Der Trainer Giuseppe Greco wird nach dem Fellbacher Verbandsliga-Aufstieg im Vorjahr von seinen Spielern auf Händen getragen. Foto: Patricia Sigerist

Großartige Erfolge, großartige Momente: Fellbachs Sportler(innen) haben in den vergangenen Jahrzehnten viel erlebt. Wir wollen ihre Geschichte und ihre Geschichten wieder aufleben lassen: Heute: die Fußballer des SV Fellbach und die Verbandsliga.

Fellbach - Die letzten Minuten dieser Saison sind die härtesten. Das beweist allein ein Blick auf Frank Weinle. Er ist aufgewühlt in diesen letzten Minuten der Saison. Er kann in Brackenheim nicht mehr ruhig dastehen wie Markus Weiß, sein kongenialer Partner als Trainer des SV Fellbach. Stattdessen nutzt Frank Weinle die Tartanbahn ab.

Doch den direkten Aufstieg kann ein einziges Tor verhindern

Während der 33-Jährige einsam herumtigert, passiert auf dem Rasen nicht mehr allzu viel. Die Gäste führen in dieser Landesliga-Begegnung nach zwei Treffern von Giovanni Capasso mit 2:0 beim VfL Brackenheim. Nichts kann mehr ihren Sieg verhindern. Doch den direkten Aufstieg kann ein einziges Tor verhindern. Ein einziges Tor, das dem FSV 08 Bissingen fehlt. Der bisherige Tabellenführer, der zur Feier des Tages schon eine große Party organisiert hat, läuft ein paar Kilometer weiter gegen die KSG Gerlingen mit zunehmender Verzweiflung diesem einen Tor hinterher. Weil der Spielertrainer Alfonso Garcia die Plastikkugel aus kurzer Entfernung übers Tor drischt, steht es in Bissingen noch 0:0. Frank Weinle weiß das. Aber als die Begegnung in Brackenheim vorbei ist, weiß er auch, dass noch nichts vorbei ist. In Bissingen wird nachgespielt, weshalb sich die Fellbacher Fußballer im Mittelkreis zum Kreis formieren. Markus Weiß ist dabei. Ebenso wie Frank Weinle nach der inneren Einkehr auf der Tartanbahn. Sie warten. Andere warten auf der Tribüne. Mathias Fischer, der Abteilungsleiter. Oder Jochen Pflüger, sein Stellvertreter. Der Spielleiter Carsten Eser sagt: „Es kribbelt.“ Sechs Minuten, die den Beteiligten vorkommen wie eine halbe Saison. Dann wird das Kribbeln ein wohliges. Via Handy kommt die entscheidende Nachricht: Abpfiff in Bissingen. Nullnull. Der Kreis in Brackenheim brodelt und brüllt. Der SVF ist nach dem Abstieg im Jahre 2002 tatsächlich wieder in der Verbandsliga.

Die letzten Minuten der Saison waren damals nicht die härtesten

Szenen eines Aufstiegs, der unerwartet kommt. Völlig unerwartet allerdings auch nicht. Die passenden T-Shirts haben die Gäste schon lieber mitgebracht zu diesem letzten Saisonspiel; groß war der Rückstand ja auch nicht gerade vor diesem Ligafinale am 4. Juni 2005. Später lachen und lärmen die Männer aus Fellbach, die da auswärts einen feinen Nachmittag mit ganz feinem Abschluss erleben durften, immer noch auf dem Grün. Sie tragen nun aber bevorzugt den Meisterstoff auf dem Oberkörper. Und Markus Weiß, vorher noch die Ruhe selbst, ist jetzt ein Feierbiest unter Feierbiestern. „Fußball ist halt die beste Sportart“, sagt er. Und ein Aufstieg ist halt die beste Sache auch der Sportart, die er für die beste hält.

Schon im Mai 1997 haben sich Fußballer des SV Fellbach über die gesamte Konkurrenz in der Landesliga hinweggesetzt. Die letzten Minuten der Saison waren damals nicht die härtesten. Der von Heinz Hahn angeleitete Verbund stürmte bereits am vorletzten Spieltag mit einem 6:0-Erfolg bei der TSG Steinheim in die Verbandsliga. Oliver Schöneck erzielte 18 Treffer auf dem Weg nach oben. An seiner Seite standen Frank Weinle, der Trainer in spe, und Mathias Fischer, der zu jener Zeit noch – als Kapitän – auf dem Platz voranging und nicht als Abteilungsleiter.

Nach dem neuerlichen Abstieg sechs Jahre später, richtet sich der SVF in der Landesliga ein

Der heute 52-Jährige, vermutlich der beste Außenverteidiger überhaupt beim SVF, war auch noch wesentlicher Bestandteil jenes Teams, das in der Saison 1999/2000 mit dem Trainer Bernd Schindler fast in die Oberliga aufgestiegen wäre. Doch acht Punkte Vorsprung reichten nicht. So nah war die Oberliga bald nicht mehr: Im Frühjahr 2002 mussten die Fellbacher zurück in die Landesliga.

Nach dem neuerlichen Abstieg sechs Jahre später – und 36 Monate nach dem Wiederaufstieg – richtet sich der SVF auf Dauer in der Landesliga ein. Mitunter ist das sehenswert; zumal für kurze Zeit und mit Unterbrechung einer wie der Angreifer Mario Marinic zum Aufgebot gehört, der gern und oft Sehenswertes produziert. Doch die Trainer halten nicht in jedem Fall, was sich Mathias Fischer und Jochen Pflüger von ihnen versprechen. Die beiden haben im Ehrenamt mehr Arbeit, als ihnen lieb sein kann. Das fängt schon – vor der Ankunft von Mario Marinic – Ende 2008 an. Nach der Trennung von Frank Roth übernehmen Mathias Fischer und Jochen Pflüger vorübergehend gar das Traineramt – zwei Siege später konzentriert sich das Duo wieder auf seine angestammten Aufgaben.

Wieder erreichen die Fellbacher bereits am vorletzten Landesliga-Spieltag das Ziel

So wie in diesen zwei Spielen tritt der SV Fellbach über bald zehn Winter hinweg nicht mehr so häufig auf. Mehrmals droht den zuweilen erfolglosen besten Fußballern an der Esslinger Straße der Absturz in die Bezirksliga. Erst mit Giuseppe Greco kehrt der SVF den Negativtrend rasch um und nach elf Jahren – im Mai 2019 – in die Verbandsliga zurück. Auch bei diesem Aufstieg sind die letzten Minuten der Saison nicht die härtesten. Wieder erreichen die Fellbacher bereits am vorletzten Landesliga-Spieltag das Ziel: Jamie Miller trifft in der 89. Minute zum viel beklatschten 2:1 gegen den TSV Schornbach.

Die anschließende Verbandsliga-Runde kommt aufgrund der Coronavirus-Pandemie vorzeitig zum Stillstand. Beim Abbruch findet sich nur der FC Wangen hinter dem SV Fellbach, doch niemand steigt ab. Jetzt wartet eine neue Bewährungschance. Giuseppe Greco will sie mit verstärktem Aufgebot nutzen. Der 40-Jährige hat mit Ioannis Tsapakidis, dem Sportlichen Leiter, noch viel vor. Viel mehr. Womöglich können sie mit dem SVF in den nächsten Jahren auch mal wieder an die Tür zur Oberliga klopfen. So wie das vor mehr als zwei Jahrzehnten Mathias Fischer getan hat, der nach wie vor – mit Jochen Pflüger – die Abteilung anführt.

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