Der gebürtige Stuttgarter Julian Leist: Dirigent und Abwehrchef bei Drittligist SG Sonnenhof Großaspach. Foto: Baumann

Der Trainer bezeichnet ihn als einen seiner „Gladiatoren“. Kapitän Julian Leist geht beim Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach in seine sechste Saison. Der Musterprofi meistert den Spagat zwischen Profisport und Ausbildung.

Grossaspach - Wann es am besten passt für ein Telefonat? „In der Mittagspause“, teilt Julian Leist umgehend mit. Sein Zeitplan ist eng getaktet. Der Kapitän der SG Sonnenhof Großaspach meistert als einer der wenigen Fußball-Drittligaspieler den Spagat zwischen beruflicher Ausbildung und Profifußball. Der 31-Jährige steckt mitten in der Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei der Garmo AG in Stuttgart. Zwölf bis 15 Stunden arbeitet er pro Woche bei dem Stuttgarter Molkerei-Unternehmen mit der bekanntesten Marke Gazi. Hinzu kommt ein Schultag pro Woche, der sich von 8 bis 16 Uhr hinzieht.

Start am Samstag in Duisburg

„Ich krieg das alles ganz gut hin“, sagt der Innenverteidiger. Er ist ein bescheidener Typ. Denn völlig klar ist: Ohne eiserne Disziplin lässt sich dieses Pensum nicht abspulen. Für die besonders arbeitsintensive Vorbereitung auf die an diesem Samstag (14 Uhr) mit dem Spiel beim MSV Duisburg beginnende Saison musste er zwischen 15 und 20 Tage seines Jahresurlaubs opfern. „Ich war lange genug selbst mittags in den Cafés unterwegs. Ich verzichte jetzt lieber ein bisschen auf das schöne Leben, das kommt mir dann später hoffentlich zugute“, sagt der gebürtige Stuttgarter. Viele andere Spieler folgen diesem Beispiel nicht. Nicht einmal mehr bei der SG Sonnenhof Großaspach, wo früher mehr Spieler parallel einer Ausbildung oder einem Studium nachgingen. Wobei Leist sogar Verständnis dafür aufbringt: „Die jungen Spieler sehen die dritte Liga als Sprungbrett. Sie wollen angreifen und setzen voll auf die Karte Fußball.“

In München bei 1860 und Bayern

Leist tat dies lange Zeit auch. Nach seiner Jugendzeit bei den Stuttgarter Kickers versuchte er in München beim TSV 1860 (2008 bis 2010) und beim FC Bayern (2010/11) den Durchbruch ganz nach oben zu schaffen. Es klappte nicht. Der 1,92-m-Mann kehrte zu den Blauen zurück. 2014 zog er zur SG Sonnenhof Großaspach weiter.

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Nun geht er beim selbst ernannten „Dorfklub“ in seine sechste Saison. Trainer Oliver Zapel bezeichnet ihn als einen seiner „Gladiatoren“, als „ein Gesicht des Teams“. Viel müsse passieren, dass er nicht in der Anfangsformation stehe. Diese Stammplatzgarantie hat sich Leist hart erarbeitet. Zapel schätzt den Musterprofi schon aus der gemeinsamen Saison 2016/17 bei der SG. Damals trennten sich am Rundenende die Wege zwischen Verein und Coach, obwohl der Vertrag noch bis 2018 lief.

Jetzt also der ungewöhnliche, zweite Anlauf. „Es war so, dass wir uns auch gegenseitig vermisst haben. Wir hatten beide das Gefühl, dass wir noch nicht am Ende unserer Beziehung sind“, erklärt Zapel und ergänzt: „Die erste Zeit war so schön, dass man zwischendurch überlegt hat, dass das sicherlich noch mal etwas werden könnte.“

Trainer hat sich weiterentwickelt

Und was sagt Julian Leist zum schnellen Comeback des Trainers? „Ich freue mich. Unter Oliver Zapel haben wir den besten Fußball gespielt, zudem hat er sich weiterentwickelt.“ Seine Anweisungen vermittelt Zapel nach wie vor sehr selbstbewusst und in klarster Tonlage, mit dem „easy2coach-System“ wird weiterhin jeder Spieler nach jedem Training benotet, doch Zapel ist nicht mehr der „Alleinherrscher“ wie in seiner ersten Amtszeit. Er gibt inzwischen auch Aufgaben ab, überträgt den Athletik- und Co-Trainern mehr Verantwortung. Hinzu kommt eine gestiegene Variabilität in Sachen Spielsystem. „Gladiator“ Leist bleibt dabei der Turm in der Schlacht. Die stressige Doppelbelastung ändert daran nichts.

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