Trauerarbeit für Fortgeschrittene: Anke Engelke in der Serie „Das letzte Wort“ Foto: Netflix

Netflix hat Anke Engelke eine eigene Serie spendiert. In der Tragikomödie „Das letzte Wort“ spielt sie eine Witwe, die zur Trauerrednerin wird. Ob sich das Streamen lohnt, verrät unser Schnelltest der Pilotepisode.

Stuttgart - Das Leben ist zu kurz, um es mit schlechten Serien zu verschwenden. Wir haben für Sie gesehen, die erste Episode von „Das letzte Wort“ mit Anke Engelke.

Die Story in zwei Sätzen Der Tod kommt bei der Silberhochzeitsfeier ein. Nachdem ihr Mann plötzlich umkippt und an einem Aneurysma stirbt, macht Karla Fazius im Schnelldurchlauf die Phasen des Trauern durch, bekommt es mit dem Bestattungsunternehmer Borowski zu tun und findet eine neue Berufung.

Was soll das alles? „Thema: Tod. Zielgruppe: Alle!“ Dieser Slogan soll auf dem Papier gestanden haben, mit dem sich die Serienmacher bei Netflix beworben haben. Tatsächlich stemmt sich „Das letzte Wort“ gegen die Sprachlosigkeit, die ein Todesfall bei Familie und Freunden hinterlässt, versucht der Verlusterfahrung mit absurder Komik zu begegnen, erzählt unterschiedliche Trauergeschichten.

Wer ist der Star? Der Sechsteiler kommt als große Anke-Engelke-Show daher. ­Engelke darf die Trauerrednerin Karla ­Fazius als laute, anstrengende, unverschämte Frau spielen, die auch über die Falten in ihrem Gesicht lachen kann: „Scheiße, sind wir alt geworden!“

Wer steckt dahinter? Aaron Lehmann („Das schönste Mädchen der Welt“) ist zwar Autor, Regisseur und Showrunner, die Grundidee stammt aber von dem Schauspieler Thorsten Merten, den man aus dem Weimarer „Tatort“ kennt und der als Bestatter Borowoski Engelke immer wieder die Show stiehlt.

Der Dialog des Tages „Du bist echt der beschissenste Scheißvater der scheißverschissenen Scheißwelt!“ „Ich hab dich auch lieb!“ (das letzte Vater-Sohn-Gespräch vor dem Tod).

Der Song des Tages Das Beste an der ­Serie ist, dass man endlich mal wieder Paolo Contes bittersüßes Lied „Sparring Partner“ zu hören bekommt.

Bingewatch-Faktor „Das letzte Wort“ könnte das plärrende Kind von „Ladykracher“ und diesen Werbespots sein, die Engelke einst für eine Lebensversicherung gemacht hat. Sowohl in tragischen als auch in komischen Momenten wird dabei gerne etwas zu dick aufgetragen. Wer eine wirklich gute Bestatter-Serie sehen will, sollte lieber „Six Feet Under“ schauen (bei Sky verfügbar).

Gesamtnote 3-4

Streaming Alle sechs Episoden sind seit Donnerstag, 17. September, bei Netflix verfügbar.

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