An der Riedseeschule sind die Kinder auf ihre Fitness getestet worden. Foto: Jacobs

Wie weit können Erstklässler aus dem Stand springen?Wie gut können sie dribbeln? Das will die Stadt wissen und testet an den Grundschulen die Schüler.

Möhringen - Jungs, lauft nicht so schnell“, warnt Alwin Oberkersch, der Sportlehrer vom Kindersportverein Stuttgart (KiSS), noch. Aber da ist es für die ganz schnellen Jungs aus der Klasse 1b der Riedseeschule bereits zu spät. Mit voller Kraft sprinten die Erstklässler in die erste Runde des Dauerlaufs. „Das Tempo halten sie natürlich nicht sechs Minuten lang durch“, sagt der Sportlehrer. Eine Runde durch die Turnhalle ist 54 Meter lang. Das Ziel ist es nicht, in den ersten beiden Runden Bestzeiten zu laufen. Vielmehr geht es darum, in sechs Minuten so viele Runden wie möglich zu absolvieren. Lorenz (Name von der Redaktion geändert) hat es gemütlicher als die anderen angehen lassen. Aber gerade deswegen könnte er am Ende die Nase vorn haben. Er läuft seine Runden konstant in einem mittleren Tempo, muss keine Gehpausen wegen Seitenstechens einlegen. „Vielleicht knackt er die 20-Runden-Marke“, sagt Oberkersch und schaut auf seine Strichliste. Das wären mehr als 1000 Meter in sechs Minuten – für ein Kind von sechs Jahren eine gute Leistung.

Stadt will die Bewegungsförderung ausbauen

Wie fit sind die Kinder der Riedseeschule? Um das in Erfahrung zu bringen, steht an diesem Morgen ein 70-minütiger Sporttest auf dem Stundenplan der Möhringer Grundschule. Überprüft werden die Klassen eins und zwei. Und nicht nur an der Riedseeschule – an vielen Grundschulen im Stadtgebiet testen die Sportlehrer der KiSS derzeit die Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit der Kinder. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Sportamt. Das Ziel der Stadt ist es, eine Übersicht darüber zu bekommen, wie sportlich die Kinder in Stuttgart sind. Diese Informationen sollen die Basis für die Sportangebote am Nachmittag in Schulen und Horten sein. Die Stadt Stuttgart plant, die Bewegungsförderung auszubauen.

Deswegen haben die Sportlehrer sieben Trainingsstationen aufgebaut und schauen genau hin: Wie gut halten sich die Schüler eine Minute lang im Liegestütz? Wie weit springen sie aus dem Stand – ohne umzufallen? Wie gut können sie mit dem Ball dribbeln und prellen?

Kinder spielen weniger auf der Straße

Die Erfahrung von Chirine Schmid, Leiterin der Kindersportschule, ist, dass diese Fertigkeiten oft noch nicht so gut ausgebildet sind, wie sie es bereits sein könnten. „Ich kann natürlich nur mutmaßen, warum das so ist“, sagt sie. Aber wenn Kinder die Nachmittage nicht mehr auf der Straße oder auf dem Bolzplatz beim Ballspielen verbringen – dann fehle es eben an Übung. Oft könne der Schulsport das Defizit nicht ausgleichen. „Mit dem Umziehen bleibt in einer Einzelstunde zu wenig Zeit.“

Barbara Mitrovic, die Klassenlehrerin der 1b, ist zugleich auch ausgebildete Sportlehrerin. Und ehemals Geräteturnerin. „Deswegen baue ich so oft wie möglich Reck oder Barren auf“, sagt sie. „Einen Felgaufschwung sollte jeder Schüler können“, sagt Mitrovic. Sie ist mit den sportlichen Leistungen ihrer Schüler zufrieden. „Ich staune manchmal selbst: Geräteturnen hat zwar einen verstaubten Ruf, aber die Schüler sind mit viel Spaß dabei.“

Mit den Ergebnissen zufrieden

Auch die sieben Sportlehrer des KiSS sind mit den Ergebnissen des Morgens im Schnitt sehr zufrieden. Sowohl die Leistungen der Schüler der 1a als auch der 1b liegen im Rahmen. „Super machst du das“, lobt etwa Sportlehrerin Laura Tarapore den Sprung von Simon. Aus dem Stand ist er mehr als 1,20 Meter gesprungen und liegt damit im oberen Durchschnitt. Seine Klassenkameradin Laura ist beweglich wie eine Katze. Ohne Mühe gelingt es ihr, mit durchgedrückten Knien den Tennisball vom Boden aufzuheben. Einzig die Ohren könnten einige Schüler ein wenig trainieren. „Halt“, sagt Tarapore, als Panagiotis zum wiederholten Mal Anlauf zum Weitsprung nehmen will. „Aus dem Stand heißt aus dem Stand.“

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