Zu den Brücken auf der Route der Bernina-Bahn zählt der Landwasser-Viadukt. Foto: RHB

Die Bernina-Linie kämpft sich zwischen Chur und Tirano von der Schweiz nach Italien.

St. Moritz: Hier beginnt die Königsetappe der Bernina-Bahn. Der Bahnhof ist wie ein Laufsteg. Die Betuchten, die mit Luxuskoffern in eine der vielen Edelherbergen der mondänen Stadt im Oberengadin anreisen. Die normalen Touristen, die für einen Tag auf Entdeckungstour gehen. Und dann die Umsteiger, die von Chur kommend ein einmaliges Erlebnis hinter sich haben. Die Fahrt von der Bündner Hauptstadt Chur auf der Albula-Strecke hinauf ins Engadin – über eines der berühmtesten Fotomotive der Schweiz, das Landwasser-Viadukt, und durch zahlreiche Kehrtunnel hindurch. Noch glauben die Bahnfahrer, dass diese Eindrücke nicht zu überbieten sind. Doch das täuscht.

Der rote Zug der Bernina-Bahn rollt an. Wir sitzen in modernen Panoramawagen. Die Fahrt ist geräuschlos, genauso still, wie es die steil aufragenden Berge sind, auf die uns die Lok hinter Pontresina hinaufzieht. Der Schaffner Andreas Kasal schreitet durch die Waggons. "Billetvorweisung bitte!", ruft er. Der Swisspass wird gezeigt, erst jetzt gibt er ein freundliches Lächeln zurück. Dass man in der Schweiz Bahn fährt, versteht sich von selbst. Auch, dass man für die Bernina-Passage einen Zuschlag bezahlt. Wer mit dem Swisspass unterwegs ist, weist sich als Kenner aus. Dieser Pass ist der Türöffner zu allen Bahn-, Schiffs- und Buslinien der Eidgenossen.

Ankunft in Pontresina. Nirgends zeigt sich besser, dass die Bernina-Bahn "extrem von den Jahreszeiten geprägt ist", wie Peider Härtli sagt, Sprecher der Rhätischen Bahn (RhB). Im Frühjahr und Sommer leuchten die Farben besonders kräftig. Der Himmel über uns strahlt stahlblau. Und die Wiesen blühen wunderbar bunt. Im Winter aber holen sie die Dampfschleuder, Baujahr 1910, aus dem Schuppen. Sie fräst sich über den Bernina-Pass, wenn die Gleise unter meterhohem Schnee liegen. "Der Schneefall ist kein Problem", erzählt Härtli. "Aber bei starkem Wind bewegt sich der Schnee wie Dünen." Dann kommt die Dampfschneeschleuder zum Einsatz. Früher konnte die Maschine noch fräsen und zugleich selbst fahren. Heute muss sie – altersschwach geworden – von einer zweiten Lok den Berg hinaufgeschoben werden. Was musste sie nicht schon alles leisten! Im Rekordwinter 2000/2001 etwa türmte sich der Neuschnee oben auf dem Bernina-Pass bis zu 25 Meter hoch. "In Summe natürlich", erklärt uns der RhB-Mann und grinst, als er unser Stirnrunzeln bemerkt.

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