine Lounge in Hedelfingen verunsichern Betreiber und Besucher. Doch den Genuss der Wasserpfeife wollen sich viele nicht verderben lassen.

Stuttgart - Haris Papadopoulos ist fassungslos. Der Event-Leiter der Shisha-Bar Nice-Clubs in der Stuttgarter Innenstadt hat Apfeltee servieren lassen. Er schmeckt so fruchtig wie der Rauch der Shishas riecht. Viele Gäste in der Lounge blasen ihn entspannt in die Luft.

„In Stuttgart ist ein Verbrechen wie in Hanau nicht vorstellbar“, meint der 34-jährige Papadopoulos, der griechische Wurzeln hat. Er schüttelt den Kopf. „In Griechenland gibt es auch viele Rechte. Aber das hat mit der Arbeitslosigkeit zu tun“, meint er.

Der Betreiber ist fassungslos

Der Shisha-Caterer Sam Kaasovski hat Wurzeln im Kosovo. Dass eine Shisha-Bar Ziel eines rechtsextremen Anschlags wurde, erstaunt ihn nicht. Es kursierten viele falsche Bilder in der Gesellschaft von Shisha-Bars, meint der 32-Jährige. Er gibt den Medien eine Mitschuld für die aus seiner Sicht „schiefe Perspektive“. Während die Lounges oft im Zusammenhang mit Verbrechen genannt würden, werde vergessen, dass Shisha-Bars auch ein wichtiger Teil einer Jugendkultur seien. Nicht nur Jugendliche mit Migrationshintergrund fühlten sich von den Bars angezogen, erklärt Kaasovski. Papadopoulos nickt und zählt auf, was für ihn zu diesem Trend gehört: „Fitnesscenter, Deutsch-Rap, Shisha-Bar und Barber-Shops.“

Das Publikum ist gemischt

Der Augenschein im Nice-Club bestätigt den Eindruck des Event-Leiters und des Shisha-Caterers. Das Publikum ist jung und gemischt. An einem Nachbartisch sitzen Frank Fischer und Philipp Mayer. Die beiden 23-Jährigen sind in ein Gespräch vertieft, das sich um die Ereignisse von Hanau gedreht hat. Für beide sei es keine Alternative gewesen, aus Angst vor dem Terror zu Hause zu bleiben. Besser sei es, Normalität zu leben, meinen sie. „Ich lasse mich von niemanden davon abhalten, mich mit meinen türkischen Freunden zu treffen“, sagt Fischer.

Die Freunde Ozan Sariyildiz (23), Gebre Yohannes Filiimon (21) und Taylan Topuzelli (22) teilen nicht nur eine Shisha, sondern auch Gefühle zwischen Trotz und Sorge. Die drei jungen Männer sind sich uneinig, wie rassistisch die Gesellschaft ist. Topuzelli glaubt nicht daran, dass er schlechtere Karten bei der Wohnungs- und Jobsuche habe als andere. Seine Freunde widersprechen. Einig sind sie sich, dass sie sich als Deutsche fühlen. Auch das ist eine Botschaft nach dem Verbrechen von Hanau.

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