Bei älteren Menschen wird mehr gemahnt. Foto: dpa/Christian Charisius

Es ist ein Alarmsignal: Innerhalb von nur einem Jahr ist die Zahl überschuldeter Senioren um fast 50 Prozent gestiegen. Besonders gut geht es hingegen den Menschen im Südwesten – aber auch da gibt es Unterschiede.

Stuttgart - Mit Statistiken lässt sich bekanntlich allerhand belegen. Auch exaktes Zahlenmaterial bleibt interpretierfähig. Ziemlich eindeutig ist die Bevölkerungsentwicklung. Deutschland wird immer älter. Ende 2018 lebten hierzulande 17,88 Millionen Menschen, die das 65. Lebensjahr bereits überschritten hatten, die Zahl der unter 20-Jährigen hingegen betrug nur 16,18 Millionen. Sehr vielschichtig und unübersichtlich wird es, wenn die Zahlen über die finanziellen Verhältnisse der älteren Generation Auskunft geben sollen.

Senioren auf Kreuzfahrt

Es ist noch gar nicht lange her, da titelten zahlreiche Medien „von wegen Altersarmut“. Anlass war eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die hatte ergeben, dass ältere Menschen die Jüngeren bei der Entwicklung der Realeinkommen deutlich abhängen. In der Tat gibt es ein kaufkräftiges Publikum jenseits der Arbeitsgrenze. Nicht nur Kreuzfahrtanbieter wissen das, und bieten Reisen an, bei denen sie dieses spezielle Publikum mit einem auf dessen Bedürfnisse abgestimmten Programm von Insel zu Insel schippern.

Senioren in der Schuldenfalle

Alles gut also? Von wegen. Die Zahl der Senioren, die von so einem Urlaub nicht einmal zu träumen wagen, wächst nämlich ebenso. Das Inkassounternehmen Creditreform hat am Donnerstag seinen Schuldner-Atlas präsentiert, die Zahl der überschuldeten Rentner über 70 Jahre hat sich dabei um 118 000 Fälle fast verdoppelt. Als überschuldet gilt, wer von mindestens drei verschiedenen Gläubigern je mindestens drei Mahnungen erhalten hat. Zwar ist die Überschuldungsquote bei den Rentnern mit 2,95 Prozent gering, im Bundesschnitt sind es zehn Prozent. Doch die hohe Zunahme der absoluten Zahl bereitet den Machern der Studie Sorge.

Vergleichsweise gute Nachrichten gibt es mit Blick auf den Südwesten: Hinter Bayern ist Baden-Württemberg das Bundesland, in dem die Menschen am wenigsten Geldsorgen haben. Aufgelistet nach Städten und Kreisen liegt Tübingen im Land ganz vorn, hier beträgt die Überschuldungsquote 5,9 Prozent, Heidelberg (6,24) und der Main-Tauberkreis (6,31) folgen auf den Plätzen. Bundesweit liegt Eichstätt (3,98) ganz vorn und Bremerhaven (21,67 ) ganz hinten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: