Traugott Kienzle (links) und Rainer Füßle (rechts) radeln zusammen ins Grüne. Foto: Ines Rudel

In Plochingen machen Senioren andere Senioren mobil. Mit einem Tandemfahrrad laden sie zu Ausflügen in die Umgebung ein.

Plochingen - Aufsteigen, anschnallen, losfahren – wenn Traugott Kienzle (89) und Rainer Füßle (76) vom Seniorenheim Johanniterstift in Plochingen mit dem Parallel-Tandem des Vereins Altenhilfe zu einer ihrer Radtouren aufbrechen, geht es meistens den Neckar hinauf, erst zum Bruckenwasen, dann in Richtung Wernau, manchmal sogar bis nach Wendlingen. „Am Neckar entlang ist es interessant“, sagt Kienzle, der durch allgemeine körperliche Einschränkungen nicht mehr selbst Fahrrad fahren kann. Besonders gut gefällt ihm, dass er durch die Radtouren eine willkommene Abwechslung in seinem Alltag bekommt.

Vor rund fünf Jahren hat der Verein Altenhilfe in Plochingen das Spezialfahrrad für 9000 Euro gekauft. Die ursprüngliche Idee war, dass das Rad ausgeliehen werden sollte, beispielsweise von Angehörigen. Doch das hat nicht besonders gut funktioniert. Deshalb hat sich ein Kreis von Ehrenamtlichen gefunden, die regelmäßig mit dem Angebot einer Radtour in das Johanniterstift kommen. Seitdem ist das Spezialfahrrad häufig im Einsatz.

„Man findet immer jemanden, der mitfahren möchte“, berichtet Hartmut Wiegmann. Der 72-jährige Arzt im Ruhestand ist ein begeisterter Fahrradfahrer und hat die Anschaffung des Parallel-Tandems in Plochingen angestoßen. Regelmäßig fährt auch er Touren mit den Bewohnern des Johanniterstifts. Wichtig sei es, selbst die Initiative zu ergreifen und nicht darauf zu warten, dass die Bewohner das Angebot anfragten. Das funktioniere nicht, wie die die Ehrenamtsradler inzwischen wissen. „Man muss die Leute ansprechen“, sagt Wiegmann. „Von dem Moment an, wenn die Beifahrer auf dem Rad sitzen, macht es ihnen Spaß.“

Wichtig ist neben dem Radfahren auch das Gespräch

Einer der ehrenamtlichen Fahrer ist Rainer Füßle. Wichtig sei neben dem Radfahren an sich auch die Unterhaltung, betont er. „Die Mitfahrer erzählen aus ihrem ganzen Leben“, sagt er. Inzwischen gebe es fünf ehrenamtliche Radfahrer, die an unterschiedlichen Tagen in der Woche ins Johanniterstift kämen, um nach Beifahrern unter den Bewohnern zu suchen. Oft fahren dieselben miteinander. Und mit mehr als hundert Radtouren wurde das Gefährt in diesem Jahr so häufig genutzt, wie kaum zuvor. „Das lag wohl am guten Wetter“, vermutet Rainer Füßle. Durchschnittlich seien es in der Vergangenheit vielleicht 60 Fahrten pro Jahr gewesen, schätzt er.

In Ostfildern gibt es ein ähnliches Angebot. Auch dort wird das Rad häufig genutzt. Dort seien in diesem Jahr 1200 Kilometer gefahren worden, berichtet der ADFC. In Ostfildern wird das Fahren ebenfalls von Ehrenamtlichen begleitet und angeboten. Es läuft aber nicht überall so gut wie in Plochingen und Ostfildern. In Eislingen (Kreis Göppingen) wurde Mitte des Jahres ebenfalls ein Parallel-Tandem angeschafft. Dort wurde es jedoch gerade einmal 15 Mal genutzt. Hartmut Wiegmann vermutet, dass die geringen Ausleihzahlen in Eislingen mit dem dortigen Verleihsystem ohne ehrenamtliche Fahrer und dem Standort des Rades im Rathaus zusammenhängen.

In Kirchheim gibt es Rikschas

In Kirchheim gibt es zwei Rikschas, die ausgeliehen werden können. Ein wesentlicher Unterschied zum Parallel-Tandem sei dabei jedoch, dass bei der Rikscha die Mitfahrer keine Bewegung hätten, sagt Wiegmann. Hinzu komme, dass die Mitfahrer in der Rikscha nicht neben, sondern vor dem Fahrer säßen. Die Tandem-Räder bieten dagegen unterschiedliche Möglichkeiten für die Beifahrer. Sie können mit in die Pedale treten oder einfach die Beine mitbewegen lassen. Wer die Beine stillhalten möchte, kann dies auch tun. Eine Rücken- und zwei Armlehnen sorgen für ausreichende Stabilität. Gelenkt wird vom Fahrer, der letztlich auch für das Treten verantwortlich ist. Unterstützt werden die Fahrer von einem Elektromotor, der in unterschiedlicher Intensität zugeschaltet werden kann.

Trotz des Erfolges der Ehrenamtsfahrten bleibt das Parallel-Tandem in Plochingen auch ausleihbar. Wer das Gerät nutzen möchte, kann sich bei Hartmut Wiegmann unter der Telefonnummer 07 15 3/27 22 5 melden.

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