Das St. Georges in Kornwestheim war das Stammlokal von Scott Wood.Das St. Georges war das Stammlokal von Scott Wood. Foto: Peter Meuer

Jahrelang hat Scott G. Wood in Kornwestheim gelebt und gewirkt. Er war Commander der US-Truppen und gründete das Softballteam Woodpeckers mit. Nun zog es den 74-Jährigen zurück in die USA.

Kornwestheim - Scott G. Wood spricht über viele Dinge gern, über manche nicht so gern und über eine Sache überhaupt nicht. Besonders gern wirft er dieser Tage einen Blick zurück auf die Menschen, die er in Kornwestheim getroffen hat. Er erinnert sich noch einmal an all die kleinen und großen Begegnungen. Im Foyer des Hotels Domizils sitzt Wood, 74 Jahre, Silberschnauzbart, und erzählt.

Er erzählt, wie er damals nach Kornwestheim kam und durch die Straßen der Stadt spazierte, die auch seine Stadt werden sollte. Einen griechischen Wirt traf er, der ihn als Amerikaner erkannte und ihm gleich ein Bier in die Hand drückte. „Ich habe mich willkommen gefühlt“, sagt Wood. Er beschloss, in Kornwestheim zu leben. Ende der 80er Jahre war das, nach seiner Zeit beim Militär. Als Deputy Commander hatte Wood zuletzt den Befehl über Tausende US-Soldaten zwischen Ludwigsburg und Stuttgart, auch in Kornwestheim und Pattonville.

Er erzählt, wie er einmal als Marlboro-Mann bezeichnet wurde, mit seinem Akzent und dem Cowboy-Hut. „Das Rauchen habe ich aber aufgegeben“. Er erzählt, wie er mit deutschen Freunden zusammensaß, wenn der Superbowl im American Football über die Bildschirme flimmerte.

Die Familie lebt in den USA

In diesem Jahr war das nicht mehr möglich. Einen Tag vor dem Superbowl, am vergangenen Samstag, ist Scott Wood in seine alte Heimat geflogen. Nach Boerne in Texas ist er gereist, wo seine beiden Kinder leben. Der 74-Jährige wird jetzt wieder dauerhaft in den USA leben. Der Druck der Familie wurde am Ende zu groß: Sie vermissten ihn als Vater und als Opa.

Leichtgefallen sei ihm die Entscheidung nicht, sagt Scott Wood. Man kennt ihn in der Stadt, er hat das Softballteam der Woodpeckers mit aufgebaut und war jahrelang deren Trainer. Die Gründung der Mannschaft ist auch eine dieser Geschichten, die Scott Wood so gern erzählt. Und auch vom St. Georges erzählt Wood, seinem Stammlokal, in dem er immer wieder viele Freunde getroffen und viele Stunden verbracht hat. Die Woodpeckers seien ja an sich eine Kneipenidee gewesen, berichtet Scott Wood. Er wurde damals, ohne allzu viel eigenes Zutun, zu deren Trainer, sein Name ein Teil des Teamnamens. Zwei Freunde seien zu ihm gekommen: „Wir haben entschieden, du wirst unser Coach.“ Warum? Softball ist eine Variante des Baseballs. „Und alle dachten, als US-Amerikaner müsste ich von Natur aus ein Experte sein“, sagt Wood und grinst. So wie in den USA alle denken würden, jeder Deutsche könne kicken, ergänzt er lachend. Allzu schlecht hat er sich nicht geschlagen: Die Woodpeckers – zu Deutsch Spechte – erspielten sich unter seiner taktischen Prämisse sogar einmal einen dritten Platz bei den deutschen Meisterschaften.

Nicht ganz so gern spricht der gebürtige Kalifornier über seine Zeit beim Militär. Zumindest nicht über alles, was er dort erlebt hat. In Vietnam hat er gekämpft und war Helikopterpilot in der 7th Cavalry. Das ist jene Einheit, die einst traurige Berühmtheit erlangte durch die Schlacht gegen Indianer am Little Bighorn.

Über die aktuelle US-Politik verliert er kein Wort

Ein Jahr ist er in Vietnam gewesen. „Das war genug“, sagt Wood. Und ergänzt: „Eigentlich war ein einzelner Tag dort genug.“ Anfang der 70er Jahre kam Scott Wood dann zum ersten Mal für einige Wochen nach Deutschland, zunächst zu Lehrgängen. Bald aber wurde er dann fest stationiert. Zunächst als US-Kommandant für den Flughafen Echterdingen, später als Deputy Commander der US Army, in seinem Bereich der „2nd Boss“, wie er das nennt. Auch in Pattonville und in der Kornwestheimer Ludendorff-Kaserne wirkte er dabei. Der Entschluss, in Kornwestheim zu bleiben, fiel dann kurz nach seiner Pensionierung.

Worüber er gar nicht spricht, das ist die aktuelle US-Politik. Auch wenn Scott Wood als Amerikaner – noch dazu als hochrangiger Ex-Soldat – oft auf Trump, Bush, Obama & Co. angesprochen wurde. „Nein, dazu sage ich nichts.“ Nur über die deutsch-amerikanischen Beziehungen mag er reden. Dann erzählt der Mann mit den schalkhaften Augen und der braunen Lederjacke davon, wie wichtig Freundschaften sind zwischen Menschen und Völkern. Und davon, wie nahe sich die USA und Deutschland gekommen seien in den vergangenen Jahrzehnten. Und er blickt doch noch einmal kurz auf seine Zeit als Soldat während des Kalten Krieges zurück und auf die besondere Rolle des US-Militärs in Deutschland. „Wir waren bereit, für Europa zu sterben“, sagt er. Und er, der sonst so lebhafte und gut gelaunte Texaner, wird dabei für einen Moment nachdenklich.

Wood arbeitet an einem Buch

Was er für Pläne in den USA hat? „Ich werde viel zeichnen“, sagt Scott Wood. Er ist ja nicht nur Soldat gewesen und Softball-Trainer, sondern immer auch Cartoonist. Das Logo der Woodpeckers hat er mit entworfen, und gerade arbeitet er an einem Bildband über ein „Animal Kingdom“, ein tierisches Königreich. „Meine neue Buch-Idee ist das“, erzählt Wood. Wenn er spricht, dann noch immer die meiste Zeit in amerikanischem Englisch. Allzu viel Deutsch hat er nicht gelernt, da ist er durchaus selbstkritisch. Er könne gerade einmal Bier bestellen, Frauen anflirten und seinem Drang, einer Toilette einen Besuch abzustatten, auf Deutsch Ausdruck verleihen, berichtet Wood. In Deutschland, da sprächen eben alle so gut Englisch, sagt Wood zu seiner Entschuldigung. Was ihm künftig fehlen wird? Seine deutschen Freunde natürlich, immer wieder spricht er von den Menschen. „Aber ich komme wieder“, verspricht Wood. „Ich schaue bald nach Flügen.“ Noch ein allerletztes Mal spazierte er vor seinem Abflug durch Kornwestheim. Scott Wood wandelte dabei auf den Wegen, die er entlangschritt, als er die Stadt frisch kennenlernte.

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