Klick – der Fotoapparat ist auch im Berner Oberland immer im Einsatz. Foto: Schaefer

Wenn Asiaten reisen, muss es immer schnell, schnell gehen. Unterwegs mit einer Reisegruppe.

Herr Woo versammelt seine Koreaner am Eingang zum Château de Chillon. Eine Stunde haben sie Zeit, erklärt er. Die Gruppe besichtigt zehn Tage lang die Schweiz, ungewöhnlich für Koreaner. „15 Tage, 10 Länder“, sagt Herr Woo und erklärt, für seine Landsleute „isch das normal“. Er spricht Englisch und Schwyzerdütsch, lebt seit 14 Jahren in Interlaken und organisiert Reisen für Koreaner.
Die Teilnehmer eilen im Laufschritt durch das Tor, dann stehen sie ratlos mit ihren Faltplänen im Innenhof. Die verschachtelte Architektur des mittelalterlichen Wasserschlosses erschließt sich ihnen nicht. Eine halbe Stunde später stehen alle wieder draußen. Herr Lee, Frachtunternehmer aus Seoul, sagt: „Das Schloss ist sehr schön, aber etwas unübersichtlich.“ Als Geschäftsreisender war er oft in Europa. Für diese Reise in die Schweiz habe sich seine Frau entschieden.

Herrn Woos Gruppe scharrt mit den Hufen. Auf geht’s in die Taverne, Mittagessen an der Straße, in einem dieser busfreundlichen Restaurants. Kaum sitzen alle, tragen die Kellner Suppe auf. Herr Woo sagt, er rufe vorher in den Restaurants an, in denen er vorbestellt hat. Er erkläre dem Personal: Wenn wir da sind, muss das Essen sofort auf dem Tisch stehen. „Balli, balli“, das sei das koreanische Prinzip. Schnell, schnell – man möchte keine Zeit verplempern, schon gar nicht mit dem Essen. Und nicht salzen, überhaupt kein Salz bitte. Koreanisches Essen ist höllenscharf, aber praktisch salzlos, weshalb Koreanern die europäische Küche ungenießbar erscheint.

Herr Woo, ein kompakter 41-Jähriger mit schwarzem, kurzärmligem T-Shirt, versucht diese Salzerei seinen Gästen zu erklären. Salz sei früher kostbar gewesen, es zu verwenden, ein Zeichen von Reichtum. Außerdem enthalte das kalkhaltige Wasser wenig Mineralien, deswegen müsse man das Essen salzen. Aufgetragen wird Kalbsragout mit bleicher Soße. Sie stochern im Essen. Herr Woo flüstert: „Sie wollen asiatisch essen.“ Auf den Tischen stehen Krüge mit Wasser, niemand bestellt Bier oder Wein.

Die Reise begann in Zürich und Luzern, es folgten Lugano, Andermatt, Glacier Express, Zermatt, Leukerbad, alles zusammen für 2800 Euro pro Person mit Flug. Und weiter geht es nach Grindelwald. Seit 1989 gilt in Korea Reisefreiheit. Rund 94000 Koreaner kamen im vergangenen Jahr in die Schweiz, sie blieben im Schnitt eineinhalb Nächte. Viel Zeit für Shopping ist auch auf dieser Reise nicht. „Eine teure Uhr kaufen sie lieber zu Hause“, sagt Herr Woo. Denn wer hier eine Uhr für mehrere Tausend Euro kaufe, werde als Tourist abgefertigt. In Korea hingegen gelte er als jemand Besonderes. „Die Menschen in den Geschäften sind nicht immer sehr freundlich“, sagt Herr Woo. Seine Gäste würden dann fragen, ob man sie schlecht behandele, weil sie Asiaten sind. Dann erklärt Herr Woo, damit habe es nichts zu tun. Man werde einfach nur als Tourist behandelt.

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