Foto: factum/Weise

Klaus Detloff kennt als Wanderführer die Gegend rund um seine Heimat Hemmingen in- und auswendig. Trotzdem gibt es für den 77-Jährigen immer noch Neues zu entdecken.

Hemmingen - Wie viele Wanderungen er schon gemacht hat? Bei der Frage winkt Klaus Detloff ab. Keine Chance, er zählt nicht mehr. Der 77-Jährige mit dem weißen Rauschebart ist seit Jahrzehnten immer unterwegs, mit Familie oder Freunden ebenso wie als Führer mit Wandergruppen. Er kennt die Gegend um seinen Wohnort Hemmingen, die ganze Region hat er schon von vorn bis hinten durchwandert. Auch weiter weg war er viele Male, bis in Südamerika.

Seine Liebe zum Wandern hat Detloff eher spät entdeckt. Als Jugendlicher ist er zwar ab und an mit seiner Mutter gewandert, aber so richtig gepackt hat es ihn erst, als die Kinder groß waren. 1986 haben Klaus Detloff und seine Frau Doris eine Hüttentour in den Dolomiten gemacht – es war eine Art Initialzündung. Die Urlaube des Ehepaars waren von da an hauptsächlich aufs Wandern ausgerichtet.

Mit Steigeisen und Pickel auf dem Gletscher

Als der Bauingenieur 1998 in Rente ging, ging es mit dem Hobby erst so richtig los. „Ein Wanderfreund hat mich gefragt, ob ich nicht Wanderführer im Alpenverein werden möchte“, sagt Detloff. Seit 2010 leitet er dort die Seniorenabteilung, und für das Hemminger Forum 55 Plus ist er seit 2009 auch immer wieder der Tourguide. Meist wandert Klaus Detloff in der näheren Umgebung. Er kennt die Gegend, und vor allem die Gaststätten. Wenn die Wanderer dort nach ihrer Tour einkehren, folgt alles einem strikten Zeitplan: Das Essen muss schnell auf den Tisch kommen, um den Zug nach Hause nicht zu verpassen.

Detloff war schon überall zwischen Ochsenbach und Hohenstaufen, Großbottwar und Lorch. „Wiederholungen hatte ich noch nicht“, sagt Detloff. Er war auch in den Bergen, natürlich, zum Beispiel im österreichischen Oberlech, er war in Bozen und Verona, in Südfrankreich, auf Kreta und auf Zypern; bis nach Südamerika hat es ihn verschlagen. Da war das Ehepaar in Argentinien und Chile, unterwegs mit Zelt und Packpferd. „In Patagonien waren wir an einem Gletscher mit Steigeisen und Pickel unterwegs“, sagt Detloff. Heute zieht es ihn nicht mehr weg. „Man muss auch nicht überall hin.“ Stattdessen will er die nähere Umgebung weiter erkunden, wo es immer noch neue Flecken zu entdecken gibt.

Für ein anderes Hobby fehlt die Zeit

Detloff ist, trotz des Ruhestands, immer in Bewegung, oder, wie er es formuliert: „Ich habe gut zu tun.“ Das viele Wandern hält ihn fit, sein Arzt jedenfalls sei zufrieden, sagt Detloff. „Nur berghoch gehe ich mittlerweile langsamer.“ In den Gruppen, die er führt, sei er oft der Älteste, sagt er.

Es ist das ganze Drumherum, das das Wandern für Detloff so reizvoll macht: die Bewegung an der frischen Luft, die Natur, die Blumen, die es am Wegesrand zu entdecken gibt, die Unterhaltung mit den Mitwanderern, die gemütliche Einkehr am Schluss – „es macht einfach Spaß“. Über das Wandern hat er im Lauf der Jahre auch viele Hemminger kennen gelernt, ursprünglich kommt Detloff aus Stuttgart. Heute will er aus dem Ort nicht mehr weg.

Das Wandern ist nicht Detloffs einziges Hobby; bald will er die Modelleisenbahn mal wieder auf Touren bringen, quer durchs Wohnzimmer. Schon als Kind war er davon fasziniert. Bislang fehlt die Zeit, die Eisenbahnen fristen ihr Dasein hinter Glas. Bald ist die Wandersaison für dieses Jahr vorüber. Wenn der Winter kommt, hat Detloff Zeit für die Modelleisenbahn. Vorher aber will er noch ein gutes dutzend Mal die Wanderstiefel schnüren.

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