Fernsehkoch Johann Lafer mit dem ehemaligen Spitzentennisspieler Tommy Haas beim Weissenhof-Turnier in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Als „katastrophal“ hat Spitzenkoch Johann Lafer das Urteil zum Kükenschreddern bezeichnet. Das Signal der obersten Verwaltungsrichter sei „sehr deprimierend“, sagte der 61-Jährige beim ATP-Tennisturnier in Stuttgart unserer Zeitung.

Stuttgart - Eigentlich war Johann Lafer, der sich unlängst aus den Zwängen der Sterneküche verabschiedet hat, nach Stuttgart gereist, um beim ATP-Tennisturnier auf dem Weissenhof für die schönen Dinge des Lebens zu werben, für gutes Essen und für guten Espresso. Doch dann hörte der 61-Jährige am Donnerstag vom spektakulären Gerichtsurteil zum massenhaften Töten von männlichen Küken und wurde sehr wütend. „So ein Urteil passt nicht in die heutige Zeit“, sagte der TV-Koch unserer Zeitung. Das erhoffte starke Signal für den Tierschutz sei ausgeblieben.

Der TV-Koch hat seinen Fleischkonsum stark eingeschränkt

„Menschen sollten Tier und Natur achten“, findet Lafer. Seit 2002 ist der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert, auch gibt es ein Tierschutzgesetz, das verbietet, einem Tier „ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden“ zuzufügen. Nach dem Spruch der obersten Verwaltungsrichter in Leipzig ist der langjährige Sternekoch ratlos. Es könne nicht sein, dass in Deutschland Jahr für Jahr etwa rund 45 Millionen männliche Küken sterben müssten, nur weil ihr Leben für die Geflügelindustrie zu teuer sei.

Johann Lafer, der sich nach seinem Ausstieg aus der Sterneküche auf die „einfache Küche“ besinnt, versteht nicht, warum man Forschungsprojekte, die eine Geschlechtsbestimmung bereits im Ei ermöglichen, nicht stärker gefördert habe. „Ich bin kein Experte“, sagte er, „aber da müsste man doch längst eine Lösung gefunden habe, wenn es man es nur wirklich will.“

Der TV-Koch ist kein Vegetarier, hat aber den Fleischkonsum bei sich stark eingeschränkt. „Es kann nicht sein, dass wir jeden Tag Steaks essen, immer nur das Beste“, erklärte er. Köche seien gefordert, mit ihrer ganzen Kreativität zu zeigen, wie gut und vielseitig die vegetarische Küche sein könne.

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