Nur noch wenige Meter – dann ist es geschafft. Der Gipfel des Mount Everest ist zum Greifen nah. Foto: Furtenbach Adventures

Andy Holzer ist der einzige blinde Profi-Bergsteiger Europas. Im dritten Anlauf hat es endlich geklappt – Er steht auf dem Gipfel des Mount Everest. Wir haben ihn mit einer Serie bei seiner Vorbereitung und beim Weg hinauf in eisige Höhen begleitet.

Mount Everest - 21. Mai 2017 – 49. Tag der Expedition des „Blind Climber“ Andy Holzer und seines Teams auf den Mount Everest.

Auf dem Gipfel

Um 7.10 Uhr tibetischer Ortszeit (3.10 Uhr deutscher Uhrzeit) hat es Andy Holzer und seine sechs Begleiter vom Team Furtenbach Adventures aus Innsbruck geschafft. Sie haben dem Gipfel des Mount Everest bestiegen. Nach 49 Expeditionstagen – und im dritten Anlauf nach 2014 und 2015 – steht der 50-jährige Extrembergsteiger aus Tristach auf dem höchsten Punkt der Welt.

Andy Holzer hat sich seinen Lebenstraum erfüllt – als erster Blinder hat er dritten Pol über die Nordroute bestiegen. Damit ist der Österreicher nach dem Amerikaner Erik Weihenmayer (er bestieg den Everest am 25. Mai 2001 über die klassische Südroute) der zweite Mensch, der ohne Augenlicht den Gipfel erreicht hat. Seine Begleiterin Anja Blacha ist die jüngste Deutsche, die jemals auf dem Gipfel stand.

23 Uhr: Aufbruch von Camp III

Um circa 23 Uhr sind sie aus ihren Zelten in Camp III auf 8300 Meter gekrochen aufgebrochen, um die letzten 548 Höhenmeter zu erklimmen. Problemlos meistern sie die drei schwierigen Felspassagen und steigen die letzten paar Hundert Meter das 40 Grad steile Schneefeld auf dem Nordostgrat empor. Dann – endlich ist so weit.

7.10 Uhr: Auf dem Dach der Welt

8848 Meter. Die Welt unter ihnen ist von einer dichten Wolkendecke eingehüllt, die wie eine Watteschicht über dem schneebedeckten Gebirge liegt . Dieser 21. Mai ist wie geschaffen, um den unfassbaren Ausblick auf dem Thron der Götter zu genießen. Von hier oben wirken selbst die Eisriesen des Himalaya wie zarte Gebilde aus Zuckerwatte. Der 8516 Meter Lhotse, südlich neben dem Everest, der Peak 38 (7951 Meter) im Südosten, der Changtse (7543 Meter) nördlich und der Nuptse (7861 Meter) im Westen.

Das grelle Sonnenlicht wird von den Schnee- und Eiskristallen millionenfach reflektiert. Der Himmel ist so blau wie er nur sein kann. Minus 26 Grad zeigt das Thermometer an, kein Wind weht. In der Nacht vor dem Gipfelaufstieg haben noch Böen von 30 bis 50 Stundenkilometern die Zelte durcheinanderwirbelten.

Dank an die treuen Begleiter

„Klemens und Wolfi haben mich voll untersützt – es gibt keine besseren als die Buben“, sagt Andy Holzer seiner Frau Sabine via Satellitentelefon über seine Begleiter. „Gratulation an Andy und seine beiden Begleiter Wolfgang Klocker und Clemens Bichler. Aufstieg ohne Stau, kaum andere Leute unterwegs“, schreibt Lukas Furtenbach, Geschäftsführer von Furtenbach Adventures auf Facebook. „Danke an unseren super Meteorologen, der uns dieses Wetterfenster prognostizierte. Eine super Leistung der Sherpas.“

7.30 Uhr: Abstieg aus der Todeszone

Nach knapp 20 Minuten ist dieser unvergessliche Moment auch schon wieder vorüber. Das Team steigt ins Camp III ab, wo es gegen 11.30 Uhr Ortszeit eintrifft. Am morgigen Montag geht es aus der Todeszone ins sichere vorgeschobene Basislager auf 6400 Meter. Und von dort Richtung Heimat, wo schon die Familien warten.

Unglück am Everest

Während das Team von Andy Holzer wohlbehalten den Gipfel erreicht und ohne Komplikationen wieder ins Camp absteigt, kommt es auf dem Weg Gipfel zu einem Unglück. Ein 50-jähriger Amerikaner, Mitglied einer britischen Gruppest, stirbt auf dem Weg zum Gipfel. Ob es ein Unfall war oder der Kletterer an der Höhenkrankheit verstarb ist noch unklar.

Nepalesischen Medienberichten zufolge wird zudem ein Bergsteiger aus Indien vermisst. Anfang Mai starb bereits ein 85-jähriger Kletterer aus Nepal im Basislager an einem Herzinfarkt. Der Himalaya-Staat hat in diesem Jahr insgesamt 375 Lizenzen an ausländische Touristen für die Besteigung vergeben. Ende April verunglückte der Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck tödlich am benachbarten Nuptse.

Serie Gipfeltraum

Unsere gesamte „Serie Gipfeltraum – Ein Blinder auf dem Mount Everest“ über Andy Holzers Besteigung des höchsten Gipfels der Welt können Sie auf www.stuttgarter-nachrichten.de und www.stuttgarter-zeitung.de nachlesen.

Der „Blind Climber“ im Filmporträt

„Unter Blinden“

Im Sommer 2014 drehte die österreichische Dokumentarfilmerin Eva Spreitzhofer einen Filmporträt „Unter Blinden – Das extreme Leben des Andy Holzer“. In dem 90-Minuten-Streifen schildert den steinigen Weg des 50-jährigen Extrembergsteigers vom beschaulichen Tristach in Osttirol auf die höchsten Berge der Erde.

„Unter Blinden“, sagt Eva Spreitzhofer, „ist eine Reise von Sehenden in eine Welt, von der uns nur ein Sinnesorgan trennt, die uns fremd und unbekannt ist, obwohl sie eigentlich mitten in unserer liegt.“

„Jenseits des Lichts“

In der Dokumentation Andy Holzer – Jenseits des Lichts“ begleitet der österreichische Privatfernsehsender ServusTV den Bergsteiger und gläubigen Christen Holzer auf einer Reise durch Israel und die jordanische Wüstete bis um Wadi Rum. Die Felswände in diesem größten ausgetrockneten Flusslauf Jordaniens an der Grenze zu Saudi-Arabien bestehen aus Sandstein und Granit.

Die höchsten Erhebungen sind der Dschabal Umm ad-Dami mit 1832 Meter und der Dschabal Ram mit 1754 Meter. Hier übt sich Andy Holzer in der gefährlichen Risskletterei.

Risse sind Felsspalten, die man beim Klettern zur Fortbewegung und Absicherung nutzt. Viele Routen in Sandsteingebieten wie der Sächsischen Schweiz oder in Granitgebieten wie dem Yosemite Valley (US-Bundesstaat Kalifornien) verlaufen in oder an Rissen.

„Jenseits des Lichts“

Zum Film „Bergwelten Jenseits des Lichts“ vom 18. April 2014 auf Servus-TV kommen sie hier.

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